Der Lockdown aufgrund von Corona war für viele Menschen eine große Belastung. Gerade auch pflegende Angehörige sind in dieser Zeit an ihre Grenzen gekommen: Einrichtung zur Betreuung und

Pflegeunterstützung waren in der Regel geschlossen. Beratung war nur noch eingeschränkt möglich. Selbsthilfegruppen oder Betreuungsgruppen durften sich gar nicht mehr treffen. Und auch die Einsamkeit war für viele Pflegebedürftige ein Problem. Das ändert sich nun schrittweise wieder - und der Landkreis Bad Kissingen erweitert seinen Demenzwegweiser und hat ihn aktualisiert.

Eine übersichtliche Broschüre, die allerlei Tipps und Erklärungen vorhält, wie man die Betreuung und

Pflege eines Menschen mit Demenz gut organisieren und auch für Entlastung sorgen kann. Angebote, die nun - nach dem Corona-Lockdown - wieder zur Verfügung stehen. Darüber ist auch Landrat

Thomas Bold froh: "Oft fühlen sich pflegende Angehörige überfordert mit der Situation. Da ist es wichtig, über Beratungsstellen, finanzielle Unterstützung und Entlastungsangebote informiert zu sein. Das leistet der erweiterte und aktualisierte Demenzwegweiser. Wir möchten die Bürgerinnen

und Bürger im Landkreis nicht alleine lassen, weshalb ich dem KompetenzNetzwerk Demenz des Landkreises Bad Kissingen auch für die Erarbeitung dieser Broschüre sehr danke."

Über 2000 sind im Landkreis dement

Aktuell leben nach Berechnungen mehr als 2.000 Menschen mit Demenz im Landkreis Bad Kissingen. Rechnet man für jeden eine oder einen pflegenden Angehörigen hinzu, dann sind aktuell rund 4.000 Menschen von dieser Erkrankung betroffen. Das steigert sich im Jahr 2031 auf fast 2.300 Erkrankte plus die pflegenden Angehörigen. "Das ist eine große Zahl, bei dann unter 100.000 Einwohnern/innen im Landkreis", betont Cordula Kuhlmann, die das Regionalmanagement beim Landkreis leitet und unter deren Federführung das Netzwerk läuft. Denn pflegende Angehörige sind

nicht nur Menschen sondern auch Fachkräfte im Berufsleben. Auf diese ist man auch im Landkreis dringend angewiesen. "Es ist wichtig vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, dass wir

uns um die pflegenden Angehörigen kümmern und sie nicht verschleißen." Der Demenzwegweiser leiste einen wertvollen Beitrag dazu, heißt es in einer Presseerklärung des Landratsamts.

Neu: Tipps zum Umgang und aktualisierte Infos

Zuständig für die Koordination des KompetenzNetzwerk Demenz und die Erarbeitung des Wegweisers ist Antje Rink vom Landratsamt. Ihre Erfahrung der letzten Jahre mit Betroffenen und

Angehörigen zeigt, dass es für die pflegenden Angehörigen wichtig ist, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Dies gebe ihnen Sicherheit und das Gefühl, das Heft des Handelns in der Hand zu halten.

Daher ist jede Information wertvoll, die zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten sowie die Finanzierung von Pflege und Betreuung Auskunft gibt.

Einziger Wehrmutstropfen: Einige Wochen nachdem der Wegweiser neu aufgelegt wurde, hat die zweite Fachstelle für pflegende Angehörige in Bad Kissingen völlig unerwartet ihre Tätigkeit aufgegeben. Das sei natürlich traurig, so die Pressestelle des Landratsamts, aber immerhin gebe es noch die Fachstelle in Münnerstadt, die ebenfalls im Wegweiser benannt ist.

Doch die aktualisierte und erweiterte Ausgabe beinhaltet noch mehr: Rat und Tipps zum Umgang mit der Krankheit, verspricht Netzwerkkoordinatorin Antje Rink: "Wir waren im vergangenen Jahr mit unserem Themenabend "In Liebe und Wut - Demenz annehmen und verstehen" an verschiedenen Orten im Landkreis und überall waren die Stühle bis auf den letzten Platz nahezu voll besetzt. Der

Demenzwegweiser, den wir regelmäßig mitbringen, ist immer gut nachgefragt. Nun haben wir ihn erweitert um Tipps zum Umgang mit Menschen mit Demenz, um Konflikte im Alltag zu vermeiden und

haben die Kontakte und Adressen der Beratungsstellen und Hilfsangebote aktualisiert."

Das Landratsamt wird auch 2020 wieder einen Stand bei den Gesundheitstagen haben und dort

mit dem KompetenzNetzwerk Demenz und der Wohnberatung einige der Beratungsangebote für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis vorstellt. Corona-bedingt mussten die Gesundheitstage auf Oktober verschoben werden. "Im Landratsamt Bad Kissingen bündeln sich viele wertvolle Beratungs- und Dienstleistungsangebote für die Bürgerinnen und Bürger, die die Mitarbeiter mit Herzblut entwickeln und zur Verfügung stellen. Diese und weitere Stärken des Landkreises bewerben wir

seit Monaten auch im Rahmen unserer Standortkampagne", stellt Landrat Bold fest. "Es ist daher nur konsequent, dass wir eine so wichtige Messe wie die Bad Kissinger Gesundheitstage nutzen, um

zu zeigen, wie unsere Behörde die Menschen in ihrem Alltag unterstützen kann", so Landrat Thomas Bold.