Die Corona-Beschränkungen beeinflussen auch die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge: "Wir müssen neue Formen finden", sagt Bezirksgeschäftsführer Oliver Bauer über die jährliche Sammlung. In Hammelburg kommt hinzu, dass das Offizieranwärter-Batallion 2 als langjähriger Partner zum Jahresende aufgelöst wird. Trotzdem will sich die Bundeswehr weiter für den Volksbund einsetzen: Mehrere dutzend Soldaten werden in der Region vor allem an Allerheiligen an den Friedhöfen mit Sammelbüchsen stehen.

Bezirksgeschäftsführer Bauer hat nachgerechnet: Soldaten des Bundeswehr-Standortes Hammelburg haben seit dem Jahr 1973 rund 1,25 Millionen Euro für den Verein Kriegsgräberfürsorge gesammelt. Gegründet wurde der Volksbund bereits 1919, um nach Kriegstoten aus dem Ersten Weltkrieg zu suchen und ihre Gräber zu pflegen. 1946 ging die Arbeit weiter, seit 1954 sichert und pflegt der Verein deutsche Soldatengräber im Ausland offiziell im Auftrag der Bundesregierung.

"Mahnung, was Krieg bedeutet"

"Es geht um die Erinnerung an diejenigen, die für uns im Dienst gefallen sind", betont Landrat Thomas Bold (CSU), gleichzeitig stellvertretender Bezirksvorsitzender der Kriegsgräberfürsorge in Unterfranken. Auch die Hammelburger 2. Bürgermeisterin Elisabeth Assmann (Grüne) würdigte die Arbeit für die "Pflege des Gedenkens". Und der Standortälteste Oberst Stefan Josef Leonhard verwies auch auf den aktuellen Bezug: "Der Volksbund setzt sich auch für die Gefallenen der Bundeswehr ein." Seiner Ansicht nach gehe es für die heutige Generation auch um eine "Mahnung, was Krieg eigentlich bedeutet".

Leonhards Mitarbeiter Thomas Knüttel arbeitet derzeit daran, möglichst viele Sammlungen in der Region zu organisieren. Allerdings gehen in diesem Jahr keine Bundeswehr-Soldaten von Haus zu Haus, wie es in den vergangenen Jahren üblich war. Stattdessen seien Sammlungen vor allem an Allerheiligen auf den Friedhöfen geplant: "Wir wollen auf alle Fälle nach Hammelburg, Karlstadt, Bad Kissingen und Münnerstadt", berichtet Knüttel, aber auch kleinere Orte wie Fuchsstadt oder Langendorf seien geplant. Laut Volksbund stehen Bad Bocklet, Arnstein und Steinfeldhausen auf der Liste.

Offizieller Beginn der landesweiten Sammlung ist bereits morgen, Freitag, 16. Oktober, das Ende ist für Allerheiligen, 1. November, geplant. In vielen Orten helfen wie gewohnt Reservisten-Kameradschaften und Traditionsverbände mit. Knüttel ist in Kontakt mit Pfarrgemeinden, um abzusprechen, wo wann Friedhofsgänge vorgesehen sind. "Wir wollen die Standzeiten der Soldaten möglichst kurz halten", betont er. Und Michael Matz, General der Infanterie in Hammelburg, ergänzt: "Über das genaue Vorgehen muss überall vor Ort entschieden werden."

"Verlässliche Stütze"

Der Standort Hammelburg mit der Saaleck-Kaserne und dem Ausbildungszentrum Infanterie "war und ist für den Volksbund-Bezirksverband Unterfranken eine verlässliche Stütze", freut sich Bezirksgeschäftsführer Bauer. In den vergangenen Jahren seien die Offizieranwärter in vielen Orten bei der Haus- und Straßensammlung unterwegs gewesen. In diesem Jahr wurden nun alle Verbände auf dem Lagerberg aufgerufen, Soldaten für die Sammlung abzustellen. Wie viele es genau sein werden, entscheide sich noch, Brigadegeneral Matz hofft aber auf rund 50 Teilnehmer wie in den vergangenen Jahren. Besonders wichtig sei dabei die Hygiene: "Es soll niemand gefährdet werden, der spendet, und niemand, der sammelt", betont Oberst Leonhard. Deshalb werde unter anderem auf den Mindestabstand geachtet, die Sammelbüchsen werden desinfiziert und die Sammlung findet ausschließlich unter freiem Himmel statt. Die Bundeswehr stattet die Soldaten zudem mit FFP-2-Masken aus.

Am Rande der Auftaktveranstaltung für die Sammlung in der Region berichtete Brigadegeneral Matz auf Nachfrage, dass durch die Auflösung des Offizieranwärter-Batallions 2 in Hammelburg weder Dienstposten, noch Lehrgangsteilnehmer wegfallen. Die Ausbildung werde zwar zurück in die Verbände verlagert, aber die Trainingsintensität und die Zeiten auf dem Lagerberg würden eher steigen.

Das Bataillon selbst werde in ein neues Bataillon umgewandelt, das zwar offiziell in Veitshöchheim stationiert sei, bis zur Schaffung der Infrastruktur dort aber weiter in Hammelburg bleibe. "Die Menschen dahinter haben alle eine Weiterverwendung hier am Standort", versicherte Matz, dass es wegen der Auflösung zu keinen unfreiwilligen Versetzungen komme.