Die Forderung nach einem fairen Umgangston, Kritik am Zeitplan, Unklarheiten zum Entscheidungsprozess und die Planung einer Fahrt in den Nationalpark Bayerischer Wald bestimmten die kurzfristig einberufene Dienstbesprechung der 26 Bürgermeister aus dem Landkreis. "Es gibt keine Festlegung auf eine Region", stellte Landrat Thomas Bold (CSU) zu Beginn klar, und: "Wer etwas anderes sagt, sagt das wider besseres Wissen." Einhelliger Tenor war, dass eine Entscheidung erst nach der Konzeptphase sinnvoll ist: "Es wäre falsch, jetzt schon zu sagen, dass wir gar nicht mit uns reden lassen", sagte etwa der Burkardrother ödp-Bürgermeister Waldemar Bug.


"Deutliches Zeichen"

Bold sieht den Umgangston gerade bei der Demonstration in Stangenroth als Gefahr für die Demokratie: "Das war ein deutliches Zeichen des Protestes", erkennt er den Einsatz der Nationalpark-Gegner an, aber: "Wir müssen uns in klarer Weise gegen diffamierende Plakate, Puppen, die an einem Galgen hängen, Sachbeschädigungen und Drohungen distanzieren", rief der Landrat die Bürgermeister zu einer gemeinsamen Erklärung auf. Auch die Entscheidungen in Stadt- und Gemeinderäten müssten ohne Druck möglich sein.
"Das ist eine große Herausforderung, da können wir jetzt zeigen, was wir können", forderte Bold die Bürgermeister zum Einsatz für die Demokratie auf. Schließlich würden in zweieinhalb Jahren vor der Kommunalwahl 2020 auch wieder alle auf die Suche gehen, um Kandidaten für politische Ämter zu finden. Wichtig sei, dass alle Seiten ihre Argumente einbringen könnten, damit am Ende hoffentlich auch die Minderheit das Ergebnis des Dialogprozesses akzeptiere. Und: "Die Menschen in der Rhön werden unabhängig von einem Nationalpark ihre Heimat gestalten müssen."
Einstimmig sprachen sich alle Bürgermeister aus dem Landkreis für die Erklärung aus, die sich gegen Diffamierung und Bedrohung stellt. "Zurück zur Sachlichkeit" gab Bold als Motto aus. Der Rannunger Bürgermeister Fridolin Zehner (CSU) erinnerte an die ebenfalls sehr emotional geführte Diskussion um die A 71: "Die Gräben sind zum Teil bis heute nicht zugeschüttet, da gehen Risse durch Familien."
Der Bad Bockleter Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) berichtete den Bürgermeister-Kollegen von seiner Fahrt mit dem Gemeinderat in den Bayerischen Wald. "Ich kann's nur jedem empfehlen", sagte er und stieß auf offene Ohren: Der Landkreis will nun für die erste August-Woche kurzfristig eine zweitägige Fahrt organisieren, zu der Bürgermeister, Kreisräte und - auf Anregung des Nüdlinger Bürgermeisters Harald Hofmann (CSU) - je drei Vertreter der Pro- und Contra-Vereine eingeladen werden sollen.
"Es ist doch völlig unklar, wie die Meinung der Region ist", leitete der Mottener Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) zum Thema Entscheidungsprozess über. Amtskollege Jürgen Karle (FWG) aus Wartmannsroth ergänzte die Frage: "Sollen jetzt alle Gemeinderäte abstimmen?" Gotthard Schlereth (FW) aus Oberthulba verwies auch darauf, dass im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfelb bereits Bürgerversammlungen stattfanden. "Der Zeitdruck muss weg", lautete seine Forderung, nun zunächst die gemeinsame Fahrt und die Sommerpause abzuwarten. Landrat Bold sah vorerst höchstens Handlungsbedarf bei den unmittelbar betroffenen Gemeinden, alle anderen könnten sich Zeit lassen und die Verhandlungen in einer möglichen Konzeptphase abwarten. Er jedenfalls legt sich nicht fest: "Ich werde mich in dieser Phase nicht positionieren."