Wildflecken
Versammlung

Eklat beim SV Wildflecken

Paukenschlag im Sportheim: Drei gleichberechtigte Vorsitzende des SV Wildflecken schmeißen entnervt, enttäuscht und hochgradig frustriert die Flinte ins Korn. Tiefe Gräben innerhalb der Vereinsführung und bei den Mitgliedern sind offenkundig.
Jahrzehntelang war der SV Wildflecken eine weithin beachtete Rhöner Talentschmiede in Sachen Fußball (Archivbild Peter-Manger-Gedächtnisturnier 2018). Jetzt ist der Traditionsverein in eine schwere Krise gestürzt.
Jahrzehntelang war der SV Wildflecken eine weithin beachtete Rhöner Talentschmiede in Sachen Fußball (Archivbild Peter-Manger-Gedächtnisturnier 2018). Jetzt ist der Traditionsverein in eine schwere Krise gestürzt. Foto: Archiv/Sebastian Schmitt
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Der SV Wildflecken rutscht tief in eine schwere Krise. Drei gleichberechtigte Vorsitzende führten den SV Wildflecken in den zurückliegenden Jahren: Sebastian Hauke, Reinhard Bramowski und Andreas Schmid. Keiner der drei Vorsitzenden steht mehr für sein Amt zur Verfügung. Alle drei schmeißen sichtlich entnervt, enttäuscht und hochgradig frustriert die Flinte ins Korn.

Nachfolger fanden sich bei der Jahreshauptversammlung nicht. Die Vereinsführung sah sich außerdem starker Kritik wegen mangelnder Transparenz und Mitgliederbeteiligung in Sachen Investitionen ausgesetzt. Die rechtlich notwendige Entlastung des Vorstandes für das Jahr 2019 scheiterte. Es droht eine schwierige Zerreißprobe im Verein, der in dieser Verfassung komplett auf der Kippe steht.

Im Jahr 2020 musste die Versammlung des SV Wildflecken aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden. Aus diesem Grund wurden auch die Neuwahlen der Vereinsführung auf das Jahr 2021 verschoben. Und der Verein hat schwere Monate noch vor sich.

Negative Stimmung

"Es herrscht eine Stimmung im Verein, die sehr negativ geprägt ist", sagte Sebastian Hauke. "Auch der Teamspirit hat sehr gelitten. Es ist kaum noch möglich, genügend Helfer für Veranstaltungen zu finden." Reinhard Bramowski ging auf die sportliche Lage des Vereins ein. "Das Jahr 2020 hat uns extrem zurückgeworfen aufgrund der Pandemie." Bramowski appellierte an die Vereinsmitglieder, bei sportlichen Veranstaltungen mehr Präsenz zu zeigen. "Wir würden uns insgesamt mehr Zuschauer wünschen."

Dass der Verein zum Beispiel keine eigene Fußballmannschaft mehr an den Start bringt, damit müsse man sich mittlerweile abfinden. "Die Spielgemeinschaft mit Riedenberg und Oberbach klappt gut. Personell ist es auch gar nicht mehr anders möglich."

Kurz andiskutiert wurde eine Sanierung des Wildfleckener Hartplatzes, doch die Mitglieder waren sich recht schnell einig: Für wen eigentlich sollte der Hartplatz saniert werden, wenn doch ohnehin keine erste Fußball-Mannschaft mehr da ist?

Vorstand nicht entlastet

Den Kassenbericht für die Jahre 2019 und 2020 trug Horst Tong vor. Die Kassenprüfer Norbert Helfrich und Jürgen Peterek bescheinigten dem Kassier eine einwandfreie und vorbildliche Buchführung. Einstimmig wurde dem Kassier daher die Entlastung erteilt.

Bei der rechtlich notwendigen Entlastung des gesamten Vorstandes zeigte sich die tiefe innere Zerrissenheit des Vereins. 13 Mitglieder stimmten dafür, 13 dagegen und drei enthielten sich ihrer Stimme. Es kam daher nicht zur satzungsgemäß notwendigen Entlastung des Vorstandes. Ein offener Bruch von Teilen der Basis mit der Führungsmannschaft.

40 Prozent Kostensteigerung

Vorausgegangen war ein umfangreicher Bericht des Kassenprüfers Norbert Helfrich, der detailliert auf erhebliche Kostensteigerungen bei der Sanierung der Küche im Wildfleckener Sportheim einging. Rund 40 Prozent habe die Kostenmehrung im Vergleich zum ursprünglichen Mitgliederbeschluss betragen. Helfrich beschrieb außerdem mangelnde Transparenz bei verschiedenen Investitionen, Ausgaben, Rechnungen, Vermietungen und Veranstaltungen.

