Vor 60 Jahren war es noch unerhört, dass eine katholische Nüdlingerin einen evangelischen Preußen heiraten wollte. Paechs taten es trotzdem.
Der Brief ist schon über 60 Jahre alt, aber er hat immer noch Bedeutung: Ein kleines Gedicht und den Satz "Du hast mein Herz gestohlen!" hat Manfred Paech seiner Lore geschrieben. Am 21. Juli 1956 wurde in der Nüdlinger Kirche Hochzeit gefeiert. In dieser Woche konnten Paechs ihre Diamantene Hochzeit feiern.
Es war eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sich nach dem Kennenlernen beim Tanzvergnügen ergab. Da hat es sogleich zwischen dem Berliner Manfred Paech und Lore Kanz "gefunkt". Lore war damals erst 17 Jahre alt, und ihre Eltern bestanden auf eine "Wartezeit" von einem Jahr. Es war schließlich auch nicht ganz einfach, dass im überwiegend katholisch geprägten Nüdlingen jemand einen evangelischen "Preußen" heiraten wollte. Von Ökumene war damals nicht die Rede, und es gehörte eine Portion Mut dazu.
Zwei Kinder
Die von Lores Eltern ausbedungene "Wartezeit" wurde allerdings verkürzt. Bereits knapp ein Jahr vor der Hochzeit wurde Töchterchen Elke geboren. Im Jahr 1967 war mit der Geburt von Sohn Günter die Familie Paech dann komplett.
Wie der 1935 in Berlin geborene Manfred Paech nach Nüdlingen kam, lässt sich so erklären: Manfred hatte sich in Berlin zum Maschinenbauer ausbilden lassen. Im Jahr 1952 reiste er zunächst nach Hamburg aus, weil das Gerücht umging, sein Jahrgang würde zur Kasernierten Volkspolizei eingezogen. Kurze Zeit arbeitete Manfred im Hamburger Hafen als "Schauermann" beim Entladen von Schiffen.
Dann machte er sich, durch verwandtschaftliche Beziehungen, auf den Weg nach Bad Kissingen und "landete" schließlich 1953 in Nüdlingen. Dort traf er die Liebe seines Lebens.
Ferienwohnungen vermietet
Anfangs lebten Manfred und Eleonore in sehr bescheidenen, beengten Verhältnissen. Durch Fleiß, Sparsamkeit und überwiegend in Eigenleistung errichteten die Paechs 1970 ein Eigenheim am Wurmerich, wo sie sich heute noch sehr wohl fühlen.
Das Untergeschoss vermieten sie als Ferienwohnungen. Eine Reihe von Stammgästen schwärmt vom gepflegten Garten mit den vielen Blumen, um die sich Lore Paech kümmert.
Technische Dinge erledigt stets Ehemann Manfred. Im Jahr 1978 hatte er sich eine Existenz als Fuhrunternehmer aufgebaut. Von Zeit zu Zeit war er auch als Busfahrer tätig. In den Ruhestand trat er im Jahr 2008.
Seine Berliner Herkunft kann Manfred bis heute nicht verleugnen. Er hat eben eine "Berliner Schnauze". Doch meint er heute: "Ich hab mich als Saupreuße doch ganz gut in Nüdlingen integriert."
Daran haben die höchsten Repräsentanten der Gemeinde, Bürgermeister Harald Hofmann und zweiter Bürgermeister Edgar Thomas, keinen Zweifel. Sie gehörten zu den Gratulanten ebenso wie Altbürgermeister Adalbert Kiesel, Philipp Klein von der evangelischen Kirchengemeinde und Pfarrer Dominik Kesina, der sogar eine Glückwunschurkunde, unterschrieben von Papst Franziskus, mitgebracht hatte.
Manfred und Eleonore Paech wollen ihre diamantene Hochzeit am 6. August im engen Familienkreis feiern. Da kommen dann auch fünf Enkel und zwei Urenkel. Große Reisepläne haben sie keine mehr. Sie haben schon viel von der Welt gesehen, meinen sie, und strahlen Glück und Zufriedenheit aus.