Druckartikel: Blick auf die Bäder im Landkreis

Blick auf die Bäder im Landkreis


Autor: Markus Klein

LKR Bad Kissingen, Mittwoch, 06. Juli 2016

Die kommunalen Schwimmbäder schreiben Verluste. Zwei Hallenbäder mussten schließen, der bisher kalte Sommer macht auch den Freibädern zu schaffen.
Eine Bademeisterin überblickt das bisher spärlich genutzte Schwimmer-Becken im Terrassen-Schwimmbad Bad Kissingen. Foto: Markus Klein


Auf der Liegewiese in der Sonne braten, im Wasser abkühlen und eine Runde schwimmen, im Kiosk des Terrassen-Schwimmbades ein Eis essen und den Blick auf Bad Kissingen genießen. Solche Tage hat es noch kaum gegeben in diesem Sommer.

"Die Besucherzahlen sind mäßig bisher", sagt Mike Schmeller, Gebäudemanager der Stadt Bad Kissingen. "Wir hatten drei gute Tage, ansonsten kommen nur die wetterfesten Dauerschwimmer." Der 24. 1#googleAds#100x100 Juni war mit über 2500 Gästen der meistbesuchte in dieser Saison. Ansonsten: Viel Regen und herbstliche Temperaturen. Das kostet. Nicht nur, weil es die Besucher abschreckt, auch der Unterhalt wird teurer: "Wir heizen die Becken auf 23 Grad", so Schmeller. "Ist es kalt, steigen die Ausgaben."


"Von selbst rechnet es sich nicht"

Nun ist es wieder etwas wärmer geworden, die Aussichten für das Wochenende sind gut. Doch selbst wenn sich in einem heißen Sommer die Gäste auf der Wiese drängeln, "auch bei schönem Wetter ist es ein Verlustgeschäft", erklärt Schmeller. Wilhelm Göbel, Leiter des Freibades in Maßbach, äußert sich ähnlich: "Von selbst rechnet es sich nicht. Die Gemeinde legt bei uns Einiges drauf." Etwa 70 000 Euro seien dies im vergangenen Jahr in Maßbach gewesen. "Und da waren um die selbe Zeit schon dreimal so viele Besucher da", kommentiert Göbel. In diesem Jahr wird es teurer, eine umfassende Sanierung des Hauptgebäudes steht an. Die kommunalen Schwimmbäder, egal ob in der Halle oder unter freiem Himmel, "sind eine Leistung, die die Kommune ihren Bürgern anbietet", beschreibt es Gebäudemanager Schmeller. Nur können sich immer weniger Kommunen diese Leistung auch leisten. Vor sechs Jahren musste das Münnerstädter Freibad schließen, Ende 2015 wurde das Hallenbad in Wildflecken aufgegeben. In letzterem fand Schwimmunterricht für fünf Grundschulen statt.


Weniger schwimmsichere Schüler

Laut einer Studie des Robert-Koch-Institutes kann in Bayern nur noch jeder zweite Zehnjährige sicher schwimmen. Eine Erklärung ist, dass sich viele Kommunen den Unterhalt der Bäder nicht mehr leisten können und sich für manche Grundschulen dann der weite Weg zum nächsten Bad nicht lohnt. "Wenn die Schüler von einer Doppelstunde weniger als 25 Minuten im Wasser verbringen, ergibt das keinen Sinn", sagte Uwe Mitlöhner vor einem halben Jahr zum Thema Schwimmunterricht. Mitlöhner ist bei der Regierung von Unterfranken für dem Schulsport an Grundschulen zuständig. Er arbeitet an Konzepten, um Schülern vom Land trotzdem Schwimmunterricht zu ermöglichen, etwa während Aufenthalten im Schullandheim.


Ruf nach Zuschüssen

"Schwimmen ist lebenswichtig", sagt Edgar Beck, Leiter des Hallen- und des Freibades in Hammelburg. "Deshalb gehört der Schwimmbad-Betrieb bezuschusst." Beck könne sich einen Fördertopf vorstellen, der insbesondere kommunale Bäder unterstützt, in denen Schwimmunterricht auch für umliegende Gemeinden angeboten wird. Das ist beim Hallenbad in Hammelburg der Fall, auch Grundschüler aus Thulbatal, Wartmannsroth und Euerdorf lernen hier Schwimmen. Hohe Kosten verursachte die Sanierung des Freibades vor 10 Jahren und die des Hallenbades im Jahr 2011. Für das Terrassen-Schwimmbad steht ebenfalls eine Sanierung an. Im Herbst sollen die Beckenköpfe erneuert und der Nichtschwimmerbereich saniert werden.

"Viele Kommunen hätten gerne Zuschüsse und auch wir wären froh darum", sagt Gerhard Schneider, Kämmerer der Stadt Bad Kissingen. "Viele Bäder im Landkreis sind alt, die Kommunen bräuchten Unterstützung." Besonders zuversichtlich ist er jedoch nicht: "Das wird schon lange gefordert, passiert ist nichts." Zuletzt machte der unterfränkische Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Fahn (Freie Wähler) auf die Problematik aufmerksam und fordert vom Freistaat ein Sonderinvestitionsprogramm für den Erhalt kommunaler Schwimmbäder.