Das Hochwasser der Sinn - es fiel in diesem Frühjahr heftiger aus als in den Vorjahren, als es fast ausblieb. Ein paar überflutete Wiesen und vollgelaufene Keller - alles im Rahmen. Ein Starkregenereignis wie in den von Sturzfluten betroffenen Gebieten Deutschlands blieb in der Rhön bisher aus. Gott ei Dank.

Trotzdem machen sich die Menschen Gedanken: Kann so etwas auch bei uns passieren? Sind wir für den Fall der Fälle vorbereitet? Werden wir rechtzeitig gewarnt?

Auch im jüngsten Bad Brückenauer Stadtrat waren diese Fragen Thema. Florian Wildenauer (SPD) hatte sich von Feuerwehr-Kommandant Michael Krug rechnerisch überschlagen lassen, was auf die Menschen im Einzugsgebiet der Sinn zukäme, würde man die Wassermengen aus dem Ahrtal hierher übertragen.

Das Resultat: Die Flut würde dem Dreifachen eines hundertjährigen Hochwassers entsprechen. Wobei Krug nach eigenen Worten keine Polder, die Wasser abweisen oder Flächen, die es auffangen, in seine Prognose mit einbezogen hat. Auch habe er die Nebenflüsse der Sinn nicht betrachtet.

Im Stadtrat war auch klar: Die Sinn an sich wäre nicht das alleinige Problem. Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne) wies auf die vielen steilen Hänge hin, von denen der Niederschlag geballt ins Tal stürzen und sich dort zu einer Flut vereinen könnte. Man müsse größer denken und schauen, wo sich das Wasser ausbreiten könne.

Adelheid Zimmermann (FDP) merkte an, dass man nicht alles Wasser, was von weiter talaufwärts komme, ein Regenrückhaltebecken auffangen könne.

Claudio Kleinhans (PWG) hat sich als Referent für Feuerwehr, Katastrophen- und Zivilschutz des Themas besonders angenommen. "Der Katastrophenschutz wird gern vernachlässigt, weil er Geld kostet", sagt er gegenüber dieser Redaktion.

Seines Wissens verfügen die Bad Brückenauer Ortsteile fast alle über funktionierende Sirenen zur Alarmierung. In Volkers stehe sie auf der Alten Schule (die ja auch die Feuerwehr als Stützpunkt nutzt), in Römershag auf einem Privatgebäude. Dort soll sie aber auf den geplanten Anbau ans Feuerwehrhaus umziehen. Als Wernarzer Standort nennt Kleinhans den Kindergarten. Er regt an: "Eventuell wäre eine Sirene für das Staatsbad erforderlich."

Wo der Feuerwehrreferent Nachholbedarf sieht, ist die Kernstadt. Die "Zivil- und Katastrophenschutzsirene" an der Edelruh sei seit Jahren stillgelegt, sagte er im Stadtrat. Sie zu reaktiveren und das bisherige Druckluft- auf ein modernes elektronisches System mit digitalem Funkempfänger umzustellen, würde rund 15 000 Euro kosten.

Wobei Kleinhans die Sirene nicht vorrangig als wichtig für die Alarmierung der Bad Brückenauer Feuerwehr anseht. Die verfüge ohnehin über moderne Funkmeldeempfänger. Aber es gebe andere Katastrophen, vor denen gewarnt werden müsse: zum Beispiel, wenn ein Gefahrguttransporter auf der Autobahn umkippt und gefährliche Stoffe auslaufen. Oder wenn ein verheerender Sturm droht. Oder eben eine Sturzflut. "Wobei eine Sirene nur Sinn macht, wenn ihre Alarmierung mit Mitteilungen über Fernsehen, Radio und den sozialen Medien gepaart ist. Und die Leute müssen wissen, was die Töne bedeuten."

Feuerwehr-Kommandant Michael Krug hält es für sinnvoll, die Sirene an der Edelruh zu reaktivieren. Er bezweifelt zwar, dass im Fall einer Sturzflut die Alarmierung rechtzeitig erfolge. Die Sinn sei ein ausgewiesener Wildbach, der Vorlauf eines Hochwassers gering. Aber es sei "kein Fehler, die Leute zu sensibilisieren".

