Freistaat gibt 546 000 Euro für die "Rhöner Hexenküche"
Autor: Steffen Standke
Bad Kissingen, Dienstag, 03. März 2020
Das Zentrum für Telemedizin in Bad Kissingen bekommt dieses Jahr 564 000 Euro Förderung vom Freistaat. Dafür bekommt es aber auch neue spannende Aufgaben.
Im Wahlkampf verteilen Politiker gern Geschenke. So wunderte es nicht, das Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml bei einem Besuch in der Bad Brückenauer Prümmer-Klinik einen Förderbescheid über stattliche 546 000 Euro dabei hatte. Das Geld kommt dem Zentrum für Telemedizin (ZTM) in Bad Kissingen zugute.
564 000 Euro - es ist die größte Fördersumme, die das ZTM seit seiner Gründung 2012 vom Freistaat erhält. Das hat seine Gründe. Denn die "Hexenküche der Rhön", wie Geschäftsführer Sebastian Dresbach sie selbst nennt, übernimmt mehr Aufgaben denn je. Die Einrichtung mit bisher eher regionalem Ansatz soll die Telemedizin über Veranstaltungen in allen bayerischen Regierungsbezirken bekannt machen. Dazu gehört auch ein relativ großer Kongress, der im Herbst wahrscheinlich in Augsburg stattfinden soll. Veranstalter ist der Freistaat; das ZTM wirkt unterstützend.
Darüber hinaus sollt das Zentrum aber auch "zentrale Anlaufstelle für telemedizinische Fragen von Anwendern, Ärzten, Therapeuten, Pflegekräften und anderen" sein, berichtet Dresbach auf Anfrage. Dementsprechend fließe das Fördergeld für dieses Jahr vorwiegend in den Betrieb der Geschäftsstelle. Damit würden Personal-, Sach- und Materialkosten abgedeckt, aber eben auch die Öffentlichkeitsarbeit.
"Wir freuen uns, dass vertrauensvoll noch mehr Aufgaben auf uns zukommen", sagt Dresbach. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 lag die "institutionelle Förderung" durch den Freistaat bei rund 380 000 Euro; im Jahr darauf waren es schon 430 000 Euro. 2018 stieg der Förderbetrag auf 475 000 Euro; im vergangenen Jahr lag die Summe bei 487 000 Euro. Dazu kommen laut dem Geschäftsführer jährlich eine etwa zehnprozentige Förderung durch den Landkreis und Mitgliedsbeiträge.
Für das Geld wird einiges geboten. So wurde die Online-Sprachtherapie vorangetrieben. Es ging um die Frage, wie nicht mobile Patienten, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, mit Klinik- oder niedergelassenen Ärzten für eine Therapie in Kontakt treten können, ohne ihr heimisches Umfeld verlassen zu müssen. Dafür braucht es bestimmte Technologien und Prozessschritte, die das ZTM entwickelte und verfeinerte.
Außerdem tüftelten seine Mitarbeiter an der Verfeinerung des digitalen ZTM-Showrooms. Dort können Mitarbeiter im Gesundheitswesen neuartige Systeme aus der Telemedizin kennenlernen und selbst ausprobieren. Laut Dresbach werden im ZTM Prototypen nicht für die Schublade entwickelt, sondern dafür, sie anzuwenden und zu verbessern. Dieses Jahr wird die Arbeit am Showroom weitergehen.
Ein Extra-Projekt, "DeinHaus 4.0", soll auch noch im ersten Halbjahr dieses Jahres starten. Auch dabei soll es darum gehen, wie pflegebedürftige Menschen dank intelligenter Assistenztechnik länger zu Hause bleiben können. Dafür soll mitten in Bad Kissingen ein zentrales Erlebnis- und Beratungszentrum samt Musterwohnung entstehen. Dresbach spricht auch von einer mobilen Ausstellung und Demonstrationswagen, die an verschiedenen Orten Station machen könnten. Das Projekt befinde sich in der "Phase der finalen Abstimmung".