"Selbstjustiz" mit Traktor in Bad Kissingen: Wieso räumte Polizei nicht das Feld?
Autor: Isabel Schaffner
Bad Kissingen, Dienstag, 01. Sept. 2026
Ein Landwirt bat die Polizei, sein mit Menschen besetztes Feld in Bad Kissingen zu räumen. Die Beamten rückten nicht aus, woraufhin er seinen Traktor einsetzte. Würde die Polizei jetzt anders entscheiden?
Am Rande des "Kissinger Open Air 2026" sorgte ein Landwirt am Samstagabend (29. August 2026) für Verletzungen und Angst bei Zuschauern des Wincent-Weiss-Konzerts. Wie ein Zeuge berichtet, hielten sich, seinen Schätzungen nach, 75 bis 100 Menschen auf einer Wiese außerhalb des Veranstaltungsgeländes auf. Der Eigentümer verzeichnete Schäden auf der Fläche und bat die Polizei gegen Ende des Konzerts, sein Feld zu räumen. Diese entschied sich jedoch dagegen, wodurch der Bauer mit einem Traktor auf die Zuschauer zufuhr, um sie zu vertreiben. Ein Polizeisprecher sprach von einer "absolut inakzeptablen Selbstjustiz".
Auf der Fahrt zum Feld gefährdete der Landwirt laut Polizei Unterfranken zehn Menschen. Zudem registriert sie bisher acht leicht verletzte Personen. Drei wurden bei der Flucht vor dem Traktor körperlich verletzt. Dabei kamen sie demnach nicht in Kontakt mit dem Gefährt. Fünf von den acht Personen trugen einen Schock davon. Unter den verängstigt flüchtenden Zuschauern befanden sich dem Zeugen zufolge auch Kinder, führte er gegenüber der Nachrichtenagentur News5 aus. Wie ein Sprecher der Polizei Unterfranken am Dienstag inFranken.de erklärt, bewertete die Polizei die Ausgangslage unter verschiedenen Gesichtspunkten.
Landwirt in Bad Kissingen hilft sich nach Polizeiabsage selbst - so argumentieren die Beamten
Zunächst betont der Polizeisprecher, das Interesse des Landwirts, sein Feld zu räumen, sei "berechtigt" und "nachvollziehbar". Jedoch habe die Stadt im Vorfeld der Veranstaltung Grundstückseigentümern Kompensationen für entstehende Schäden angeboten. Die Veranstalter sind laut Polizei für Verunreinigungen und Trittschäden verantwortlich. Bereits am Donnerstag und Freitag hatte es Konzerte gegeben. Die Beamten wogen nach der Kontaktaufnahme des Landwirts ab, ob Ordnungswidrigkeiten, Straftaten oder eine Gefahr vorlagen.
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"Es ist dunkel, laut und unübersichtlich", beschreibt er die Situation vor Ort. Mit Einzelstreifen hätte die Polizei die vielen Personen zum Gehen auffordern müssen. Die Aussicht auf Erfolg sei "gegen null" gegangen. "Welche Folgewirkungen und Wahrnehmungen entstehen bei Leuten, die weiter hinten stehen?", habe eine Frage zudem gelautet. Eine etwaige Panik müsse demnach immer berücksichtigt werden.
Auch wenn alles ruhig bleibe: "Wohin gehen die Leute dann?", sei eine nächste Überlegung. Auf eine Straße oder einen benachbarten Platz? Zudem seien weitere Maßnahmen nötig, falls Zuschauer nicht Folge leisten wollen. "Habe ich dazu aktuell die Möglichkeiten und genug Leute?", so der Polizeisprecher zu den Überlegungen.
Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und mehr - so geht es weiter
Obendrein sei es "nur noch um 30 Minuten" gegangen, wodurch Zweifel aufkamen, ob die Räumung so schnell gelingen würde. Erste Besucher seien bereits im Aufbrechen gewesen. Die Polizei habe dem Landwirt diese Abwägungen erklärt, versichert der Sprecher. Auch bei einer nächsten, ähnlichen Ausgangslage hätte die Polizei so gehandelt. Sie ermittelt weiter wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.
In den vergangenen Tagen seien einige Menschen dem Zeugenaufruf der Polizei nachgegangen. Sie werden nun vernommen. Dann wird der Sachverhalt aufgeklärt und der Staatsanwaltschaft zur abschließenden Bewertung (PLUS) vorgelegt. Der Führerschein des Mannes ist bis zum Gerichtsurteil eingezogen.