Eigentlich hatte Matthias Elm viele Daten schon in der Schublade liegen oder in den Regalen stehen. Als aber das Projekt "Häuser- und Familienbuch Motten" im letzten Jahr konkret wurde, standen doch einige Besuche in den Staatsarchiven in Würzburg und Marburg an.
Einiges kam da noch zutage. So gab es in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Motten eine Flößerei, die das sogenannte Bestallungsholz für die Verwaltungsbeamten nach Fulda flößte. Dabei "würde es heute viele überraschen, welche Mengen Holz über die Döllau transportiert wurden", nämlich 120 Holzlaster inklusive Anhänger pro Jahr.
In Motten stand einst auch eine Eremitage. Der Flurname "Stephansgärtchen" verrät, dass hier eine Einsiedelei, die circa 1729 von Stephan Steigerwald gegründet worden war, stand. Sogar ein kleines Kirchlein nannte der Eremit sein eigen. 1771 wurde das Haus abgerissen und die Steine laut Volksmund für den Bau des Jagdhauses an der Hohen Kammer verwendet.
Was es heute allerdings noch gibt, ist der sogenannte Grafenbau. Der Bau wurde von Friedrich Wilhelm Graf von Schlitz, genannt von Görtz begonnen. Eigentlich wollte der Graf dort eine Poststation einrichten. Nur durch die persönliche Fürsprache durch Bayerns König Ludwig I. erhielt der Graf die Posthalterstelle in Motten.
Aber in einem Häuser- und Familienbuch soll nicht die große Geschichte behandelt werden. Im Mittelpunkt sollen die einfachen Leute stehen. "Der Blick soll auf die Familien und einzelnen Gehöfte gelenkt werden", sagt Elm, das findet er wichtig. Hauptsächlich ist sein Buch "eine Ansammlung von Daten und nur die Leute selber können ihre Geschichten weitergeben."
Eine bemerkenswerte Geschichte hat den Speicherzer zum Schmunzeln gebracht. So las er im Brückenauer Anzeiger vom 23. Januar 1892, dass in der Streitenbergsmühle in der Nacht vom 20. auf den 21. Januar ein "neuerbautes Abort von ruchlosen Händen fortgeschafft" worden war. Für die Täter sei "eine Strafe sehr wünschenswert" gewesen, stand damals geschrieben.
Auf dem Lande ist der Hausname fast untrennbar mit den Familien auf einem Anwesen verbunden. Oft lagen die Familiennamen zugrunde, was die Zuordnung vereinfachte. Nur in wenigen Fällen war Detektivarbeit notwendig gewesen. So gab erst die Nennung im Urkataster Aufschluss über die Verwandlung des Hausnamens "Schlosshansjürgen" in "Schlanzjürche".
Im Häuserbuch wird "die Geschichte jedes einzelnen alten Anwesens wiedergegeben", sagt Matthias Elm. Beschreibungen fand der 49-Jährige in dem Güterverzeichnis von 1676 und dem Urkataster von 1850. Alle Anwesen, die bis 1950 gebaut worden waren, hat er behandelt, doch stehen manche von ihnen schon jahrhundertelang. Diese haben natürlich eine teils bewegte Geschichte vorzuweisen. Der Heimatforscher fand im Zuge seiner Recherchen auch für ihn Überraschendes heraus. So sind die um Motten gelegenen Höfe erst deutlich nach 1700 entstanden, der Thomashof erst, als an seinem ursprünglichen Standort im Dorf um 1790 das Amtshaus gebaut wurde.
Ausflüge in die Ortsgeschichte, zum Beispiel zu den Flurdenkmälern, über die Lehrer und Ärzte, interessierten Elm ebenfalls, so wie die Lebensgeschichte von Eduard Ferdinand Schuhmann, der seine Kindheitserinnerungen in drei kleinen Büchern niederschrieb und Mitbegründer des traditionsreichen "Bayerlandverlags" war.
So interessant all diese Daten und Fakten sind, die optisch ansprechende Umsetzung wäre ohne die Arbeit von Elms "Layouter" Karl Hahn nicht möglich gewesen. Schon einige Projekte hat das eingespielte Team auf die Beine gestellt. Aus Leidenschaft hat der Mediengestalter seinen ehemaligen Beruf zum Hobby gemacht und gab nun Elms Daten ein bildliches Gesicht. Welche Schrift passt, wie die alten Bilder bearbeitet werden müssen, sagte ihm die Erfahrung. Trotzdem "reizt es mich, andere Schriften auszuprobieren". Auch hier hat er dazugelernt. So hatte er bislang den Großbuchstaben für "ß" als sinnlos erachtet, doch wenn es im Titel über die Flößerei gebraucht wird, macht es Sinn. Sowohl die Routine, als auch der "Spaß an individuellen Lösungen" trugen zu Hahns "persönlicher Handschrift" in Elms Häuser- und Familienbuch bei. Natürlich schüttelte er diese Formatierungen nicht einfach aus dem Ärmel, doch hat er "für jedes Problem das entsprechende Programm in petto".
Großen Dank zollt Matthias Elm an Helmut Möller, der mit seinem enormen Erinnerungsschatz so manche fehlende Verbindung herstellen konnte. Er und Alfred Stumpf konnten fast alle alten Bilder für das Buch auftreiben.

INFO: Das Buch "Motten - Häuser und Familien, mit einigen Ausflügen in die Ortsgeschichte" hat 387 Seiten und ist mit zahlreichen Farb- und Schwarzweiß-Fotografien, Luftbildern und amtlichen Karten versehen. Zeichnungen von Herbert Schneider hat der Rhönmaler extra für dieses Buch gemalt. Das Buch ist bei der Gemeinde Motten und bei Matthias Elm (Matthias-Elm@gmx.de) für 25 Euro zu erwerben.