Siebzig Jahre ist es am 23. September her, dass die "Heimkehrerkapelle" an der alten Basaltstraße Richtung Oberbach eingesegnet wurde. Sie wurde in den Jahren 1945 bis 1948 als Ersatz für ein kleines, schmuckloses und schon recht verfallenes Kirchlein zu Ehren der Sieben Schmerzen Mariens 50 Meter weiter waldwärts errichtet. "Bauvorhaben der katholischen Pfarrei Gemeinde Stangenroth. Instandsetzung und Versetzung der baufälligen Oberbacher Kapelle", so bezeichnete es das Diözesanarchiv in den Amtsbüchern aus Pfarreien. Die Ortschronik berichtet: "Es gab kaum einen Abend, an dem nicht Mütter für ihre Männer beteten, die im Krieg waren und deren Schicksal ungewiss war, und so baute man als Dank für die Heimkehr vieler Soldaten, zum Dank für die Verschonung des Dorfes vor einer Zerstörung und zum tröstlichen Gedenken der Gefallenen eine neue Schmerzenskapelle." Der Stangenrother Gebhard Keßler entwarf den Plan, der vom Kreisbaumeister Müller, Bad Kissingen, gefertigt wurde und der auch für die Leitung verantwortlich zeichnete. Die Bauausführung übernahm das "Maurergeschäft" August Keßler, Stangenroth.

Alle packten beim Bau mit an

"Mit unermüdlichem Fleiß und Freude hat sich Jung und Alt an den Arbeiten beteiligt, die große Opfer und Mühen kosteten." Daran kann sich Erich Metz, einst Bürgermeister von Stangenroth, noch gut erinnern. "Täglich trafen wir uns nach der Schule an der Kapelle, um den Bauplatz vorzubereiten. Fast ausschließlich waren es wir Schulbuben, die den großen Hügel, der hinter dem Kapellchen stand, abtragen mussten. Den Schutt musste ich mit Pferd und Wagen in der Umgebung verteilen. Wir haben den ganzen Sommer lang die Fläche eingeebnet und später die Anlage eingesät. Täglich kam Pfarrer Gloos mit seinem Motorrad vorbei, um sich vom Fortgang der Arbeit zu überzeugen."

"Alle Arbeiten wurden kostenlos ausgeführt," so steht es lobend in der Stangenrother Chronik von 1988. Doch hier irrte der Chronist gewaltig. 6000 Rentenmark kostete der Rohbau allein, und auch der Plan war nicht kostenlos, zählt das Pfarrarchiv unter anderen Rechnungen auf. Doch nicht alles kostete der Kirche Geld. Gebhard Keßler stiftete für die Kapelle die Pieta, und Alfred Keßler spendete der Kirche die sieben Stationen Schmerzen Mariens, die der Bischofsheimer Steinmetz Dirks aus Ziegenfelder Marmor für 7000 Deutsche Mark lieferte. Die Wände schmücken die Statuen des Hl. Josef, der Hl. Rita von Cascia, des Judas Thaddeus und des Hl. Erzengel Michael. Geschnitzt hat sie Gebhard Keßler, an den Kosten beteiligten sich mehrere Spender, um die Kirchenkasse zu entlasten.

Am 23. September 1951 war es soweit. "Die Einsegnung der Kapelle wurde durch H.H. Domkapitular Gerber aus Würzburg unter den Diakonen Pfr. Schebler Premich und Kuratus Michel Gefäll vorgenommen. Fünf Mal darf im Jahr in der Kapelle celebriert werden. Die ganze Gemeinde war in Prozession hinausgezogen" (Pfarrarchiv). Stangenroth hatte seine neue, eingesegnete Sieben Schmerzen Mariens wieder. Da auch in Wollbach eine Sieben Schmerzen Mariens Kapelle steht, bestand die Möglichkeit einer Verwechslung. Die Stangenrother Kapelle und die Anlage wird seit Jahren von der Krieger- und Soldatenkameradschaft Stangenroths gepflegt. Und so empfahl Stangenroths Bürgermeister Erich Metz im Einvernehmen der Kameradschaft, die Kapelle als "Heimkehrerkapelle" zu bezeichnen, zum Dank für die Pflegebereitschaft und Erinnerung an die Kriegsheimkehrer. In der Fortführung der Straße Kapellenweg vom Dorf zur Kapelle hatte die Gemeinde in den fünfziger Jahren an der Trift einst 14 Kreuzwegstationen aufstellen lassen. "Die Entwürfe stammten von Gebhard Keßler, die Ausführung aus Sandstein erfolgte 1958 durch den Stralsbacher Steinmetz Rudi Rost", steht im Archiv. "Die Stationen gehören damit der Gemeinde, sie stehen auf Gemeindegrund, aber die Gemeinde kümmert sich seit Jahren nicht darum," kritisiert Erich Metz, "eine der Stationen liegt sogar seit Jahren im Bauhof, aber es besteht kein Interesse am Erhalt." kde