Die Bad Brückenauer Feuerwehren sieht Claudio Kleinhans indes für "normale" Hochwasser "recht gut ausgestattet". Bei Katastrophen mit Dimensionen wie im Ahrtal seien aber auch sie überfordert. Spätestens bis zum Ende seiner Amtszeit als Stadtrat im April 2026 will er einen Feuerwehr-Bedarfsplan aufstellen - auch mit Aussagen, was die Wehren in besonderen Gefährdungslagen brauchen. Die Sirenen wären da mit drin.

Wie sehen die anderen Anrainer der Sinn die Gefahrenlage durch Sturzfluten?

Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) meint, man könne das Thema Sturzflut "nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen". Da habe sich eine Brisanz entwickelt.

Gleichwohl sieht Kleinhenz den Markt Wildflecken beim Hochwasserschutz gut vorbereitet. Am Oberlauf der Sinn gebe es zwischen dem Hauptort und Oberbach genügend Überflutungsflächen. Das gleiche unterhalb von Oberbach. Und auch wenn er oft kritisch gesehen werde: Der Biber sorge auch für Hochwasserschutz.

Dennoch wird sich die Gemeinde Gedanken um das Sturzflutmanagement machen müssen und "kritisch drüberschauen", kündigt Kleinhenz an. Neuere Auswertungen über Überschwemmungsgebiete auf Wildfleckener Gemarkung lägen vor. Einige Anwesen in Oberbach sind laut dem Bürgermeister stärker hochwassergefährdet. Zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt gebe es Überlegungen, diese besser zu schützen. Die Ideen müssten nun ausgearbeitet und umgesetzt werden.

Sirenen sind laut Gerd Kleinhenz "in allen Ortsteilen vorhanden". Sie alarmieren aber nur bei Feuer oder Unfällen. "Bei Katastrophen schweigen sie." Dies zu ändern, sei eine überörtliche Aufgabe.

Auch die Riedenberger sind sich der wachsenden Gefahr von Hochwasser und Sturzfluten bewusst. Bürgermeister Roland Römmelt (CSU) will "die kritischen Punkte im Gemeinderat und mit dem Wasserwirtschaftsamt bereden". Als solche Punkte nennt er "Altbebauung, die sich nahe an der Sinn befindet".

Aber auch der "Trockenbach", der vom Berghaus Rhön in Tal verlaufe, habe sich als kritisch erwiesen. Eigentlich oft ausgetrocknet (daher der Name), seien vor drei Wochen in vier Stunden 40 Liter pro Quadratmeter gefallen und bergab geflossen. "Es gibt da zwar Regenrückhaltebecken. Aber wir überlegen, ob man da nicht noch mehr machen sollte", sagt Römmelt.

Der Bürgermeister sagt auch, "dass gegen Naturkatastrophen niemand gefeit ist. Und man kann nicht auf alles vorbereitet sein. Das sollte jedem bewusst ein." Im Fall des Falles sei die Sirene auf der Schule alarmierungsbereit. Sie sei an die Integrierte Leitstelle in Schweinfurt angeschlossen.

Weiter flussabwärts hält Matthias Hauke, Bürgermeister von Zeitlofs, eine Flutkatastrophe auch für seinen im Tal liegenden Ortsteile nicht für ausgeschlossen. Besonders Eckarts sei da gefährdet, ebenso Teile des Hauptortes . Wobei Hauke hofft, dass es wegen der Breite des Sinntales nicht so schlimm kommt. Auch fließe die Sinn nicht mitten durch Zeitlofs hindurch, sondern durchstreife Randbereiche.

Laut dem Bürgermeister, bis vor Amtsantritt auch Feuerwehr-Kommandant, "bleiben die normalen Feuerwehr-Sirenen in den Ortsteilen bestehen, auch trotz der anstehenden Digitalisierung des Funks". Für deren Erneuerung gebe es ein bayernweites Förderprogramm, von dem aber noch nicht jedes Detail ausgefeilt und bekannt sei.

Schon länger besteht übrigens auf Bundesebene das Programm "Integrale Konzepte zum kommunalen Sturzflutmanagement". Laut Bad Brückenaus Kämmerin Julia Spahn sei "in der Debatte, das wieder dauerhaft aufzulegen". Über das Programm könnten Kommunen die Risiken, von einer Sturzflut erwischt zu werden, und Strategie, wie man dem begegnet, ermitteln lassen. Die beauftragten Ingenieurleistungen würden mit maximal 150 000 Euro bezuschusst.

Laut Matthias Hauke wird das Sturzflutmanagement demnächst auf der Tagesordnung der Mitgliedsgemeinden der Bad Brückenauer Rhönallianz stehen.