Es war ein typischer Apriltag. Wettertechnisch. Jede Jahreszeit hatte dieser Tag, der Nachmittag vor allem das Frühjahr und den Sommer. Und damit war dieser Tag perfekt. Perfekt wofür? Eine Wanderung hinauf zum Sodenberg.
Als Günter Dittmar (Vorsitzender des Rhönklub Zweigvereins Hammelburg), Werner Lippmann (Wanderführer beim Rhönklub) und Paul Ziegler (Redaktionsleiter der Saale-Zeitung) am Samstagmittag die Teilnehmer unserer Leserwanderung zum Sodenberg begrüßten, war es noch sehr regnerisch. Ob das was wird? Immer wieder gingen die Wolken auf. Leichter Nieselregen. Aber keiner der 23, die zu dieser Wanderung kamen, konnte das Wetter abschrecken. Kleidung und Ausrüstung waren angemessen, schlechtes Wetter ... gibt es nicht!, so die einhellige Überzeugung. Los ging's.


Zu den Adonisröschen

Zunächst ging es von Hammelburg in Richtung Untereschenbach, wo man die Saale überquerte und den Anstieg zum Sodenberg in Angriff nahm. Die Adonisröschen waren das erste Ziel. Den kurzen, aber schon ein wenig fordernden Anstieg meisterten die zehn Frauen und dreizehn Männer ohne Probleme. Nach einer kurzen Rast kündigten Günter Dittmar und Werner Lippmann dann den ersten Höhepunkt der Wanderung an: Die Adonisröschen. Die Pflanze ist ein Hahnenfußgewächs, auf dem Sodenberg gelb blühend, oftmals auch rot, 30 bis 35 Arten gibt es in Europa. Die Besonderheit auf dem Sodenberg: Die Samen der Pflanze, erklärte Günter Dittmar, werden von einer Ameise weitergetragen und nur von dieser. Entsprechend selten und räumlich begrenzt kommt die Pflanze bei uns vor.


Ein Berg mit Vergangenheit

Die Wandergruppe ließ sich die Pflanze und die Umgebung erklären. Der Sodenberg hat nicht nur eine besondere Bedeutung für die Pflanzenwelt, sondern auch in kulturhistorischer Hinsicht. So hörte man von Werner Lippmann die Gisela-Sage, die von einer unerfüllten Liebesgeschichte erzählt, die sich auf dem Sodenberg "vor mehr als 1000 Jahren" ereignet haben soll. Das "Gisela-Kreuz" steht gleich daneben.
Interessant war auch der nächste Stopp am sogenannten "Geotop", einem rund 100 tiefen ehemaligen Basaltbruch. Und wiederum gleich daneben, der kleine Abstecher vom ursprünglichen Weg lohnt sich auf jeden Fall, hat man einen herrlichen Ausblick in Richtung Spessart und die Rhön bis hinauf zur Mottener Haube. Inzwischen hatte der April-Wind die Wolkendecke aufgerissen und die Wanderer hatten eine perfekte Fernsicht. Dammersfeld und Kreuzberg, Hohe Geba und die Gleichberge konnte man vor hier aus sehen.


... und noch etwas Besonderes

Wenig später hatte man wieder einen besonderen Aussichtspunkt erreicht: Die Sodenberg-Gans. An dieser Stelle stehen zwei Gedenksteine. Der erste ist dem Rhönklub gewidmet. Auf dem Stein stehen zwei Zahlen: 1876 und 1988. Der Rhönklub wurde 1876 als Verein gegründet, einige Gründungsmitglieder kamen auch aus Hammelburg. Die Jahreszahl 1988 deutet auf das Jahr hin, in welchem in Hammelburg die Hauptversammlung des Gesamtrhönklubs stattfand. Zur Erinnerung hat man den Stein (Buntsandstein) aufgestellt.
Der zweite Stein an dieser Stelle ist etwas kleiner, zeigt eine Silberdistel und die Jahreszahl 1885 mit der Aufschrift "Sodenberg". In jenem Jahr hat der Rhönklub beschlossen, dass der Sodenberg der südlichste Berg der Rhön ist. Der Stein erinnert an dieses Ereignis und markiert somit auch die südliche Grenze der Rhön.


Herrliche Entdeckungen

"Alles völliges Neuland für mich und meine Frau", sagte Günter Kiesel aus Nüdlingen. Der ehemalige Bürgermeister kennt seine Heimat natürlich sehr gut, aber auf dem Sodenberg waren er und seine Frau Maria noch nicht gewesen. Die Natur, die Entdeckungen, die Informationen der beiden Rhönklub-Wanderführer waren für ihn und den Rest der Gruppe sehr informativ. Das ging allen Teilnehmern so. Zum Beispiel Renate Brettschneider aus Machtilshausen. "Sehr schön", freute sie sich, auch darüber, dass sie sich vom anfänglich eher ungemütlichen Wetter nicht abhalten ließ, an der Wanderung teilzunehmen. Auf dem Sodenberg sei sie noch nie gewesen, die Wanderung und die tollen Ausblicke haben ihr besonders gefallen. Nicht anders ging es Klaus Stingl aus Wirmsthal. "Super gut" sei alles gewesen, "das Wetter, die Informationen, überhaupt die ganze Truppe, die sich zusammengefunden hat. Man hat nette Gespräche geführt und nette Menschen kennengelernt."
"Die Chemie hat gepasst", sagte auch Rhönklub-Vorsitzender Günter Dippert bei der abschließenden Einkehr in Obereschenbach. Man hätte am Anfang nicht mit diesem Wetterumschwung rechnen können, aber der Nachmittag mit seinen herrlichen Ausblicken vom Sodenberg sei etwas Besonderes gewesen. Dass er auf der Sodenberg-Gans am Rhönklub-Gedenkstein mal eine windstille halbe Stunde erleben würde, sei selbst für ihn etwas Neues gewesen. "Das gibt es nicht oft", sagte Dittmar.
"Es war ein Erlebnis", sagte Günter Kiesel am Ende, als man wieder am Parkplatz an der Musikakademie - dem Ausgangspunkt - angekommen war. Noch immer schien die Sonne auf einen Tag, den den Teilnehmern unserer Leserwanderung viele neue Eindrücke einer herrlichen Landschaft vermitteln konnte.