Bodenschonend im Biosphärenreservat
Autor: Johannes Schlereth
Stangenroth, Donnerstag, 23. August 2018
Der Einsatz von Harvestern sorgt immer wieder für Kritik - aktuell werden am Totnansberg bei Stangenroth Fichten aus dem Bestand entnommen.
Borkenkäfer, Klimawandel, Renaturierung und die Stärkung heimischer Baumarten - am Totnansberg bei Stangenroth geht es deshalb der Fichte an den Kragen. Eingesetzt wird dafür ein Harvester, der bei vielen den Eindruck hinterlässt, mehr kaputt- als gutzumachen. Sichtbar wird dies beim Blick in die Rückegassen: Rechts und links leuchtend grüne Blätter. Dazwischen liegen ausgetrocknete braune Reisigmatten in der Rückegasse am Totnansberg bei Stangenroth. "Der Kontrast sieht auf den ersten Blick schon dramatisch aus", meint Philipp Bausch, der stellvertretende Forstbetriebsleiter in Bad Brückenau. "Tatsächlich täuscht das aber - es ist eben kein waldübliches grün zu sehen, sondern braun. Allerdings hilft das Material der Bodenverdichtung beim Befahren der Rückegassen vorzubeugen." Die Matten sorgen nämlich dafür, dass sich die 25 Tonnen des Harvesters besser auf dem Boden verteilen.
Bodenschonendes Arbeiten
Häufig wird der Harvestereinsatz wegen der Bodenverdichtung kritisiert. Durch das Befahren mit schweren Maschinen wird der Luftanteil im Boden verdichtet, was die biologische Aktivität im Boden einschränkt, das heißt, die Durchwurzelung des Bodens wird behindert. Das hat letztlich auch Auswirkungen auf das Baumwachstum. "Deswegen müssen wir bei Forstarbeiten mit dem Harvester minimalinvasiv vorgehen um den Waldboden zu schützen", betont der 37-Jährige. Hilfreich erweist sich dabei der Antrieb: "Die Maschine hat einen Raupenantrieb, das ist ein bisschen wie bei einem Bagger. Dadurch haben wir eine größere Auflagefläche und bessere Gewichtsverteilung", erklärt Rainer Langensteiner seinen 165 Pferde starken Harvester. Bei radgetriebenen Varianten könne man außerdem durch niedrigen Reifendruck der Verdichtung vorbeugen.
Allerdings lassen sich Druckbelastungen auf den empfindlichen Waldboden trotz aller technischen Raffinessen nicht vermeiden: Das Bundesforschungszentrum für Wald mahnt Forstarbeiter daher an, sich mit den Maschinen lediglich auf den Feinerschließungslinien - also den Rückegassen - zu bewegen. "Die Rückegassen haben wir in Bayern etwa alle 30 Meter. Das ist aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich", informiert Bausch. "Die Gassen bleiben allerdings auch Gassen. Die benötigen wir ja wieder, also ist für die Feinerschließungslinien keine Aufforstung oder Verjüngung beabsichtigt."
Aber beim Anlegen der Rückegassen muss neben den Abständen einiges beachtet werden. Das zeigt sich auch bei einem Blick in die Vergangenheit: Im Bereich des Totnansbergs wurde bei Holzrückearbeiten vor drei Jahren ein Jägerläger aus der Mittelsteinzeitaus Unkenntnis vermeintlich beschädigt, weshalb Forstverwaltung und das Landesamt für Denkmalpflege Beschwerde gegenüber den bayerischen Staatsforsten einlegten. "Das Areal wurde dann begutachtet, aber der Freilandstation des Mesolithikums ist nichts passiert." Heute werden bekannte Bodendenkmäler aus der Erschließung herausgenommen um sie zu schützen. "Das war nicht immer so, im Bereich des Totnansbergs wurden in den 1960er Jahren noch Wege über solche historische Stätten gebaut", beschreibt der 37-Jährige den Bewusstseinswandel bezüglich der Denkmalflächen bei den Staatsforsten.