Im Grand Hotel Kaiserhof Victoria ist die Normalität nach sieben Monaten Lockdown wieder etwas zurückgekehrt. Die ersten Besucher haben eingecheckt, suchen Entspannung von dem Corona-Alltag, lassen es sich im Spa-Bereich und im Schwimmbad gut gehen. An der Rezeption unterhalten sich Menschen, in der Küche und in den Speisesälen riecht es nach Essen. "Wir sind sehr zufrieden mit den ersten Tagen. Das verlängerte Pfingstwochenende lief für uns gut", berichtet Matthias Heid, seit Mai neuer Direktor des Hotels. Seit 21. Mai ist Urlaub in Bayern wieder möglich, der Kaiserhof öffnete direkt zum ersten Tag.

100 Gäste sind über die Feiertage bereits in das Vier-Sterne-Haus angereist. Die Besucher sind regelrecht urlaubshungrig, findet Heid. Das Hotel habe im Vorfeld zum Beispiel Stammgästen versprechen müssen, sie zu informieren, sobald das Victoria den Betrieb wieder aufnimmt. Die ersten hätten dann auch direkt gebucht.

Im Juli wieder zurück auf Vor-Corona-Niveau

Heid blickt nach dem geglückten Start zuversichtlich nach vorn. Die Buchungszahlen seien gut und die Nachfrage hoch. "Wir erwarten den Sommer über gute Geschäfte und gehen davon aus, im Juli wieder auf ein Vor-Corona-Niveau zu kommen", sagt der Hotelier. Die 167 Gästezimmer inklusive Suiten sollen dann wieder normal belegt sein. Er hofft darauf, "dass wir das Jahr normal beenden können". Sprich, dass sich die pandemische Lage in Deutschland über Impfungen und Tests so weit stabilisiert, dass keine staatlich angeordneten Schließungen mehr nötig sein werden.

Der Kaiserhof hat die Zwangspause für Investitionen genutzt. Die erste Etage im historischen Haupthaus wurde komplett saniert, das Hotel hat außerdem in den Brandschutz und in die Außenanlagen investiert. Die zweite Etage im Hauptgebäude soll dann nach der Hauptsaison ab Herbst fertig modernisiert werden. "Wir sind froh, dass wir mit den neuen Zimmern in der ersten Etage jetzt wieder öffnen dürfen", sagt Heid.

600 Gäste über Pfingsten

Wie die Staatsbad GmbH auf Anfrage berichtet, kommt die für Bad Kissingen wichtige Tourismusbranche allmählich in Schwung. Stand Dienstag, 25. Mai, hatten 75 von 181 Beherbergungsbetrieben in der Stadt geöffnet, darunter 17 Kliniken und Sanatorien. In diesen ersten vier Tagen nach den Lockerungen kamen rund 600 Gäste in die Stadt. "Aktuell erhalten wir viele Anrufe von Gästen, die sich neben den Übernachtungsmöglichkeiten nach den Aktivitäten erkunden, die sie während ihres Aufenthalts unternehmen können", gibt Staatsbad-Pressesprecherin Ines Hartmann Auskunft. Das Interesse gilt der Gastronomie und dem Einzelhandel sowie der KissSalis-Therme und Veranstaltungen. "Da inzidenzabhängig weitere Öffnungen in Sicht sind und auch wir unser Angebot wieder hochgefahren haben, blicken wir weiterhin vorsichtig optimistisch in die Zukunft", so Hartmann.

Kliniken mit 70 Prozent Auslastung

Die Übernachtungszahlen von Januar bis Ende Mai 2021 schauen pandemiebedingt düster aus. Die Staatsbad hat bis 25. Mai lediglich 12 216 Gästeankünfte und 239 115 Übernachtungen erfasst. Darunter sind einige Berufsreisende. Den Großteil machen aber Versicherungsgäste in Kliniken und Sanatorien mit 7814 Ankünften sowie 211 098 Übernachtungen aus. Die Lage hier sei mit den pandemiegeprägten Monaten des Vorjahres vergleichbar. Die Auslastung der Kliniken und Sanatorien liege im Durchschnitt bei 70 Prozent. Eine volle Auslastung ist aufgrund der aktuellen Bestimmungen nicht möglich. "Im Gegensatz zu 2020 gab es im aktuellen Kalenderjahr keine pandemiebedingten Schließungen der Kliniken und Sanatorien, was gut für den Kurstandort Bad Kissingen ist", sagt Hartmann.

Die Gäste, die bislang 2021 nach Bad Kissingen gekommen sind, hätten die Stadt im Normalfall in wenigen Wochen besucht. Zum Vergleich: Für die rund 260 000 Ankünfte des Jahres 2019 sind im Schnitt monatlich mehr als 21 600 Gästeanreisen nötig. Auch wenn sich bis Jahresende die Übernachtungszahlen wieder stabilisieren, wird das Niveau der Vor-Corona-Jahre (1,6 Millionen Übernachtungen) für Bad Kissingen erneut nicht zu erreichen sein.