Dass Elvis Presley Ende der 1950er Jahre einige Tage auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken während seiner Zeit als Soldat der US-Armee verbrachte, darauf wird in Wildflecken bis heute sehr gerne hingewiesen. Am Rhönexpress Bahn-Radweg gibt es jetzt eine neue Attraktion, die auf den King of Rock hinweist.

Mehr als 4,5 Millionen US-Soldaten kamen im Verlauf von Jahrzehnten nach Wildflecken, Elvis blieb ein unvergessener Gast. Auch am neuen Rhönexpress Bahn-Radweg ziert das Konterfei von "King Elvis" ein ehemaliges Transformatorenhäuschen. Doch für Wolfgang Illek, 2. Bürgermeister in Wildflecken, war das nicht genug. Er wollte den US-amerikanischen Kultsänger nicht nur optisch, sondern auch akustisch wieder in Erinnerung rufen.

Und so suchte er technische Unterstützer, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Seit dem Wochenende können die Gäste auf dem Rhönexpress Bahn-Radweg eine Taste am Elvis-Transformatorenhäuschen am Wildfleckener Ortseingang drücken und werden dann mit fünf verschiedenen Stücken aus dem Repertoire von Elvis Presley beglückt. Betrieben wird die Anlage mit Solarzellen, die das ganze Jahr über ausreichend Energie liefern sollen. Selbst im Herbst und im Winter.

"Viele Einheimische haben diesen Wunsch geäußert, dass man Elvis auch am Rhönexpress Bahn-Radweg hören kann", berichtet Wolfgang Illek. Elvis Presley selbst war im Oktober 1959 für einige Tage in Wildflecken. Seine Einheit war dorthin zu einem Manöver gereist. Der "King" war Fahrer eines Aufklärungsjeeps der Panzerdivision.

Ebenfalls Geschichte geschrieben hat der "rote Schienenbus" auf der ehemaligen Bahnstrecke Jossa-Wildflecken. Künstler Christian Ulherr hat diesen auf der Fassade am Haus des Gastes in Oberbach direkt neben dem Radweg verewigt. "Möglich wurde das allerdings nur mit Fördermitteln vom Amt für ländliche Entwicklung, alleine hätten wir das als Gemeinde nicht stemmen können", macht Bürgermeister Gerd Kleinhenz klar.

Der "rote Schienenbus" symbolisiert den Personenverkehr auf der Schiene im Sinntal. Längst ein Kapitel der Vergangenheit. Nachdem die Deutsche Bundesbahn mit dem Sommerfahrplan 1982 den Wochenendverkehr auf der Strecke Jossa-Wildflecken eingestellt hatte, machte sie sie mit dem Personenverkehr zum 27. Mai 1988 endgültig Schluss.

Der Güterverkehr auf der Schiene war über viele Jahre hinweg wesentlich bedeutender als der Personenverkehr. Neben der Holzverladung waren die Bundeswehr mit der Bekleidungskammer Süd und der Oberwildfleckener Hülsenhersteller Paul & Co regelmäßige Nutzer. Auch spielten lange Zeit Militärtransporte eine große Rolle. Mit dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte im Jahr 1994 ging der Güterverkehr deutlich zurück. Am 4. Februar 2002 fuhr der letzte Güterzug auf der Strecke. Am 26. Juni 2002 wurde der Streckenabschnitt von Bad Brückenau nach Wildflecken wegen eines Dammrutsches bei Römershag gesperrt.

Fast schon in Vergessenheit geraten ist, dass in der Rhön am großen Auersberg zwischen Wildflecken und Oberbach über 100 Jahre lang Schwerspat (= Baryt oder Bariumsulfat) abgebaut wurde. Auch darauf finden sich entlang des Rhönexpress Bahn-Radweges neue Hinweise. Neben dem entsprechend bemaltem ehemaligen Transformatorenhäuschen werden jetzt einige Baryt-Steine ausgestellt.

Der Rhöner Baryt galt einstmals als besonders rein und wies nur geringe Verunreinigungen auf. Der Abbau des Minerals war deshalb über lange Zeit wirtschaftlich rentabel und somit auch ein wichtiger Wirtschaftszweig im Oberen Sinngrund. Heutzutage ist davon allerdings kaum noch etwas zu sehen. Die Eingänge der Stollen wurden aus Sicherheitsgründen gesprengt.

Damit dieser Teil der Rhöner Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, wurde ein Stollen vor einigen Jahren originaltreu hergerichtet: Der sogenannte Schaustollen "Grube Marie". Neben der Braunkohle war Schwerspat der einzige Bodenschatz, der in der Rhön jemals auch unter Tage abgebaut wurde.

Fast 100 Jahre dauerte der Abbau, bis am 31. Oktober 1970 alle Arbeiten eingestellt wurden. Schwerspat ist ein Mineral, das vor allem in der Farbenindustrie Verwendung fand. Auch für den Strahlenschutz war Schwerspat sehr wichtig, beispielsweise in Röntgenräumen. Bis 1970 wurden Fertigteile für den Strahlenschutz bei Oberbach hergestellt. Am Auersberg ist der Schwerspat durchweg weiß gefärbt und grobblättrig bis feinkristallin.

Der Rhönexpress Bahn-Radweg ist seit 2019 fertiggestellt. Die rund 26 km lange Strecke verläuft von der hessischen Grenze bei Zeitlofs bis zum Markt Wildflecken auf der ehemaligen Trasse der Eisenbahnstrecke. Entlang des Rad- und Fußweges werden nach und immer mehr Attraktionen geschaffen, die auf geschichtliche Zusammenhänge Bezug nehmen.