Mit einer Schweigeminute für die Opfer des Krieges in der Ukraine begann die Bürgerversammlung in der Turnhalle in Wildflecken. Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) bezeichnete den Angriffskrieg als "eine humanitäre und menschliche Katastrophe" für alle Beteiligten. "In der Ukraine werden im Moment die Werte der Demokratie und damit auch unsere Werte verteidigt." Der Rathauschef bat die Bürger darum, freien Wohnraum in der Gemeindeverwaltung zu melden, wenn dieser für Kriegsflüchtlinge zur Verfügung gestellt werden kann. In Wildflecken ist bereits eine Familie aus der Ukraine angekommen, die derzeit in Oberbach in einer Pension untergebracht ist. Kleinhenz geht davon aus, dass in Deutschland rund eine Million Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen werden.

Umfangreiche Auflagen

Nach dem Verkauf des Bahnhofsgeländes ist der Bürgermeister zuversichtlich, dass das geplante Schulungszentrum rund um das Thema Bahnverkehr innerhalb der kommenden beiden Jahre in Betrieb gehen kann. Dass die Umsetzung etwas ins Stocken geraten sei, liege vor allem an umfangreichen Auflagen, die der Investor besonders auf den Freiflächen berücksichtigen muss.

Außerdem berichtete Kleinhenz über die geplante Ferienanlage entlang der ehemaligen Verladerampe nahe der Roten Brücke in Wildflecken mit Tiny-Häusern und Stellplätzen für Wohnmobile. "Der Trend zum Wohnmobil-Tourismus ist ungebrochen, und die Stellplätze sind rar. Daher kann auch die Region von diesem Trend profitieren."

Sanierung des Ratskellers läuft

Zügig vorwärts geht es bei der Sanierung des Alten Ratskellers am Rathausplatz. Der dort geplante gastronomische Betrieb soll nach Auskunft des Bürgermeisters im Sommer dieses Jahres starten. "Eine sehr erfreuliche Entwicklung", so Kleinhenz.

Von den insgesamt vier Spielplätzen in den Ortsteilen Oberwildflecken und Wildflecken möchte die Gemeinde zwei Spielplätze in den kommenden Jahren komplett aufgeben. Erhalten und erneuert werden sollen die Spielplätze in der Grünen Lunge in Wildflecken und in der Schlesierstraße in Oberwildflecken. Die beiden anderen Spielplätzen, einer davon liegt in der Breslauer Straße in Oberwildflecken, sollen zu Bauplätzen umgewandelt werden.

Tiny-Haus-Feriendorf geplant

Im Detail berichtete Kleinhenz über die geplante Sanierung der Eckartsrother Straße in Oberbach. Noch stehen mehrere Varianten im Raum. "Eine kostspielige Maßnahme, die schon seit vielen Jahren ansteht und immer wieder verschoben wurde", so der Bürgermeister. Auch in Eckartsroth bei Oberbach ist ein Tiny-Haus-Feriendorf geplant. "Es tut sich Einiges in unserer touristischen Entwicklung."

Hohe Nachfrage nach Bauplätzen

Weiterhin extrem hoch ist die Nachfrage nach Bauplätzen im Neubaugebiet Oberer Kapellenweg in Wildflecken. "Die Bauplätze gehen weg wie warme Semmeln." Um zu verhindern, dass Bauplätze als Spekulationsobjekte gekauft werden, hat die Gemeinde einen sogenannten Bauzwang eingeführt. Ein kleines Neubaugebiet soll nach Wunsch des Bürgermeisters auch in Oberbach unterhalb des Rhönexpress Bahnradweges entstehen. Im Ortsteil Oberbach gebe es allerdings das Problem, dass private Bauplätze nur selten verkauft werden, sondern über viele Jahre in Familienbesitz bleiben. Kleinhenz will verhindern, dass dadurch größere Lücken im Ortskern entstehen. "Wir stehen immer wieder in Verhandlung, aber die Bereitschaft, Bauplätze zu verkaufen, ist relativ gering."

Der Bürgermeister informierte darüber, dass die Spedition Geis im Gewerbepark am Kreuzberg in Oberwildflecken ein großes Logistikzentrum errichten möchte. In Sachen neue Kläranlage sagte Kleinhenz, dass die neue Anlage bis 2025 gebaut werden soll. Noch unklar ist, ob die Gemeinde Riedenberg an Wildflecken anschließen wird. Die Entscheidung hierüber soll nach Information des Bürgermeisters innerhalb der kommenden vier Wochen fallen. Die neue Kläranlage wird nach derzeitigen Schätzungen inklusive des notwendigen Kanalbaus und aller Nebenkosten rund sieben Millionen Euro teuer, so Kleinhenz. Diese Kosten müssen auf die Bürger umgelegt werden. Zu diesem Thema soll es allerdings noch zusätzliche Informationsveranstaltungen geben.

Rechenzentrum als "Lebensversicherung"

Zum Thema Bundeswehr in Wildflecken machte Kleinhenz auf die millionenschweren Investitionen in die Infrastruktur der Rhönkaserne aufmerksam. "720 Millionen Euro sind allein für das geplante Rechenzentrum der Bundeswehr vorgesehen", so der Rathauschef. "Noch ist nicht bekannt, wann das Rechenzentrum verwirklicht wird. Aber dieses Rechenzentrum wird die Lebensversicherung für den Bundeswehrstandort werden. Denn ohne dieses Rechenzentrum kann nicht dauerhaft sichergestellt werden, dass der Standort Wildflecken über Jahre hinweg erhalten bleibt." Kleinhenz verwies auf die Bedeutung der Bundeswehr als großer Arbeitgeber in der Marktgemeinde.

Ausdrücklich lobte der Rathauschef die zielführende und konstruktive Zusammenarbeit im Marktgemeinderat.