Distanziert durch den Supermarkt
Autor: Ellen Mützel
Bad Kissingen, Mittwoch, 01. April 2020
Supermärkte gehören zu den wenigen öffentlichen Orten, die nicht schließen mussten: Sie fallen nicht unter die Ausgangsbeschränkung. In der Bad Kissinger Tegut-Filiale ist die Stimmung dennoch anders.
Es ist im Laden ein bisschen ruhiger als sonst. Johannes Hüfner, Geschäftsführer des Tegut-Marktes in Bad Kissingen meint: "Das Einkaufsverhalten hat sich insofern verändert, dass die Kunden weniger oft einkaufen gehen, aber mehr mitnehmen." Wer beispielsweise vorher dreimal wöchentlich einkaufen gegangen sei, gehe nun nur noch einmal. Die Kunden würden laut Hüfner vermehrt auf länger haltbare Lebensmittel setzen. "Und sie überlegen sich, was sie auch einfrieren können", sagt Hüfner. Zudem würde der Kauf von Spezialitäten zurückgehen.
Die ruhige Atmosphäre ist womöglich auch dadurch zu erklären, dass den Menschen in Bayern dazu geraten wurde, alleine einkaufen zu gehen. Und weil sie wissen, dass durch das Miteinandersprechen das Infektionsrisiko ansteigt. Das macht sich bemerkbar beim Versuch, Kunden anzusprechen: Einige weichen zurück, um sich vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Ein paar Vereinzelte im Laden sind mit Mundschutzmasken zu sehen, manche tragen sogar die besser schützenden FFP-Masken. Ebenso gibt es Einkaufende, die Handschuhe tragen. Es kommt einem so vor, als wären die Menschen beim Einkaufen in letzter Zeit aufmerksamer geworden. Eine Kundin meint: "Es ist ruhiger hier und weniger stressig. Keiner drängelt, die Menschen sind disziplinierter." Sie fände es friedlicher.
1#googleAds#100x100Das kann auch der Geschäftsführer Hüfner bestätigen: "Wir merken schon, dass die Kunden beim Abstand sehr sensibel sind. Sie sind sehr rücksichtsvoll. Es bedanken sich auch viele bei den Angestellten." Und wenn ein bestimmtes Produkt vergriffen ist, würden die Kunden einfach auf eine Alternative zurückgreifen. "Da sind sie sehr verständnisvoll", erzählt Hüfner. Natürlich gebe es auch Ausreißer. Beispielsweise die, die an der Wurst- und Käsetheke partout den Abstand zur Bedienung oder den anderen Kunden nicht einhalten wollen.
Ebenso hat die Bäckerei im Ladengebäude Abstandsstreifen auf dem Boden. Er markiert dabei die erwünschte Distanz zur Theke. Einzelne Quadrate markieren die Fläche, in denen die Kunden stehen sollen, um den Abstand zu gewährleisten. Das klappt jedoch in der Praxis noch nicht perfekt.
Schilder aufgestellt
Ein wenig hat sich das Aussehen des Marktes selbst verändert. An der Kasse sind Plexiglasscheiben aufgestellt, um das Infektionsrisiko der Angestellten zu verringern. Direkt am Eingang steht ein Schild: "Bitte achten Sie auch hier auf das Husten und Niesen in die Armbeuge", ist darauf zu lesen. Außerdem, dass Abstand zu anderen Menschen gehalten und vorzugsweise bargeldlos bezahlt werden solle.
Auf der Rückseite wird darauf hingewiesen, dass Mitarbeitende und Lieferanten derzeit auf Hochtouren arbeiten. Jedoch könne es vorkommen, dass durch die erhöhte Nachfrage phasenweise leere Regale vorzufinden seien.
"Diese werden aber innerhalb weniger Tage wieder gefüllt - die Warenverfügbarkeit ist gewährleistet", ist zu lesen. Eine Durchsage erinnert ab und zu daran, dass die Angestellten im Supermarkt Helden seien. "Schützen Sie unsere Helden und halten Sie Abstand", sagt die Stimme aus den Lautsprechern.