Die Berichterstattung zur Historie des Bad Kissinger Radsports zieht Kreise. Mit der Gründung des Velocipedclubs Bad Kissingen im Jahr 1888 startete ein regelrechter Zweirad-Boom an der Saale. Neben einer Radfahrschule im Rosengarten gab es auf dem Wiesengelände in der Au sogar eine Radrennbahn, flankiert von einer mächtigen Holztribüne, von der heute nichts mehr zu erahnen ist (wir berichteten.

Der größte Radsport-Förderer dieser Zeit war der eingeheiratete Ludwig Huber, der sich an der Saale um das Jahr 1890 herum als Fahrradhändler niederließ. Der ehemalige Rennfahrer war es auch, der 1893 seinen früheren Arbeits- und Sportkollegen Ernst Sachs zum Ausheilen eines komplizierten Schienbeinbruchs nach Bad Kissingen einlud.

Sogar die Kunst dieser Zeit widmete sich diesem noch neuen Fortbewegungsmittel. So schilderte Theodor Fontane in seinem Stück "Eine Frau in meinen Jahren (1886)" eine wunderbare Szene von radfahrenden Engländern in der Kurstadt. Und Adolph von Menzel (1815-1905) schuf im Jahr 1890 auf Leinwand den "Biergarten in Kissingen". Ein Gemälde, das ebenfalls eine Reminiszenz ist an das Stahlross - genauer gesagt ans Hochrad.

Das Stadtarchiv verortet den Biergarten in einem Gebiet, in dem sich heute Bismarckstraße, Marbachweg und Rosenstraße befinden mit den damaligen Hotels Schmitt, Ölmühle und Holzmann (Heute: Hotel Fontana, Ölmühle und Bristol Hotel).

Ehrenbürger der Stadt

Die lauschige Szene zeigt am rechten Bildrand einen offensichtlich bessersituierten Hochradfahrer mit seinem glänzenden Vehikel. Laut einem Artikel im Magazin des Freundes- und Förderkreis Deutsches Museum (2/2018 ) studierte der Berliner für das Gemälde Hochräder bei verschiedenen Händlern. Adolph von Menzel, seit 1895 Ehrenbürger der Stadt Bad Kissingen nach mehreren Aufenthalten an der Saale, zeichnete mit Bleistift fünf Vorstudien, die im Berliner Kupferstichkabinett erhalten sind als "großartige Zeugnisse des damaligen Stands der Hochradtechnik".

Der Experte erkennt einen Kuhhornlenker mit Glocke, die Federung des Sattels mit Spiralfedern oder "den imposanten Kugellagerkopf mit angelenktem Bremshebel rechts, in dem sich das riesige, hartgummibereifte Vorderrad mit seinem Spinnennetz von Speichen steuern ließ."

Erstaunlich, wie viele Radfahr-Vereine sich um das Jahr 1900 herum gründen sollten. Eine Auflistung hierzu erstellt hat Wolfgang Purretat (Zahlbach), der bei seiner Recherche vor allem im Staatsarchiv Würzburg fündig wurde. Gleich drei Vereinsgründungen gab es in Bad Kissingen, jeweils zwei in Maßbach, Münnerstadt und Garitz. Auch in Albertshausen, Althausen, Aschach, Bad Bocklet, Burghausen, Burkardroth-Zahlbach, Haard, Poppenroth Seubrigshausen, Stralsbach, Wermerichshausen und Wollbach schlossen sich Pedalritter zusammen.

Bis zum Jahr 1924 kamen weitere Vereine hinzu, mit Sitz in Burglauer, Brünn, Fridritt, Großenbrach, Großwenkheim, Kleinwenkheim, Nüdlingen, Poppenlauer, Rannungen, Reichenbach, Reiterswiesen, Rothhausen, Stangenroth, Strahlungen, Steinach, Theinfeld, Volkershausen und Waldfenster.

Ehemalige Vorstände

Sogar die Namen ehemaliger Vorstände hat Wolfgang Purretat entdeckt: Franz Marstatt und Johann Brehm (beide Rhön-Radler-Club Burkardroth), Valentin Reith (Radfahrerverein "Vorwärts" Stralsbach), Alois Hanft (Radfahverein "Edelweiß" Stangenroth), Kaspar Amrhein (Radfahrverein Waldfenster), Johann Oswald und Mattäus Schmitt (beide Radler-Club Wollbach).