Helfrich machte öffentlich auch kein Geheimnis daraus, dass es offenbar ein zwischenmenschliches und kommunikatives Problem zwischen Kassier und Vereinsführung gebe. Teilweise habe der Kassier aus eigener Tasche Rechnungen bezahlt mangels Zugriff auf das Vereinskonto.

Altbürgermeister Walter Gutmann forderte, dass der Kassier stärker in die finanziellen Bewegungen des Vereins eingebunden wird. Es könne nämlich nicht sein, dass der Kassenwart nicht über alle Vorgänge Bescheid wisse. Vorsitzender Sebastian Hauke bezog aus seiner Sicht sofort Stellung: "Es wurden keine Gelder unterschlagen. Niemand hat sich an irgendetwas bereichert. Innerhalb der Vorstandschaft wurde allerdings, von außen befeuert, ein Keil reingetrieben. Es hat sich ein tiefer Graben zwischen Kassier und Vorstandschaft entwickelt. Wir finden leider keinen gemeinsamen Nenner mehr."

Keine Nachfolger gefunden

Klaus Wiegand, seit Jahren das Aushängeschild des Vereins in Sachen Laufsport, versuchte zu vermitteln und bat alle Beteiligten darum, sich noch einmal zusammenzusetzen, um Fragen zu klären und Probleme konkret zu benennen. Bei der nächsten Mitgliederversammlung könne ein neuer Anlauf zur Entlastung der Vereinsführung genommen werden.

Bei der anschließenden Neuwahl sämtlicher Ämter im Verein wurden zwar einige Posten neu besetzt, aber für die Nachfolge der drei Vorsitzenden Sebastian Hauke, Reinhard Bramowski und Andreas Schmid fand sich kein einziger Kandidat. "Das Thema ist schwer genug. Mir geht es besser ohne dieses Amt. Ich wünsche mir für die neue Vorstandschaft, dass diese als Team ins Rennen geht", sagte Sebastian Hauke. "Die Liegenschaft Sportheim ist alt, sie ist marode. Hier muss ein Treffpunkt entwickelt werden. Es muss auch noch weiter investiert werden. Die Toiletten sind defekt. Aber die Liegenschaft ist nur eine Baustelle. Der Verein muss ganz dringend belebt werden, sonst stirbt er schon bald komplett." Hauke schlug eine Verpachtung des Sportheims vor.

Appell des Bürgermeisters

Bürgermeister Gerd Kleinhenz zeigte sich persönlich tief betroffen von der schwierigen Situation beim SV Wildflecken: "Es herrscht eine extrem angespannte Stimmung. Bitte redet miteinander, sodass am Ende dieser Phase jeder sagen kann: Jawohl, es hat sich gelohnt, noch einmal miteinander zu sprechen. Der Verein mit seinen vielfältigen Bereichen muss weitermachen. Es muss transparent gewirtschaftet werden." Kleinhenz appellierte an die Vernunft aller Mitglieder: "Rauft euch zusammen, dass der Verein weitergeführt wird. Die Vereine in meiner Gemeinde sind mir sehr wichtig. Sie liegen mir am Herzen. Wir sind alle in einer schwierigen Lage."

Bis zum nächsten Anlauf einer Neuwahl bleiben die drei Vorsitzenden zumindest vorläufig geschäftsführend im Amt. Das könnte bis Januar 2022 der Fall sein.

Neuwahlen

Die Neuwahlen beim SV Wildflecken leiteten Achim Mathes und Peter Nietsch. Es kam zu folgenden Wahlergebnissen bei den Abteilungsleitungen: Damengymnastik: Annette Raab, Sabine Frank, Christine Gehrlein; Dart: Steffen Wiegand; Fußballjunioren: Harald Möller; Fußball-Senioren: Horst Tong; Alte Herren: John Collins; Ju Jutsu: Gerhard Höhl; Leichtathletik: kein Kandidat; Schach: Volker Zinn, Wolfgang Schmid; Schützen: Peter Nietsch, Paul Gundelach; Tischtennis: Stefan Riesner, Constantin Maita-Filip; Volleyball: voraussichtlich Andrej Kramlich (muss noch Rücksprache gehalten werden).

Erneut zu Kassenprüfern gewählt wurden Norbert Helfrich und Jürgen Peterek. Der Vergnügungsausschuss bleibt unbesetzt. Ein Ehrenamtsbeauftragter konnte nicht gewählt werden. Beisitzer im Vorstand bleibt Werner Krech. Für das Amt des Schriftführers fand sich kein Kandidat. Für die Kasse bleiben Horst Tong und Silvia Karalus im Amt. Für die Position der drei Vorsitzenden fand sich kein Kandidat. Voraussichtlich im Januar 2022 findet der nächste Anlauf für die Neuwahlen statt.