Inge Rölling kennt das: Der Weg mal eben in die Stadt ist weit für den, der kein Auto hat. "Entweder fahre ich mit dem Bus rein oder ich frage jemanden", erzählt die 63-Jährige aus Schondra. Gerade bei Einkäufen, die schwer zu tragen sind, ist der öffentliche Nahverkehr für sie keine Alternative. Zudem müsse sie gleich mehrere Stunden in der Stadt verbringen, bis der Bus wieder zurück nach Schondra fahre. Die Idee eines Fahrdienstes gefällt ihr daher. "Wenn es das Angebot gibt, würde ich mitfahren."


Resonanz bisher sehr gering

Der Anstoß für das Projekt geht von der Rhönallianz aus. "Die Allianz ist über die Unternehmenszentralen auf die beiden großen, in Bad Brückenau vertretenen Lebensmittel-Einzelhandelsunternehmen zugegangen", berichtet Allianzmanager Uwe Schmidt. Überraschend schnell sei die Familie Mahlmeister, die das Rhön-Center in Bad Brückenau (Edeka) betreibt, mit einem Vorschlag auf die Allianz zugekommen (siehe unten). Die Gespräche liefen im vergangenen Jahr. Im Dezember informierte die Rhönallianz ihre Bürger über das neue Angebot.

"Leider war die Resonanz sehr gering", sagt Schmidt. "Doch bevor wir aufgeben, wollen wir es noch einmal versuchen." Ob der Bedarf einfach nicht so groß ist wie gedacht, oder sich die Idee noch nicht ausreichend herumgesprochen hat, ist schwer zu sagen. "Ich kann es nicht abschätzen", sagt der Schondraer Bürgermeister Bernold Martin (CSU). Noch bis Ende Februar wollen die Gemeinden deshalb den Bürgern noch einmal die Gelegenheit geben, ihr Interesse zu bekunden.


Allianz für weitere Vorschläge offen

Einen "super Vorstoß" nennt Jürgen Metz, Leiter der Kreisentwicklung am Landratsamt Bad Kissingen, das Projekt. Ähnliche Ideen gibt's im Landkreis. In Premich zum Beispiel wird mit Fördergeldern des Freistaats Bayern gerade die App "Bring's mit" getestet, bei der Einkaufslisten mit einem bestimmten Pool an Menschen geteilt werden können. In Hammelburg haben Ehrenamtliche einen Bürgerbus auf den Weg gebracht, der neben Einkäufen auch Arztbesuche oder andere Erledigungen möglich macht.

Übers Knie brechen möchte die Rhönallianz den Fahrdienst allerdings nicht. "Bei mangelndem Interesse wird das Projekt nicht fortgesetzt", stellt Schmidt klar. Er betont außerdem, dass die Allianz offen für weitere Vorschläge und Anregungen sei. Im Kern solle es bei allen Überlegungen darum gehen, die Versorgung gerade älterer und wenig mobiler Bürger auf dem Land zu verbessern.


Einkaufsunterstützung für den ländlichen Raum:

Was steckt dahinter? Unter dem großen Schlagwort der Da seinsvorsorge hat sich die Brückenauer Rhönallianz darüber Gedanken gemacht, wie zumeist ältere Bürger zum Einkaufen in die Stadt kommen. Im Gespräch mit der Familie Mahlmeister vom Rhön-Center in Bad Brückenau entstand die Idee, einen Fahrdienst einzurichten. Der Lebensmittelmarkt würde ein Fahrzeug zur Verfügung stellen, die Fahrten werden durch Ehrenamtliche geleistet. Im Hintergrund koordinieren die Gemeindeverwaltungen den "Fahrplan".

Wer macht mit? Wichtig für die Gemeinden der Brückenauer Rhönallianz ist, dass nur die Ortsteile angefahren werden, in denen es keinen Anlaufpunkt für Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs mehr gibt. Deshalb konzentriert sich das Angebot auf den Markt Schondra, den Markt Zeitlofs, die Gemeinde Motten sowie die Ortsteile von Oberleichtersbach. Wildflecken, Riedenberg und Geroda sind noch gut versorgt. Wenn genug Leute Interesse haben, soll der Fahrdienst erst einmal ein Jahr lang ausprobiert werden.

Wo kann man sich anmelden? Aktuell fragt die Rhönallianz den Bedarf für den Fahrdienst ab. Wer sich vorstellen kann, das Angebot wahrzunehmen, soll sich bei den Gemeindeverwaltungen melden. Auch ehrenamtliche Fahrer werden gesucht. Ansprechpartner sind für Schondra und die Ortsteile von Oberleichtersbach Ursula Schaab und Silke Gerlach von der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau, Tel.: 09741/ 91190; für die Gemeinde Motten Kathrin Bös, Tel.: 09748/ 91910; für den Markt Zeitlofs Gerhard Gunkel, Tel.: 09746/ 91190.