Der Bau eines Rewe-Marktes in der Kissinger Straße wirft seine Schatten voraus. Insgesamt 13 Stellungnahmen behandelte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Was eigentlich reine Formalie ist, sorgt bisweilen für Belustigung unter den Zuhörern. Da geht es um zwei Bäume, die gefällt und für die acht neue gepflanzt werden müssen. Die Mehlschwalbe, die an der ehemaligen Produktionshalle Ferkinghoff ihre Nester gebaut hat, wird heimatlos. Und was ist eigentlich mit der Lärmbelästigung durch die Bäckerei-Fahrzeuge, die nachts schon ihre Waren liefern?

Geduldig hören sich die Räte die Ausführungen an, geduldig nicken sie Punkt für Punkt ab. Eine Einwendung jedoch hat es in sich. Auf 13 Seiten führt die Lebensmittelmarkt-Kette Tegut aus, warum sie den neuen Rewe-Markt nicht haben will. Das Fazit: "Das Vorhaben ist mit städtebaulichen Zielen nicht vereinbar, führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Nahversorgung im Stadtgebiet und im ländlichen Raum und gefährdet Arbeitsplätze durch Betriebsschließungen infolge der Ansiedlung eines weiteren, nicht erforderlichen Lebensmittelmarktes in Bad Brückenau."

Irgendwie logisch, dass Tegut alle Hebel in Bewegung setzt, um den Konkurrenten auszuschalten, bevor der sich überhaupt erst in der Stadt eingerichtet hat. Allein, die Argumente sind nicht ganz von der Hand zu weisen. "Der Bau eines Rewe-Marktes wird Auswirkungen auf den innerstädtischen Einzelhandel haben", meldet sich dann auch Adelheid Zimmermann (FDP) zu Wort. Bisher habe man bei der Stadtplanung Wert darauf gelegt, dass die Anbindung in die Innenstadt gegeben sei. Aus diesem Grund sei ja auch das Fachmarktzentrum an der Sinnau gebaut worden und eben nicht auf der grünen Wiese.


Baustart im Frühjahr geplant

Nun ist das Ferkinghoff-Gelände ja auch keine grüne Wiese. "Wir müssen abwägen: Schützen wir eine Supermarkt-Kette, oder beseitigen wir eine Industriebrache?", erinnerte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) daran, warum die Räte das Projekt längst genehmigt haben. Die Chancen, wieder einen Produktionsbetrieb in die Stadt zu holen, gehen gegen null. "Für die Kunden hat der Wettbewerb Vorteile", bemerkte Emanuel Fritschka (PWG).

Auf Nachfrage der Saale-Zeitung führt Stella Kircher, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Tegut, an, dass man aufgrund des demografischen Wandels ohnehin von einem Rückgang der Kunden ausgehe. Eine Neuansiedlung würde den "massiven Verdrängungswettbewerb" weiter verschärfen. "Insbesondere sehen wir unseren Nahversorger im Fachmarktzentrum (Sinnau 7) durch die Ansiedlung gefährdet", argumentiert Kircher.

Rewe nun hat es mit dem neuen Markt eilig. "Wir versuchen, dieses Jahr noch den Abriss zu realisieren und planen den Hochbau im Frühjahr 2016", sagt Jürgen Gaschler, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe "Gaschler Projektplanungs GmbH". Rewe mietet den Markt nämlich lediglich von der Gesellschaft. In der anstehenden Sanierung der Kissinger Straße sieht Gaschler keine Beeinträchtigungen. "Der Markt ist mit 1600 Quadratmetern Verkaufsfläche geplant und wird an die 100 Stellplätze haben. Der Umfang des Sortiments wird bei 15.000 bis 20.000 Artikeln liegen", teilt Ursula Egger von der Unternehmenskommunikation der Rewe Group mit.


Spekulationen über Verkauf

Spekulationen gibt es bei den Bürgern darüber, ob der Verkauf überhaupt schon spruchreif ist, schließlich hat das Amtsgericht Schweinfurt für den 16. Dezember die Zwangsversteigerung des Objektes angesetzt. "Das stimmt", sagt Friederike Ferkinghoff, die Teil der Erbengemeinschaft des Anwesens ist. Ein notarieller Kaufvertrag liege aber vor, ergänzt ihr Mann Bernhard Fick. Die beiden gehen davon aus, dass der Vertrag bis Dezember rechtskräftig ist.

Der Stadtrat jedenfalls ging auf die Einwendungen nicht weiter ein. Mit 17:1 Stimmen befürworteten die Räte die Änderungen im Bebauungsplan und im Flächennutzungsplan.