Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Kreisheimatpflegerin Cornelia Mence aus Hammelburg mit dem früheren jüdischen Leben in der Region. Eines der wichtigsten verbliebenen Zeugnisse ist dabei der jüdische Friedhof in Pfaffenhausen. Er wurde um 1580 angelegt und war Verbands- und Bezirksfriedof für die jüdischen Gemeinden in Bonnland, Dittlofsroda, Gemünden, Hammelburg, Hessdorf, Oberthulba, Untererthal, Unterriedenberg und Westheim, bis ins Jahr 1801 zusätzlich auch für Bad Kissingen und bis 1911 für Geroda. Umso mehr freut sich Mence, dass die rund 1300 Grabsteine im jüdischen Friedhof mitten in Pfaffenhausen nun erfasst und ausgewertet werden. "Es geht nicht nur um jüdische Geschichte, sondern auch um Stadt-Geschichte", plädierte sie in der jüngsten Stadtratssitzung für ein Leader-Förderprojekt, das einstimmig nach kurzer Beratung auch auf den Weg gebracht wurde.

"Der jüdische Friedhof in Pfaffenhausen ist der älteste und größte im Landkreis", betonte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU). "Der Friedhof gehört zum Kulturerbe von Pfaffenhausen", sagte Ortssprecher Detlef Heim (CSU). 2. Bürgermeisterin Elisabeth Assmann (Grüne) bezeichnete die Grabsteine dort als "eine Art Stolpersteine", die an die Lebensgeschichte jüdischer Mitbürger erinnere. Einige Stadträte schlugen vor, dass der gesamte Stadtrat eine Führung durch den Friedhof mache. Etliche Mitglieder kennen die mehr als einen Hektar große Anlage bereits. "Mich hat sehr beeindruckt, was aus einem Grabstein alles an Geschichte herauszulesen ist", berichtete etwa Thomas Reuter (Bürgerliste) von zwei Führungen dort. Auch 3. Bürgermeister Christian Fenn (Junge Liste) hat sich bereits über die Vorbereitungen auf das Leader-Projekt informiert: "Der Vortrag hat deutlich gemacht, welchen Schatz wir da haben."

Vorbild im mittelfränkischen Schopfloch

Um die kulturelle und religiöse Gedenkstätte zu erhalten und aufzuwerten, hat die Stadt Verhandlungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Regionalmanagement des Landkreises Bad Kissingen geführt. In einem Leader-Förderprojekt sollen der Friedhof vermessen, Grabsteine fotografiert und in einer öffentlich zugänglichen Datenbank dokumentiert werden. Als Vorbild nannte Bürgermeister Warmuth die Seite www.juedischer-friedhof-schopfloch.de, auf der Maße, Inschriften und Bedeutungen jedes Grabsteins abrufbar sind.

Das Landesamt für Denkmalpflege stelle die Software und fachliche Beratung zur Verfügung. Finanziell dagegen sei von dort nur ein Zuschuss von rund fünf Prozent zu erwarten. Die Stadt rechnet mit rund 100 Euro Kosten je Grabstein. Zudem seien Öffentlichkeitsarbeit und pädagogische Projekte geplant. Der Bürgermeister geht deshalb von rund 150 000 Euro Gesamtkosten aus. Über das Leader-Programm erhofft sich die Stadt 60 Prozent Förderung. Somit würde bei der Stadt ein Eigenanteil von maximal 50 000 Euro bleiben, sagte Warmuth. Allerdings hätten andere Projektträger bereits darauf hingewiesen, dass sich auch private Stiftungen an solchen Projekten beteiligen. Der Bürgermeister hofft also, dass sich der Eigenanteil noch reduziert.

Der Hammelburger Bürgermeister betonte zudem, dass das Projekt auch für andere Kommunen mit jüdischen Friedhöfen offen stehe. "Damit wären sicherlich Synergieeffekte zu erzielen." Allerdings müsse jede Gemeinde einen eigenen Leader-Antrag stellen. Zudem betonte Warmuth, dass für das Projekte noch ehrenamtliche Helfer gesucht werden. "Frau Mence hat sich schon bereit erklärt", bedankte sich Warmuth. Die Stadt Hammelburg geht davon aus, dass die Erfassung und Dokumentation aller Grabsteine mindestens drei Jahre dauert, wahrscheinlich eher fünf Jahre.

Dass die Zeit drängt, betonte Kreisheimatpflegerin Cornelia Mence in der Stadtratssitzung. Auf Fotos von Grabsteinen aus den 1990er Jahren seien noch Details zu erkennen, die mittlerweile verschwunden sind. "Deshalb ist es höchste Zeit, das anzugehen", warb sie für das Projekt.

Gleich mehrere Themen haben die Stadträte nach der langen Sommerpause unter dem Punkt verschiedenes angesprochen. Norbert Schaub (SPD) fragte zum Beispiel wegen des Erdaushubs an, der am Bahnübergang Westheim abgelagert sei. Die Abdeckung sei zum Teil bereits verweht. Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) sagte zu, dass die Stadt bei der Bahn nachhake. Die Deutsche Bahn teilte auf Nachfrage der Redaktion mit, dass die Ablagerungen "durch eine Baufirma abtransportiert und der Abfallentsorgung zugeführt" werden. Die Bahn betonte, dass das Material aber nicht verunreinigt sei.

Auf Nachfrage von Reimar Glückler (CBB) berichtete Stadtbaumeister Detlef Mohr, dass am Hammelburger Bahnhof lediglich der Container für das neue Stellwerk und ein Container für die Stromversorgung dauerhaft stehen bleiben. Alle anderen Container würden nach seiner Kenntnis abgebaut.

Nicht mehr zu restaurieren ist nach Mohrs Worten ein Bildstock am Längberg bei Westheim, der bei Mäharbeiten beschädigt wurde. Eine Restauratorin habe von einer Sanierung eindeutig abgeraten. Nun müsse geklärt werden, ob es vielleicht einen modernen Ersatz gibt. "Es ist bedauerlich, aber wir werden nicht jeden einzelnen Bildstock erhalten können", sagte Warmuth mit Blick auf hunderte Bildstöcke im Stadtgebiet. Auf eine weitere Nachfrage hin teilte Mohr mit, dass die Stadtwerke aktuell in Richtung Feuerthal Versorgungsleitungen erneuere. Zum Teil würde auch die Trasse von Privat- auf öffentlichen Grund verlegt.