Druckartikel: Windkraftanlagen am Steiger droht Rückbau - wichtige Frist verstrichen

Windkraftanlagen am Steiger droht Rückbau - wichtige Frist verstrichen


Autor: Redaktion

Heubach, Montag, 13. Sept. 2021

Heiß umkämpft und lange diskutiert war einst der Bau von zwei Windkraftanlagen am Steiger in Heubach, kurz hinter der Landkreis-Grenze. Nun ruhen die Arbeiten seit fast zwei Jahren. Und jetzt verstrich eine wichtige Frist.
Eine der beiden unfertigen Anlagen. Die Spitze ist abgedeckt, von einer Baustelle ist rundherum nichts zu sehen.


Zwei Maststümpfe, die etwas verloren in der Landschaft stehen, sind stumme Zeugen dessen, was zwischen Ziegelhütte und Heubach, unweit der A7 bei Motten, entstehen soll: zwei jeweils 149 Meter hohe Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2,3 Megawatt. So zumindest die Pläne des Investors Holger Schwarz von der Firma Oktoberwind mit Sitz in Gersfeld.

Einst hatte Schwarz erklärt, die Anlage solle im Oktober ans Netz gehen - Oktober 2019. Doch der Bau geriet ins Stocken. Schwarz kündigte an, der Bau werde sich "um wenige Monate verzögern". Die Gründe für die Bauverzögerungen seien "technischer Natur": Schwarz verwies auf eine "Synchronisation von Windkraftanlage und Kabeltrasse". Letztere müsse noch gebaut werden; man wolle jedoch vermeiden, dass die Windkraftanlagen lange ohne Netzanschluss stünden. Dass eine Insolvenz Grund für die ruhende Baustelle sein könnte, bezeichnete Schwarz als Gerücht; er rechnete damals mit der Inbetriebnahme 2020. Doch es tat sich nichts.

Müssen die Windkraftanlagen bei Heubach zurückgebaut werden?

Nachdem bis Oktober 2020 zwar reichlich Gras über die Baustelle, nicht aber über das Thema gewachsen war, ließ Schwarz auf Nachfrage lediglich verlauten, er könne nicht erkennen, "weshalb wir die selbstverständliche Fertigstellung des Windparks mit Ihnen zu besprechen hätten".

Fast zeitgleich war der zu errichtende Windpark auch Thema im Kreistag gewesen. Hier berichtete der Heubacher Ortsvorsteher Gerhard Müller:"Mir wurde mitgeteilt, dass vonseiten der Genehmigungsbehörde in Kassel alles klar sei. Warum nichts passiert, wissen aber weder Regierungspräsidium noch Landrat."

Auch unserer Zeitung gegenüber teilte das Regierungspräsidium Kassel (RP) damals lediglich mit, man könne zu den Gründen der Verzögerung keine Auskunft geben - und verwies auf den Investor.

Wichtige Frist verstrichen: Wie es jetzt weitergeht

Der schweigt. Auf eine erneute Anfrage unserer Zeitung hat Schwarz nicht reagiert. Auch Ortsvorsteher Müller hat nichts mehr zu dem Projekt in Erfahrung bringen können.

Wie das RP auf Nachfrage mitteilt, war mit dem Genehmigungsbescheid der Behörde auch die Anordnung verbunden, dass diese bis zum Montag, 13. September 2021, errichtet und in Betrieb gehen muss. Dann nämlich hatte der Investor exakt drei Jahre Zeit, um sein Vorhaben umzusetzen.

Schwarz hatte zwar einst angekündigt, bei Wiederaufnahme der Arbeiten stünden die Anlagen "innerhalb von drei Wochen. Das geht dann wie im Zeitraffer" - doch mit dem Verstreichen der Frist dürfte die Genehmigung erloschen sein.

Theoretisch kann die Frist verlängert werden. Hierfür müsste Schwarz jedoch gewichtige Gründe vorbringen. "Ein solcher Antrag liegt uns bisher nicht vor", heißt es aus dem Regierungspräsidium. Nach Erlöschen der Genehmigung ist Schwarz laut RP dazu verpflichtet, die Anlagen auf eigene Kosten zurückzubauen. Selbst für den Fall einer Insolvenz ist vorgesorgt - wie das RP mitteilt, ist für die Finanzierung des Rückbaus eine Sicherheitsleistung hinterlegt worden.

Von Marcus Lotz