"Die Stille im Kirchturm nehmen wir gerne ein paar Wochen in Kauf", sagt Pfarrer Gerd Kirchner. Dabei ist ihm aber schon heute die Vorfreude auf den 11. Dezember anzumerken. An diesem Tag werden dann erstmals zwei völlig neue Glocken im Zusammenspiel mit dem alten Paar beim Adventskonzert erklingen.

Der Abbau stellte in dieser Woche gar kein Problem dar. Dank Spezialgerät, Fachwissen und geschickter Hände war die Sache innerhalb weniger Stunden erledigt. Auch die Befürchtung, dass die Glocken nicht durch die schmalen Turmöffnungen passen würden, bewahrheitete sich nicht. Es war zwar alles Millimeterarbeit, aber es klappte wie am Schnürchen.


Zahn der Zeit

Seit nunmehr rund 50 Jahren hingen insgesamt vier Glocken an einem Stahljoch im Turm der Friedenskirche, und zwar zwei aus Bronze und zwei aus Eisen. An den beiden Letzteren hatte mittlerweile ganz kräftig der Zahn der Zeit genagt, ihre Schläge erzeugten einen unschönen "Schmiedeton".

Außerdem war es zu einer massiven Kontaktkorrosion, im Volksmund als Lochfraß bekannt, gekommen.
"Man konnte schon durchgucken", beschreibt Kirchner den Zustand. Darüber hinaus habe die Gefahr bestanden, dass sich Teile lösen und Gottesdienstbesucher verletzen könnten. "Da spielte dann auch keine Versicherung mehr mit", betonte der Geistliche.

Vor diesem Hintergrund war klar, dass dringend Handlungsbedarf bestand. So gründete sich seinerzeit eigens ein Glockenausschuss, deren Mitglieder das Für und Wider einer Neuanschaffung diskutierten: Denn eine Tatsache stand von vornherein fest, ganz billig würde die ganze Geschichte nicht werden. Unter Hinzuziehung diverser Fachleute wurde aber relativ schnell klar, dass man die sprichwörtlichen Nägel mit Köpfen machten musste.


Großzügige Unterstützung

Rund 40 000 Euro waren für die Maßnahme veranschlagt, die die Gemeinde selbst aufzubringen hatte. "Ein enormer Brocken an Geld", erinnert sich der Pfarrer ein knappes Jahr zurück, als diese Summe erstmals ins Gespräch kam. Denn neben zwei neuen Glocken aus Bronze sollten auch ein Joch aus gut abgelagertem Eichenholz und die dazugehörige Technik für eine moderne Läute-Anlage angeschafft werden.

Was anfangs angesichts des hohen Geldbetrages fast unmöglich erschien, ist längst Realität. Die erforderliche Summe konnte dank der großzügigen Unterstützung von Gemeindemitgliedern, Firmen und Institutionen inzwischen aufgebracht werden. Kirchner ist immer noch überwältigt "von der enormen Spenden-Bereitschaft, mit der wir in unseren kühnsten Träumen nicht gerechnet hatten". Etliche Euro brachte darüber hinaus der Erlös diverser Benefizveranstaltungen ein.


Am Freitag zur Glockengießerei

Wie sich die gestiftete Summe entwickelte, konnten die Gottesdienstbesucher an einer eigens konstruierten Spendensäule ablesen. Das von Karl Jäger realisierte "Barometer" war direkt neben der Kanzel aufgestellt und jederzeit für alle Interessenten einsehbar.Jetzt freuen sich alle Beteiligten erst einmal auf das nächste Großereignis.

Denn schon am Freitag, 11. November, fahren Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Bad Brückenau in das hessische Industriestädtchen Sinn bei Wetzlar. Dort können sie bei der Glocken- und Kunstgießerei Rincker hautnah verfolgen, wie ihre neuen Klangkörper für die Friedenskirche entstehen.