Geduld und gute Stoßdämpfer - das ist, was Autofahrer am Hammelburger Berg und in der Wernarzer Straße im Staatsbad brauchen. Und das noch für länger. Denn der Ausbau der wohl schlechtesten Hauptstraßen im Altlandkreis verzögert sich weiter. Gründe: andere Bauprojekte und der Naturschutz.

Der dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling: Der streng geschützte Schmetterling war der Grund, warum die vergangenen Jahre am Hammelburger Berg (Staatsstraße 2790) keine Baufahrzeuge zur Sanierung anrückten. Obwohl es die ehemalige B 27 an dieser Stelle bitter nötig hätte. Schlaglöcher sind provisorisch geflickt; das Profil der Straße weist Hebungen und Senkungen auf.

Um den Ameisenbläuling zu vertreiben, wurde in den vergangenen Jahren der Wiesenknopf, ein Rosengewächs, neben der Fahrbahn gemäht. Mit Erfolg.

Wie das Staatliche Bauamt in Schweinfurt auf Anfrage mitteilt, prüfte ein Biologe im vergangenen Jahr die sogenannte "Vergrämungsmahd".Und zwar bis in die Hauptflugzeit des Ameisenbläulings Ende Juli. "Das Ergebnis der Kartierung liegt uns vor. Es wurden im Eingriffsbereich keine Falter festgestellt."

Anderes geschütztes Tier gefunden

Allerdings stellten die Fachleute bei ihren faunistischen Untersuchungen fest, "dass im Eingriffsbereich Haselmäuse angesiedelt sind", so die Behörde für Straßenbau. Dadurch müsse die landschaftspflegerische Begleitplanung vertieft werden.

"Haselmäuse stehen unter besonderem Schutz. Dies bedingt besondere naturschutzrechtliche Anforderungen, insbesondere bei den Umsiedlungsmaßnahmen." Dadurch seien weitere naturschutzrechtliche Arbeiten erforderlich, wie die Schaffung von Lebensräumen und die Umsiedlung der Haselmäuse.

Allein die Schaffung von Lebensräumen dauert demnach eine Vegetationsperiode (circa ein Jahr). "Die Umsiedlung der Haselmaus nimmt etwa ein weiteres Jahr in Anspruch. Damit verzögern sich auch die Planungen."

Um das leisten zu können, nennt das Straßenbauamt einige Vorarbeiten: Es muss den landschaftspflegerischen Begleitplan anpassen. Die Behörde muss geeignete Ausgleichsflächen suchen und erwerben. Naturschutzrechtliche und wasserrechtliche Genehmigungen müssen her, ehe Ausschreibungsunterlagen erstellt werden können. "Bei einer realistischen Betrachtung der Zeitabläufe ist nach dem derzeitigen Sachstand mit einem Baubeginn frühestens 2023 zu rechnen", schlussfolgert das Staatliche Bauamt deswegen.

Bei einer Verkehrsschau wurde sogar das Jahr 2024 für den Baubeginn genannt, berichtete Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) im jüngsten Stadtrat. Für ihn viel zu spät. Die Stadtverwaltung erhalte vom Straßenbauamt aktuelle Entwürfe.

Kein Termin für die Wernarzer Straße

Besteht wenigstens Anlass zur Hoffnung, dass es mit dem Ausbau der Wernarzer Straße im Staatsbad schneller geht? Der Abschnitt vom Ortseingang aus Richtung Wernarz bis zur Ampelkreuzung ist den Ansprüchen des Staatsbads unwürdig. Weswegen Kurdirektorin Andrea Schallenkammer sich seit Jahren eine Sanierung wünscht. "Die Staatliche Kurverwaltung ist hier nur in der Anliegerrolle", könne also den Ausbau nicht beeinflussen. Gleiches gilt für die Stadt.

"Zur Erneuerung der Wernarzer Straße gibt es eine Voruntersuchung beziehungsweise Planungskonzepte vom Staatlichen Bauamt", schreibt die Schweinfurter Behörde. Derzeit stünden weitere Abstimmungsgespräche aus.

Wegen anderer wichtiger und kostenintensiver Projekte im Landkreis - wie der Erneuerung der Staatsstraße 2289 zwischen Zeitlofs und Wernarz oder der Staatsstraße 2290 zwischen Aura und Euerdorf - habe das Projekt in den vergangenen Jahren nicht parallel durchgeführt werden können.

Immerhin: Das Staatliche Bauamt arbeitet nach eigenen Angaben "unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel" darauf hin, die marode Wernarzer Straße "in den nächsten Jahren in der Gesamtschau mit den anderen notwendigen Maßnahmen im Landkreis Bad Kissingen umzusetzen". Ein genauer Starttermin für die Erneuerung wird nicht genannt.