Die Chorgemeinschaft Hausen hat seit Dienstag ein Verfallsdatum. In der Mitgliederversammlung wurde ohne Gegenstimme beschlossen, den Verein zum 31. Dezember des Jahres aufzulösen. Es ist dies das Ende einer Tradition, die am 26. Februar 1921 begonnen hat.
Man merkte es der Vorsitzenden Helena Scharf an, dass es ihr nicht leichtfiel in die Tagesordnung einzusteigen, die nur den einen Tagesordnungspunkt "Auflösung der Chorgemeinschaft Hausen" beinhaltete. "Die letzten Jahre nach dem Tod unseres Vorsitzenden Wolfgang Werner waren geprägt vom Desinteresse am Chorgesang. Alle Versuche, dies zu ändern sind gescheitert", so das Resümee.


Auf hohem Niveau

Dabei kann die Chorgemeinschaft auf eine durchaus sehenswerte Vergangenheit zurückblicken. Nicht nur, dass der Chor dereinst über eine stattliche Anzahl von Sängerinnen und Sängern verfügte, die ihr Liedgut auf hohem Niveau zum Besten gaben. Auch gesellschaftlich hat man das Leben in Hausen und Bad Kissingen mitgeprägt. So war es das Sommernachtsfest des Hausener Gesangsvereines am Rindencafé am Gradierbau, das dereinst Oberbürgermeister Christian Zoll dazu inspirierte, das Salinenfest ins Leben zu rufen. Konzerte in der Bismarck-Wohnung und der Pfarrkirche zogen ein Publikum aus dem weiten Umkreis an. Im besonderen Ambiente des Häusler Klosters feierte man Klosterfeste und die Elferratssitzungen, die man bescheiden nur "bunter Abend" nannte, waren ein gesellschaftlicher Höhepunkt im öffentlichen Leben des Stadtteils. "Das alles ist nun Geschichte", stellte die amtierende Vorsitzende Helena Scharf fest. Dennoch wurde die Auflösung von den 25 anwesenden der derzeit 67 Mitglieder ohne große Diskussion und einstimmig beschlossen, denn es herrschte Einigkeit, dass es derzeit keine Perspektive gäbe.
Der vor einigen Jahren gegründete Jugendchor "Chorisma", der sich gut etabliert hat, soll allerdings weiter bestehen und in der Sängervereinigung Bad Kissingen aufgehen. Dazu wird es auch einen Zuschuss aus dem verbliebenen Vereinsvermögen geben, um einen guten Start im neuen Umfeld zu ermöglichen. Der Rest des Vermögens soll der Hausener Pfarrei zugutekommen, allerdings mit der Zweckbindung, dass dieser fürs Pfarrheim genutzt wird, in dem die Chorgemeinschaft über Jahrzehnte probte.
Die Zeit bis zur endgültigen Auflösung zum Ende des Jahres soll dafür genutzt werden, das Vereinsvermögen, die Noten, Archivalien und Ähnliches zu sichten und durch deren Weitergabe dafür Sorge zu tragen, dass die Chorgemeinschaft in guter Erinnerung bleiben wird.