Der kleine Hammelburger Stadtteil hat keinen Vertreter im Stadtrat, will und soll dennoch im Kommunalparlament präsent sein. In einer Ortsversammlung wählten die Einwohner deshalb einen Ortssprecher als Nachfolger für Jürgen Armbruster, der nach einem Dutzend Jahren in dieser Funktion sein Ehrenamt niederlegte.

Historisches Open-Air-Meeting

Den Vorsichtsmaßnahmen Rechnung tragend, verlegte die Feuerwehr das Meeting vor ihr Gerätehaus ins Freie, denn das Wetter passte am milden Sommerabend. Bürgermeister Armin Warmuth sprach sogar von einer "historischen Veranstaltung" - nicht wegen der Ortssprecher-Wahl, sondern der besonderen Umstände wegen, dem Open-Air-Meeting. Abstände konnten so gut eingehalten werden, und die Wahlkabinen betraten die Wähler mit Schutzmasken.

Dank an scheidenden Ortsprecher

Warmuth dankte zunächst dem scheidenden Jürgen Armbruster für dessen Energie und Engagement für das Dorf sowie das von Vertrauen geprägte, gute Verhältnis. "Er motivierte seine Mitbürger", betonte der Rathausobere mit Blick auf die Neugestaltung des Dorfplatzes, die Jürgen Armbruster durchfocht.

Das idyllisch gelegene Dorf zählt 178 Wahlberechtigte, 91 beantragten die Wahl. Den Wahlausschuss bildete der Bürgermeister, Andrea Beck-Gradert und der scheidende Ortssprecher, Geschäftsleiter Roland Goerke organisierte den Urnengang. Armbruster wünschte sich einen Nachfolger. "Der Arbeitsaufwand ist nicht ohne, will man die Ortsbürger mit einbeziehen", räumte er ein. "Doch einige, die hier sitzen, können das auch, Wenn es einmal mit dem Ortssprecher abgelaufen ist, dann wird es leichter", versprach er. In Armbrusters Ära als Ortssprecher fielen als markantestes Projekt die Neugestaltung des Kirch- und Dorfplatzes, die Erneuerungen der Wege und der Wasser-Entnahmestelle im Friedhof sowie die Renovierung des Wassertretbeckens und des schmucken Kinderspielplatzes.

Vorschläge und Absagen

Die Vorschlagsliste wurde durch Absagen lang und länger. Lediglich eine Person, Andreas Beran, erklärte sich bereit, das Amt zu übernehmen. Er ist seit August 2017 im Stadtteil ansässig und erachtete das Ehrenamt als "interessante Materie". Im Moers geboren, hoffte der 52-Jährige Selbstständige, der vier Jahre Elternbeiratsvorsitzender in der Hauptschule war, zumindest in der Anfangsphase auf die Unterstützung und den Rat seines Vorgängers. Beran blieb der einzige Kandidat, der dennoch schriftlich zu wählen war, denn auf den Wahlscheinen konnten auch andere Namen eingetragen werden. Vor den 74 abgegebenen Stimmen konnte Andreas Beran 65 auf sich vereinigen. Acht Wahlzettel waren ungültig, einmal erschien ein anderer Name. Der Gewählte dankte für das in ihm gesetzte Vertrauen und die Glückwünsche des Bürgermeisters, der die Verabschiedung von Jürgen Armbruster zu einem Zeitpunkt nach der Krise versprach. "Ich bin in der Ratsgasse zu finden", fügte der Neugewählte an.