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Bad Kissingen: Immer mehr Schweinehalter geben auf - "keine Wertschätzung"


Autor: Isabel Schaffner

Bad Kissingen, Donnerstag, 12. Januar 2023

Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe geht in Deutschland immer weiter zurück. Der Vorsitzende des Bauernverbands Bad Kissingen kennt die größten Probleme der Landwirte genau.
In Deutschland gibt es immer weniger Betriebe, die Schweine professionell halten. Im Landkreis Bad Kissingen hätten sich immer mehr Landwirte aus der Industrie zurückgezogen, heißt es vom Bauernverband.


  • Bad Kissingen: Bauernverband beklagt Rückgang bei Schweinebetrieben
  • Herausfordernde Auflagen: "So schnell wie sich Politik ändert, kommt man nicht hinterher"
  • Tierwohl und Wirtschaftlichkeit nicht leicht vereinbar
  • "Dann lasse ich es": Verband nennt Beispiel eines Schweinehalters

Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe und der Schweinebestand sinkt laut dem Statistischen Bundesamt stetig. Georg Scheuring, Geschäftsführer des Bad Kissinger Kreisverbands des Bayerischen Bauernverbands, hat mit inFranken.de über die Umstände gesprochen, die diesen Trend herbeiführen. Eine große Herausforderung seien die zu erfüllenden Auflagen.

"Riesige Herausforderung": Bauernverband Bad Kissingen berichtet von schwindenden Schweinebetrieben

In einer Pressemitteilung vom 21. Dezember 2022 spricht das Statistische Bundesamt von einem "vierten deutlichen Rückgang in Folge seit der Erhebung zum 3. November 2020" beim Schweinebestand in Deutschland. Gegenüber dem Vorjahreswert vom 3. November 2021 sei der Bestand um 10,2 Prozent oder 2,43 Millionen Tiere gesunken, im Zweijahresvergleich um 18,2 Prozent oder 4,74 Millionen Tiere. Von einem Abwärtstrend seien auch die Betriebe an sich betroffen.

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"Gegenüber dem Vorjahr (November 2021) sank die Zahl der schweinehaltenden Betriebe um 10,1 Prozent (-1900 Betriebe) und im Zweijahresvergleich um 17,1 Prozent (-3500 Betriebe)", heißt es. Woher kommt dieser Rückgang? "Die Betriebe haben eine riesige Herausforderung", sagt Scheuring und betont: "Die Landwirte müssen mit zunehmenden Auflagen zurechtkommen. So schnell wie sich die Politik ändert, kommt man gar nicht hinterher."

Der Stallumbau - beispielsweise zugunsten des Tierwohls - stelle dabei oft ein Problem dar. "Für bestehende Betriebe ist es schwierig, sich an die so schnell ändernden Vorgaben anzupassen." Denn nicht jeder Stall sei baulich so konzipiert, dass man kurzfristig umbauen könne. Ein Abriss könne sogar die Konsequenz sein. Junge Landwirte seien in der Regel gewillt, die Forderungen umzusetzen, sagten dann aber dazu: "Bitte nicht alle drei Jahre was anderes." Zudem rechne sich eine Stallinvestition "im kürzesten Fall nach 15 Jahren", führt Scheuring an. 

"Keine Wertschätzung für das Produkt": Erfolgreicher Schweinehalter aus dem Landkreis gibt auf 

"Schweinehalter, die ihren Stall noch nicht abbezahlt haben, schauen, dass sie ihr Produktionsverfahren weiter optimieren", sagt Scheuring. Anderen falle es leichter, der Industrie den Rücken zu kehren. "Mir fällt ein Hof im Landkreis ein, der erfolgreich war. Der Landwirt sagte aber, 'ich mache das ganze Spiel nicht mehr mit, wenn ich von meinem Umfeld derart in die Enge getrieben werde. Wieso soll ich mir das Leben schwer machen? Wenn keine Wertschätzung für das Produkt da ist und Wirtschaften mit Tierhaltung so schwer gemacht wird, dann lasse ich es'", formuliert es der Verbandsgschäftsführer. 

"Vom Handel gibt es zum Thema Finanzierung des Tierwohls nur vage Zusagen", habe er in der Vergangenheit bereits erfahren. "Hinzu kam die Vermarktungskrise durch die afrikanische Schweinepest", so Scheuring. China sei davor ein willkommener Abnehmer von Rüsseln oder Ohren gewesen, die in Deutschland nicht auf dem Teller gesehen werden wollen. "Damit konnte man gut einen Teil der Kosten abfangen." Nachdem China "dicht gemacht" hatte, sei es durch die Verwertung in Hunde- oder Katzenfutter zu einer "geringeren Wertschöpfung" gekommen.

Laut dem Statistischen Bundesamt seien auch die "stark gestiegenen Energie-, Düngemittel- und Futtermittelkosten und damit höhere Produktionskosten" nicht zu vernachlässigen. Dass das Konsumverhalten generell weg vom Fleisch gehe, sei aus seiner Sicht weniger ausschlaggebend. Schweinehalter müssten schlichtweg entscheiden, ob sie zu den gegebenen Marktkonditionen Schweine halten können, sagt Scheuring. Im Landkreis Bad Kissingen jedenfalls hätten sich laut Georg Scheuring viele Landwirte in der Vergangenheit dazu entschieden, "Landwirtschaft nur noch nebenbei zu betreiben und höchstens ein paar Schweine zur Selbstversorgung zu halten". 

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