Das "Regenbogenland" feiert seinen 100. Geburtstag. Der Kindergarten Langendorf, der diesen Namen trägt, teilt das seltene Ereignis mit dem St.-Johannis-Zweigverein, der als Träger dieser Einrichtung zur selben Zeit ins Leben gerufen wurde.
"Alt wie Methusalem", dennoch "up to date", zeigte der Jubiläumsabend, wie sich die ehemalige "Kinderbewahranstalt" zur Kindertagesstätte moderner Prägung wandelte. Vor erstaunlich vielen Besuchern im Sportheim führten Kirchenpfleger Valentin Fell, Kindergartenleiterin Sandra Hanneke sowie Schirmherr und Altbürgermeister Otmar Pfister durch den Werdegang des Kindergartens, der seinerzeit auch eine ambulante Krankenstation beherbergte.
Im März 1917 war es der Initiative von Pfarrer Siegmund Vierrether zu verdanken, dass diese Einrichtung entstand. In einem "Live-Interview" befragte Fell Zeitzeugen - zwar nicht aus den Gründerphase, aber aus den 50ern und 60ern des Vor-Jahrhunderts -, die die "Zustände" von einst schilderten.


Ein Waschlappen für alle

Trudi Heinlein, Silvia Brimer und Karl-Heinz Vierheilig konnten einiges berichten. So gab es zum Säubern nur einen Waschlappen und ein Handtuch, das alle Kinder benutzten. Silvia Brimer hatte gehört, dass eine Schwester Kinder, die andere bissen, zur Strafe ebenfalls biss.
"Die Feuerholzanlieferung und das Ausschöpfen der Jauchegrube brachten Abwechslung im Alltag", erinnert sich Trudi Heinlein.
"Den Kindern Flügel und Wurzeln mitgeben", wie es Kirchenpfleger Fell ausdrückte, war immer das Bestreben des Kindergartens in Langendorf. Allerdings musste sich dies - was die Ausstattung angeht - dem Diktat der Zeit unterwerfen. Diesbezüglich steht das Regenbogenland heute gut da. Helle, gut ausgestattete Räume für verschiedene Zwecke, ein großer Turnsaal, Freigelände und vieles mehr.
Kein Vergleich zum armseligen Interieur der Gründerjahre, wie Sandra Hanneke mittels einer Foto-Präsentation belegte.
Schirmherr Otmar Pfister nahm sich Zeit für umfangreiche Recherchen und erstellte eine detaillierte Festschrift zur Geschichte des Zweigvereins und des Kindergartens. Mit akribischem Fingerspitzengefühl nannte der Hobby-Heimathistoriker Namen, Zahlen und besondere Ereignisse der Pionier- und nachfolgenden Jahre, die im Jubiläumsheft zu finden sind.
Elfershausens Bürgermeister Karlheinz Kickuth, der mit zahlreichen Gemeinderäten und dem Fuchsstädter Bürgermeister Peter Hart an dem Abend teilnahm, vermerkte: "Was heute selbstverständlich ist, war in den Gründertagen durchaus nicht so." Mit den Leistungen, die der Markt für die Kita erbringt, verband er auch sein Lob "für vier Generationen, die sich ehrenamtlich für den Kindergarten verwendeten". Die Glückwünsche garnierte er mit einem Geldpräsent.


Segen für zwei Kruzifixe

Hier knüpfte auch Vize-Landrat Emil Müller an. Er glaubt, dass "ein Kindergarten nur funktioniert, wenn die Eltern (und möglichst viele Freiwillige) mitziehen". Zu den Glückwünschen des Kreises übermittelte der Mit-Vorsitzende des Caritas-Kreisverbands auch dessen Grüße. Pfarrer Norbert Wahlers Dank galt der Kirchenverwaltung, die im vorigen Jahr das Regenbogenland übernahm, da sich kein Vorsitzender mehr im Johannis-Zweigverein fand. Er segnete zwei Kruzifixe, von denen eines schon 60 Jahre im Kindergarten hing. Walter Schaub reparierte den Korpus und schuf noch ein neues, modern gestaltetes Kreuz dazu. Bei dem von den Kindern, den Langendorfer Musikanten und dem Gesangverein Harmonie musikalisch gestalteten Abend würdigte Sabine Schalke (Kirchenverwaltung) das Team aus dem Regenbogenland für sein Engagement, Ideen und seinen Fleiß, darunter auch zwei Langjährige, Heike Koch und Bianca Wolf, für 20-jährige Treue.