Der Zahl an Halbtagsjobs nimmt zu. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt, haben rund 10 600 Beschäftigte im Landkreis Bad Kissingen derzeit eine Teilzeit-Stelle. Das seien 19 Prozent mehr als noch vor vier Jahren. Die NGG beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stieg die Zahl aller sozialversicherungspflichtigen Jobs im Kreis um nur neun Prozent. Vor dem Hintergrund der Debatte um prekäre Arbeit fordert die Gewerkschaft ein Rückkehrrecht in Vollzeit-Stellen.

"Die Zunahme der Teilzeit ist beunruhigend", sagt Ibo Ocak von der NGG Unterfranken. 20- oder 30-Stunden-Jobs würden immer mehr zur Regel - und häufig zur Falle. "Gerade Frauen bleibt etwa nach einer Familienpause der Wunsch, in Vollzeit zurückzukehren, oft verwehrt", erklärt der Gewerkschafter. Dies erschwere nicht nur den beruflichen Aufstieg, sondern sorge auch für niedrige Renten und erhöhe das Armutsrisiko im Alter. Das Problem nehme immer größere Ausmaße an: So arbeiten laut BA aktuell 54 Prozent aller berufstätigen Frauen im Kreis Bad Kissingen in Teilzeit.


Potenzial für Arbeitsmarkt

"Viele von ihnen wollen mehr arbeiten, worin auch ein riesiges Potenzial für den heimischen Arbeitsmarkt liegt", betont Ocak. Diese Chance dürfe man in Zeiten des Fachkräftemangels nicht verschenken. Doch auch Männer, die für mehr Zeit mit der Familie die Arbeitszeit reduzieren und später wieder erhöhen wollten, bekämen oft keine Chance.


Gesetz noch vor Sommerpause

Entsprechende Gesetzespläne des Bundesarbeitsministeriums waren im Koalitionsausschuss Ende März am Widerstand von CDU und CSU gescheitert, obwohl das Vorhaben im Koalitionsvertrag vereinbart worden war. Die NGG fordert die Regierungsparteien auf, das Gesetz vor der Sommerpause zu verabschieden. Tausende Berufstätige in der Region würden davon profitieren, so die NGG Unterfranken in einer Pressemitteilung weiter. Der Rückkehranspruch solle für alle Betriebe gelten und nicht nur für Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, wie von der CSU gefordert.


Festen Anspruch verankern

Ocak: "Wer später in Vollzeit zurück will, muss darauf einen festen Anspruch haben." Die Wahl der Arbeitszeit solle eine individuelle Entscheidung sein. Mit Blick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt sei dies wichtiger denn je.