In vielen Orten entlang der Saale gab es früher an den Flusswiesen Bleich- und Waschplätze. In den Sommermonaten trafen sich dort die Frauen, um Bettwäsche, Tischdecken und Hemden zu waschen und zu bleichen. Baumwolle, Waschmaschinen oder chemische Bleichmittel waren noch unbekannt, das Sonnenlicht musste Flecken und Verfärbungen in der Leinen-Wäsche aufhellen. Heute ist der Bleichrasen der große Parkplatz unterhalb der Stadt. Auf Nachfrage kündigte Stadtbaumeister Detlef Mohr in der Stadtratssitzung an, dass im kommenden Jahr ein Gesamt-Konzept für den Bereich erstellt wird.

Etwa auf der Höhe der neuen Saalebrücke befanden sich zwei so genannte Lühbrücken. Das waren Pontons oder schwimmende Holzbrücken, auf denen die Frauen kniend die großen Wäschestücke in die Saale tauchten um die Seifenlauge zu lühen, also auszuspülen. Auf historischen Aufnahmen sind lange Wäscheleinen in den Saalewiesen zu sehen: Die Textilien wurden zum Trocken entweder aufgehängt oder einfach in die Wiesen gelegt. Für den Effekt des Bleichen musste die Wäsche mehrmals mit Regenwasser oder Saalewasser befeuchtet werden. Unter der Einstrahlung der Sonne bilden sich im Wasser unter anderem kleine Mengen von Wasserstoffperoxid als Bleichmittel. Außerdem kam es zu weiteren chemischen Reaktionen, die aggressive und unerwünschte Verschmutzungen lösen und somit für strahlend weiße Wäsche sorgten.

Das Waschen und Bleichen beschäftigte die Frauen über Stunden. Die anstrengende Arbeit und das darauf folgende Warten, bis die Wäsche gebleicht und getrocknet war, nutzten die Frauen auch zum Plaudern und Lästern. Ältere Hammelburger berichten, dass Lausbuben sich gerne auf die Lühbrücken schlichen, um einen Köpfer ins Wasser zu machen und dabei den Waschplatz zu fluten. So mache Frau keifte, wenn sie - bis zur Hüfte im Wasser stehend - ihre Wäschestücke zusammenhalten musste. Ein weiteres Problem war es, die vielen Gänse von der sauberen Wäsche fernzuhalten.

Steigende Nachfrage

Bis etwa zum Jahr 1950 wurde der Bleichrasen als Waschplatz verwendet. Dann hielt die Waschmaschine ihren Einzug und nahm den Frauen die schwere Arbeit ab. Der Bleichrasen wurde mit der Zeit überflüssig. Der Verkehr nahm zu, und immer mehr Autos verstopften die Innenstadt. Während der Amtszeit von Bürgermeister Karl Fell (1966 - 1984) wurde der Bleichrasen zum Parkplatz. Kurze Zeit später auch der Viehmarkt.

Seit Jahren ist unterhalb des Kellerei-Schlosses auch ein Wohnmobil-Stellplatz angelegt. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: Die Tourist-Info erfasste im vergangenen Jahr 4837 verkaufte Tickets. Die Hauptsaison reicht von April bis Oktober, aber selbst im Dezember wurden noch 120 Wohnmobile gezählt.

Ausschreibung im November

Deshalb wurde der Wohnmobil-Stellplatz heuer zumindest provisorisch erweitert. Eigentlich sollte auch das Toiletten-Häuschen längst erneuert werden, der Stadtrat lehnte jedoch eine vorgelegte Planung ab. Laut Stadtbaumeister Mohr sind nun 60 000 Euro für die Überplanung des gesamten Areals von Rentamtsweiher bis zu den Wohnmobil-Stellplätzen im Haushalt eingestellt. Das sei die Voraussetzung dafür, dass es Zuschüsse sowohl für ein neues Toiletten-Haus, als auch für die Neugestaltung des Platzes gebe. Mohr kündigte an, dass die Planungsleistung im November ausgeschrieben wird.