Ritter, Bauern, Lutheraner
Autor: Redaktion
Hammelburg, Freitag, 21. Juli 2017
Die Ausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" in Coburg war das Reiseziel einer Hammelburger Reisegruppe.
Gemeindeglieder der evangelischen Kirchengemeinde und Mitglieder der Europa-Union verreisten gemeinsam. Das "Haus der Bayerischen Geschichte" in Augsburg hat in dreijähriger Arbeit diese Ausstellung in Erinnerung an die Reformation auf der Veste Coburg vorbereitet.
Vor einem halben Jahrtausend wandelte sich das Bild der Welt für unsere Vorfahren. Vieles war nicht mehr wie früher, fiel aus seiner alten Ordnung und beunruhigte die Menschen. Die Osmanen wurden als eine reale Bedrohung empfunden. 1453 eroberten sie Konstantinopel, 1526 schlugen die Türken ein ungarisches Heere in der Nähe der Stadt Mohacs, 1529 standen sie vor Wien.
Zeitzeugnisse und Exponate
Afrika rückte Europa näher. Dafür sorgte der frühe Kolonialismus. Indien und Amerika regten die Fantasie der Menschen an. Gold aus Südamerika, in europäischen Münzstätten zu Münzen geschlagen, war ein starker Impuls für Wachstum. Wirtschaftlicher Aufschwung und Frühkapitalismus, Ausbreitung des Buchdrucks, Wachstum der Städte mit eigener städtischer Kultur, künstlerisches Schaffen von überragenden Künstlern vor allem in Italien und Deutschland. Noch nie Dagewesenes trat in das Bewusstsein der Menschen und stellte die alte Weltsicht infrage. Vor diesem neuen Horizont des Menschseins kam die von Martin Luther ausgelöste Kirchenspaltung hinzu. Die hierarchisch aufgebaute Papstkirche geriet in eine scharfe Kritik. Eine neue Epoche begann.
Mit vielen Zeitzeugnissen, wertvollen aufschlussreichen Exponaten und Dokumenten, tritt den Besuchern der Ausstellung anschaulich und einprägsam die Epoche Reformation entgegen. Beeindruckt verließen die Teilnehmer die Veste.
Der anschließende Besuch der Morizkirche in Coburg bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Der außergewöhnliche Hochaltar der Kirche ist ein meisterliches, prachtvolles Gesamtkunstwerk. In Öl gemalt, in Holz geschnitzt, in Stein gehauen. Gott sei Dank, hat dieser Kunstschatz der heute evangelischen Morizkirche den Bildersturm der übereifrigen Protestanten unbeschadet überstanden. Die meisten Altäre gingen im Zuge der Reformation verloren, als evangelisches Denken den schlichten Kirchenräumen den Vorzug gab. Dieter Galm von der Europa-Union und Michael Hügel von der evangelischen Kirchengemeinde haben gemeinsam diese Tagesfahrt vorbereitet.
Die Ausstellung kann den Besuchern helfen sich im Strom der Zeit zu orientieren, die Vergangenheit zu verstehen, den verschlungenen Wegen der Geschichte die zum Heute führten, nachzugehen. Dieter Galm