Es war eine Nacht Anfang August, in der inzwischen dingfest gemachte Jugendlichewieder einmal in Eckarts auf Tour gingen. "Wir hörten laute Schläge auf Metall, die durch das ganze Tal hallten", erinnern sich die Müllers. Da in ihrem Ort schon mehrfach erhebliche Sachbeschädigungen vorgekommen waren, ahnten sie nichts Gutes. "Wir haben praktisch darauf gewartet, dass wieder etwas passiert", so Angelina Müller, "da schreckt man beim kleinsten Geräusch hoch". Ihr Mann handelte sofort. "Rein in die Hose, rauf auf den Roller und immer dem Lärm nach", lässt der 49-Jährige seinen "Einsatz" noch einmal Revue passieren. Inzwischen waren weitere Einwohner durch den Krach aufgewacht, so auch Peter Limpert. "Der hat mich dann mit seinem Bus auf dem Weg zum Tatort sogar überholt", weiß Hans-Jürgen Müller noch ganz genau. Gedanken darüber gemacht, was einen "da drüben erwartet", habe er sich im Vorfeld nicht. Den Müllers, Limpert und drei anderen Bürgern gelang es schließlich, drei Jugendliche Randalierer bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.


Offizielle Würdigung

Nachdem die Vandalismuszüge von fünf Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren - die Gruppe war in wechselnder Zusammensetzung unterwegs - jetzt aufgeklärt werden konnte, erfuhr das Ehepaar Müller eine Würdigung von offizieller Seite. Der Leiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau, EPHK Herbert Markert, überreichte ihnen eine Dankesurkunde. Obendrauf kam ein Gutschein vom Zeitlofser Gemeindeoberhaupt Wilhelm Friedrich für ein gutes Essen. Markert lobte die Zivilcourage der Bürger, mahnte aber gleichzeitig zur Vorsicht. Es sei immer besser, sofort die Polizei zu verständigen, bevor man sich selbst unnötig in Gefahr begibt. Hans-Jürgen Müller, nach Worten seiner Frau "auch sonst ein Mann der Tat", sah das eher locker: "Eine Gefahr hatte ich praktisch ausgeblendet. Und in unserem Bereich ist jetzt wenigstens wieder Ruhe".

Die ermittelten fünf Jugendlichen - Anzeigen gegen sie konnten bereits an die Staatsanwaltschaft Schweinfurt weitergeleitet werden - machten auf ihren Zerstörungszügen praktisch vor nichts Halt. Da wurden Straßenpfosten herausgezogen, Schilder umgedrückt, Blumenanlagen und Lampen demoliert, Scheiben eingeschlagen, Platten einer Fassade eingetreten, Briefkästen und Zaunelemente verbogen und allerlei anderer Unfug getrieben. Das "Tätigkeitsfeld" der Randalierer erstreckte sich von Bad Brückenau über das Staatsbad und den Stadtteil Wernarz bis hin nach Eckarts. Die Ermittler erkannten schon früh Zusammenhänge bei den einzelnen Taten, die zwischen Dezember 2014 und August 2015 begangen wurden, und hatten auch schon polizeibekannte Personen vernommen. Diese räumten aber immer nur einzelne Beschädigungen ein.


Verräterischer Fußabdruck

"Durch den Vergleich einer Fußabdruckspur konnte unser Verdacht gegen einen 18-jährigen schließlich erhärtet werden", spricht Polizeihauptmeisterin Monika Konopka die detaillierten Recherchen an. Der junge Mann gilt auch als vermutlicher Rädelsführer der fünfköpfigen Gruppe. "Der hat sich besonders hervorgetan", weiß Markert aus Vernehmungsprotokollen. Ob bei allen Fällen Alkohol im Spiel war, könne man nicht sagen, "aber bei einer Kontrolle am besagten ersten Augustwochenende hatte einer der Beschuldigten annähernd zwei Promille, ein weiterer mehr als ein Promille Alkohol im Blut".