Unterleichtersbach
Aufruhr

Unterleichtersbach: Protest gegen Solarpark

Noch steht eine Info-Veranstaltung zum geplanten Solarpark in Unterleichtersbach aus, da regt sich bei etlichen Bürgern Widerstand gegen das Projekt.
Werner Milotta, Gabi Hampel und Andrea Fell wollen den geplanten "Solarpark Unterleichtersbach" nicht hinnehmen. Im Internet haben sie den Protest organisiert. Foto: Rolf Pralle
Werner Milotta, Gabi Hampel und Andrea Fell wollen den geplanten "Solarpark Unterleichtersbach" nicht hinnehmen. Im Internet haben sie den Protest organisiert. Foto: Rolf Pralle
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"Ich war regelrecht schockiert, als ich Anfang August aus dem Gemeindeblatt erfuhr, was da eventuell auf uns zukommt", sagt Gabi Hampel. Die Anliegerin der Bernbrunner Straße ist durch eine Veröffentlichung in jener Publikation auf die Sache aufmerksam geworden. "Bis dahin hatte ich noch nichts von einem Solarpark direkt vor meiner Haustür gehört", macht die Unterleichtersbacherin klar. Erst bei einem genauen Blick auf eine anschauliche Skizze seien ihr die enormen Ausmaße des Projekts bewusst geworden. "Das kann doch alles nicht wahr sein", erinnert sie sich an ihre erste Reaktion.

Kaum jemand habe im Vorfeld etwas von dem Vorhaben, das Mitte Juli im Oberleichtersbacher Gemeinderat vorgestellt worden war, gewusst, versichert Hampel. Das hätten ihr auch andere Bürger bestätigt, mit denen sie unverzüglich in Kontakt getreten war. "Dagegen müssen wir etwas unternehmen, denn wenn die Maschinerie erst mal am Laufen ist, kann es bereits zu spät sein", stand ihre Intention von Anfang an fest.

Zu Beginn war es nur eine Handvoll Leute, auf die sie zählen konnte. Sofort auf Hampels Seite schlugen sich beispielsweise Werner Milotta und Andrea Fell. Die agile Bürgerin wollte aber möglichst schnell mehr Öffentlichkeit: "Da habe ich zum ersten Male in meinem Leben das Medium Facebook genutzt und am 25. August einen Beitrag eingestellt." Über diese spontane Entscheidung freut sie sich noch heute: "Das hat den sprichwörtlichen Schneeball-Effekt ausgelöst. Mittlerweile identifizieren sich über 180 Leute mit unserem Anliegen."


Unterschriften werden gesammelt

Aber auch auf andere Art und Weise wurde die kleine Gruppe aktiv. Andrea Fell ist beispielsweise mit Unterschriftenlisten gegen den Solarpark unterwegs. Da gelte es, viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Und selbst wenn die Angesprochenen den Protestinitiatoren ihre Unterstützung mündlich zusichern würden, so möchten einige letztendlich doch nicht unterschreiben. Das hänge vielfach mit geschäftlichen Verbindungen oder engen privaten Kontakten zusammen. Da würden immer wieder gewisse Zwänge ganz unterschiedlicher Art zu Tage treten. Es sei durchaus Konfliktpotenzial erkennbar.

Hampel, Fell und Milotta betonen im Gespräch mit dieser Zeitung immer wieder übereinstimmend, dass sie keineswegs gegen erneuerbare Energien und auch nicht gegen größere Solaranlagen sind. Nur komme es eben auf den Standort der Objekte an. Bei dem geplanten Vorhaben würden durch einen "überflüssigen Fremdkörper" natürliche Lebensräume vernichtet, "die wir lieber für die nächste Generation erhalten sollten". Bei allem Fortschrittsglauben müsse man sich stets bewusst werden, "dass es keine erneuerbaren Landschaften gibt", fasst Hampel zusammen. Die Region an der Bernbrunner Straße sei nicht nur für die Einheimischen ein gern genutztes Naherholungsgebiet. Auch Wanderer von außerhalb würden besonders am Wochenende in dieser Region unterwegs sein.


Bürgermeister: Feedback der Bürger wird gebraucht

Und noch ein weiteres Argument führt sie ins Feld: "Ein Außenstehender kann sich gar nicht vorstellen, wie artenreich hier die Tierwelt ist". Dieses seit Jahrhunderten gewachsene Idyll dürfe ganz einfach nicht zerstört werden. Darüber hinaus wäre der fantastische Blick über die weiten Fernen der Rhön, von dem auch die Feriengäste immer wieder schwärmen, für eine halbe Ewigkeit verbaut. "Und was machen wir, wenn die Anlage ihre Schuldigkeit getan hat und nach 30 Jahren wieder abgebaut wird?", fragt Hampel und hat auch gleich eine Antwort parat: "Es bleibt eine große Wunde in der Landschaft."

Bürgermeister Dieter Muth (Aktive WG) weist auf die Info-Veranstaltung am 12. September, hin, die der Gemeinderat schon vor dem Aufleben des Protests angesetzt hatte. Zudem stellt er klar, dass es um eine Fläche von sechseinhalb Hektar gehe, und nicht um acht Hektar, von denen noch im Juli im Gemeinderat die Rede war. "Das Feedback der Bürger wird unbedingt gebraucht", sagt Muth. Auch wenn der Solarpark vom Ort aus nicht unmittelbar zu sehen sei, müssten doch die Bürger 30 Jahre lang damit leben, sagt der Bürgermeister.


Hintergründe zum geplanten Solarpark:

Projekt Die Firma "Energiebauern GmbH" aus Sielenbach möchte in Unterleichtersbach auf einer Fläche von ungefähr sechseinhalb Hektar einen Solarpark errichten. An der Bernbrunner Straße liegt ein geeignetes Gelände, das für maximal 30 Jahre gepachtet werden soll. Investiert werden würde eine Summe von etwa drei Millionen Euro. Die Anlage würde jährlich 4,5 Megawatt Strom erzeugen, der ins öffentliche Netz eingespeist werden soll. Die Investoren stellten im Juli ihr Projekt im Gemeinderat vor und versprachen, die Anlage wieder abzubauen, wenn sie in drei Jahrzehnten nicht mehr genutzt werde. Investor und Betreiber wäre die Firma "Energiebauern GmbH", die auch entsprechende Gewerbesteuern an die Gemeinde Oberleichtersbach abführen würde.

Info-Veranstaltung Am Dienstag, 12. September, informiert die Gemeinde Oberleichtersbach über das Projekt. Treffpunkt ist vor Ort, am Ende des Wiesenwegs, um 19 Uhr. Anschließend treffen sich die Bürger im Hotel Rhönhof in Oberleichtersbach.