Der Mann hat schon einige Dinge gemacht, die auf den ersten Blick verrückt erscheinen. Feuerlaufen oder winterliches Eisbaden gehören dazu. Momentan ist Frank Jester auf seiner "Barfußtour 2015" unterwegs. Innerhalb eines Monats will der Hamburger Arzt unter dem Motto "Mehr Bewegung für mehr Geh-sundheit" ohne Fußbekleidung quer durch Deutschland laufen. Und das ist bei der momentanen Wetterlage wahrlich kein Zuckerschlecken.

Start der außergewöhnlichen Tour war am 1. September in der Hansestadt, in knapp zwei Wochen, so die Planung, soll das Ziel am Dornier-Museum in Friedrichshafen am Bodensee erreicht sein. Bis dahin sind es nach Jesters Berechnung rund 1,5 Millionen Schritte. Nach gut der Hälfte der Route machte er in der Nacht auf Freitag im Badhotel Station, wo ihm gestern 2. Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG) neben den besten Wünschen zum guten Gelingen ein kühlendes Gel aus der Bad Brückenauer Pflegeserie für die Weiterreise mit auf den Weg gab. Was treibt den mehrfachen Familienvater an, der sich nach eigener Aussage schon seit frühester Kindheit für die komplexen Vorgänge im Menschen interessierte? Die Antwort klingt einfach: "Ich möchte die Leute deutschlandweit animieren, sich eine Dreiviertelstunde mehr pro Tag zu bewegen, um so mancher Krankheit ein Schnippchen zu schlagen." So ist Jesters mutiger Marsch auch als Anreiz gedacht, "beispielsweise regelmäßig den Fernsehsessel gegen einen ausgedehnten Spaziergang einzutauschen".


Fuß stiefmütterlich behandelt

Außerdem möchte der 47-Jährige gezielt auf eines der am wenigsten beachteten Körperteile hinweisen, den Fuß. "Als Ankerpunkt trägt er unser Leben und wird doch stiefmütterlich behandelt", so seine langjährige Erfahrung. "Reduktion auf das Wesentliche, frei von Ballast" - dieses Motto hat sich Jester auch während seiner Barfußtour auf die Fahne geschrieben. So reist er praktisch ohne großes Gepäck, wie beispielsweise den obligatorischen Rucksack. Notwendige Utensilien wie Waschzeug, Minischirm oder T-Shirt zum Wechseln trägt er, verstaut in kleinen Wäschebeuteln, am Körper. Diese Methode hat er sich zusammen mit seiner Frau Marina, "die mein Vorhaben in vollem Umfang unterstützt", ausgedacht.


Jeden Geh-Moment genießen

Natürlich vermisst er auf der Reise per pedes seine Familie, aber über das Smartphone wird regelmäßig Kontakt gehalten. "Ich genieße beim Gehen jeden Moment", sagt Jester, den auch ungemütliches Wetter nicht schrecken kann. "Man muss positiv an die Dinge herangehen, dann hat selbst ein heftiger Regenguss seine guten Seiten."
Der Ganzheitsmediziner aus Norddeutschland macht seine Aktionen fern jeglicher Effekthascherei. Als doppelt approbierter Arzt und Zahnarzt "befasse ich mich eben nur auf außergewöhnliche Weise mit dem Thema Gesundheit". Ob es um eine verbesserte Durchblutung oder eine Reduzierung von versteckten Entzündungen geht, Jester beleuchtet die Ursachen und plädiert für eine nachhaltige Vorbeugung. Mit seinem aktuellen Projekt will er zeigen, "dass wir Menschen doch nicht die Weicheier sind, zu denen uns Autos, Häuser, Fernseher und mancher Nachbar degradieren".


Tour ergebnisoffen

Allein schon aus den intensiven Vorbereitungen zu seiner Tour hätten sich interessante Erkenntnisse zum Thema Gesundheit und Barfußlaufen ergeben, die von ihm in einem Buch, das nach dem Marsch erscheint, verarbeitet werden. Das Ergebnis des jüngsten Experiments ist für Jester noch völlig offen und soll nach eigenem Bekunden nur ganz simpel seine persönliche Fragestellung "Ist Barfußlaufen gesund?" beantworten. "Am Ende der Tour werden wir es wissen", sagt er, bevor es vom Badhotel aus auf die nächste Etappe weiter in Richtung Süden geht.