Um das Maul des toten Kalbs hat sich eine kleine Blutlache gebildet. Langsam wäscht der Regen den Boden wieder sauber. Eigentlich sollten Billa und Elke einmal fleißige Milchkühe werden. Am vergangenen Wochenende sind die beiden Kälber auf einem Hof im Landkreis Bad Kissingen verstorben. Das ungefähr drei Monate alte Kalb Elke und die einjährige Billa hatten eine Lungenkrankheit.
Das ist zwar eher selten, "kann aber passieren, wenn das Kalb zum Beispiel Fruchtwasser schluckt", erklärt die Landwirtin, die nicht namentlich genannt werden will.


Vergraben verboten

Die Kadaver wurden bis zum Abtransport gesondert auf dem Hof gelagert. Am Montag kam Wolfgang Kretzer von der Firma "Berndt Bio Energy" und hievte die regungslosen Tierkadaver auf eine große Schaufel und dann in den riesigen Container seines Lkw. "Man kann die Tiere ja nicht einfach vergraben", sagt Kretzer. Das ist verboten, und zwar nicht nur für Kälber, sondern auch für Kühe, Pferde, Ziegen oder Schweine. Aber nicht nur Landwirte sind Kunden: Auch Kaninchen und andere Haustiere müssen eigentlich entsorgt werden.
Mindestens 46 640 Tiere wurden alleine im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich des Zweckverbandes Tierkörperverwertung Unterfranken (TKVU) abgeholt. Genauer ermitteln lässt sich die Zahl nicht, weil zum Teil auf Betrieben Tonnen stehen, in denen Lämmer, Ferkel , Geflügel oder Schlachtabfälle nach Gewicht abgerechnet werden. 6553 Tonnen "tierische Nebenprodukte" kamen so 2015 insgesamt zusammen.
Seit 1979 wurden diese Abfälle ins oberfränkische Walsdorf gefahren, 1982 erließ die Regierung von Unterfranken dazu eine Verordnung. Die wurde gestern durch eine Zweckvereinbarung zwischen der TKVU und dem Zweckverband Tierkörperbeseitigung Nordbayern (TBN) ersetzt. Die Verbandsversammlung hatte dem Vertrag bereits im Juni zugestimmt, allerdings nicht-öffentlich. "Das hat die Regierung von Oberfranken gerügt", berichtete Verbandsvorsitzender und Landrat Thomas Bold. Deshalb wurde der Beschluss gestern nachgeholt.
Ursprünglich hatte die TKVU sogar einen Beitritt an die Nachbarn erwogen. Allerdings habe zum einen die Regierung von Unterfranken Bedenken vorgebracht, zum anderen hätten sich "erhebliche Verwerfungen" durch unterschiedliche Verbandsumlagen ergeben. Also wurde eine Zweckvereinbarung ausgearbeitet, die die "Entsorgung tierischer Nebenprodukte" überträgt. Der TBN organisiert zudem die Abholung und übernimmt die Buchhaltung.


Jährlich 66 500 Euro

Mit dem Vertrag wird auch ein Missstand beseitigt: Aktuell erstellt die TBN Bescheide im Namen der TKVU, die nicht einzeln freigegeben werden und damit anfechtbar sein könnten. Die Zweckvereinbarung tritt zum 1. Januar 2017 in Kraft und gilt für mindestens 20 Jahre mit der Option auf Verlängerungen. Als Kostenersatz überweist der TKVU jedes Jahr 66 500 Euro an den TBN. Die Zahlungen werden ab 2018 angepasst. Der TKVU setzt jährlich rund eine Million Euro um, gut 400 000 Euro davon kommen jedes Jahr von der Tiersuchenkasse. Dadurch werden Landwirte bei der Entsorgung entlastet.

Entstehung Die Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und Haßberge sowie die Stadt Schweinfurt gründeten 1941 einen Zweckverband im Vollzug des Reichstierkörper-Beseitigungsgesetzes zum Bau einer Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA) in Münnerstadt. 1943 nahm die TBA ihren Betrieb auf. 1960 wurde auf die chemische Entfettung umgestellt, durch die es zur Verseuchung des Bodens durch Kohlenwasserstoffe kam.

Erweiterung 1976 traten die Stadt Würzburg sowie die Landkreise Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen dem Zweckverband bei. Wegen Überlastung wurde 1977 die Entfettung der TBA eingestellt. 1979 wurde die Anlage geschlossen und die Entsorgung auf die TBA Walsdorf im Landkreis Bamberg übertragen.
Zusammensetzung Die Verbandsversammlung besteht aus 27 Räten und dem Vorsitzenden. Den Vorsitz übernimmt automatisch der jeweilige Landrat des Landkreises Bad Kissingen. Zu Räten werden jeweils drei Vertreter aus den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt, Haßberge, Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen sowie der Städte Schweinfurt und Würzburg.

Wahl Gewählt wurde ein neuer Rechnungsprüfungsausschuss, dem Karl Wolf für Kitzingen, Rita Jörg für Bad Kissingen, Udo Feldinger für Würzburg sowie Matthias Ruß und Ralf Brettin für Schweinfurt angehören.

Info Weitere Daten unter www.tierkoerperverwertung-unterfranken.de.