Wie gut geht es der Franz-von-Prümmer-Klinik?
Autor: Steffen Standke
Bad Brückenau, Donnerstag, 27. Februar 2020
Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) besuchte das Bad Brückenauer Krankenhaus, um sich von Verwaltungsdirektorin Sabine Hein Sorgen und Nöte aus dem laufenden Betrieb eines kleinen Krankenhauses anzuhören.
Der Appell von Sabine Hein an Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) war eindeutig: "Es ist schwierig; wir haben existenzielle Probleme im Betrieb", sagte die Verwaltungsdirektorin der Capio Franz-von-Prümmer-Klinik bei deren Besuch in Bad Brückenau. Und sie schob nach: "Wenn dieser Standort mittel- und langfristig erhalten bleiben soll, brauchen wir Unterstützung."
Die Idee für einen Besuch der Staatsministerin entstand schon im Sommer 2019 bei einer Ausbildungsmesse. "Der Wunsch war da, dass die Probleme kleiner Kliniken geschildert werden können", sagt CSU-Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner auf Nachfrage. Vor zwei Wochen habe Huml dann endgültig zugesagt. Zwar hatte sie schon einmal vor Jahren in der Georgi-Kurhalle über die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum gesprochen. In der Franz-von-Prümmer-Klinik war sie noch nie.
Dieses Krankenhaus der Daseinsvorsorge mit 200 Mitarbeitern und 113 Betten (83 im Akutbereich der Abteilungen Innere, Chirurgie und Akutgeriatrie; 30 in der Geriatrischen Rahabilitation) setzte im vergangenen Jahr 11,8 Millionen Euro um. 2864 Fälle liefen im Jahr 2019 auf; die Belegungstage der einzelnen Patienten summierten sich auf rund 21 000.
Es sind vor allem bestimmte, zuletzt neu gefasste Gesetze, die die Klinik hart treffen, führte Sabine Hein in ihrem Vortrag aus: das MDK-Reformgesetz, die Ausgliederung der Pflegekosten aus den Fallpauschalen, die Pflegepersonal-Untergrenzen. Letztere schreiben fest, wie viel e Pflegekräfte auf eine bestimmte Zahl von Patienten mindestens angesetzt werden müssen. "Oft ist nicht nachvollziehbar, mit welchem Maß da gemessen wurde", so Hein.
Sie erläuterte das Dilemma an Beispielen. So sei für zehn Patienten in der Akutgeriatrie mindestens eine examinierte Pflegekraft angesetzt; einen elften Patienten dürfte diese schon nicht mehr mitbetreuen. Unter Umständen würde aber auch eine geringere Zahl an Patienten die Pflegekraft überfordern, nämlich dann, wenn ihre Betreuung extrem aufwendig wird. Hält ein Krankenhaus die Untergrenzen fürs Pflegepersonal nicht ein, drohen ihm Strafzahlungen.
Auch der Fachkräftemangel stellt laut Hein für die Prümmer-Klinik ein großes Problem dar. "Die Bewerberauswahl wird immer schlechter", so die Verwaltungsdirektorin. Die Bewerber hätten oft nicht die gesuchte medizinische Ausbildung; Ärzten aus dem Ausland mangele es oft an Deutsch-Kenntnissen. Ähnlich sieht es laut Hein beim Pflegepersonal aus. Auf 100 offene Stellen kämen 25 Bewerber. "Aus denen müssen wir dann auswählen und sie zusätzlich überzeugen, nach Bad Brückenau zu kommen."
Ines Seitz, in der Prümmer-Klinik zuständig für Controlling und Qualitätsmanagement, machte den hohen Aufwand deutlich, den die Vielzahl der relativ neuen Gesetze der Krankenhaus-Verwaltung neben dem alltäglichen Geschäft bereiten. "Ihre Umsetzung kostet viel Zeit." Ein größeres Krankenhaus fange so etwas besser weg als ein kleines wie das in Bad Brückenau. "Die Finanzierung durch die Krankenkassen lässt leider keinen größeren Verwaltungsetat zu", sagte Seitz.