Der alljährliche synodale Neujahrsempfang in den Christlichen Gästehäusern Hohe Rhön, zu dem Fritz Schroth sowie die Dekane Matthias Büttner und Till Roth geladen hatten, war in diesem Jahr vom Thema "Älter werden" geprägt. Aber nicht unter einem resignativen Blick, der sich ins Unvermeidliche fügt und aufs "Altenteil" zurück zieht, sondern unter dem Blick der Herausforderung, der Chance und der Verantwortung.

Gleich zwei hochkarätige Redner hatte Fritz Schroth gewinnen können, die aus persönlicher Erfahrung heraus zum Umgang mit dem Alter und Krankheit sprachen. Hans-Martin Weiss ist seit 15 Jahren Regionalbischof des Kirchenkreises Regensburg. Er leidet seit einiger Zeit an der Parkinson Krankheit. Wie er mit der Diagnose umging, und wie er es schaffte trotz der Krankheit sein Amt weiter ausüben, darüber sprach er in bewegenden Worten, die über Verantwortung im Alter zum Nachdenken anregten. Der zweite Redner war Landtagspräsident a.D. Johann Böhm, der über grundsätzliche Verantwortung im Alter für die Gesellschaft referierte.

Keine Zahl 80

"Wir werden so alt wie nie zuvor. In nur 100 Jahren haben wir 20 Jahre mehr an Lebenszeit gewonnen", stieg Fritz Schroth in das Thema ein. Er richtete seine Ansprache an die Verantwortungsträger aus der Gesellschaft, aus Unternehmen, Politik, Kirche, Schulen und Behörden, die der Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt waren. Schroth ist als Mitglied der Landessynode Vorsitzender der evangelischen Seniorenarbeit in Bayern. "In der evangelischen Kirche Deutschlands war allein schon das Thema Älter werden ein Tabuthema, weil der Begriff negativ besetzt ist." Deshalb habe er genau dieses Thema aufgegriffen, um es in die Mitte der Kirche und Gesellschaft zu holen. "Wie es mit der Gesellschaft weiter gehen wird, hängt nach meiner Überzeugung mitentscheidend von den Älteren ab und ihrer Sorge um die nachkommenden Generationen. Wir alle, ganz gleich ob gesund oder krank, wir haben eine Verantwortung für unsere Gesellschaft, für unser Land, für unsere Kirchen in denen wir stehen." Darüber hinaus ging es Fritz Schroth aber auch um die Berufung jenseits des Broterwerbs.

Nicht zu schnell nach Potenzial fragen

Doch Regionalbischof Weiss war da etwas vorsichtiger: "Bitte nicht zu sehr und zu früh nach dem ehrenamtlichen Potenzial der älteren Menschen schauen." Sicherlich sei es schön, wenn auch die Zeit nach der Rente und Pensionierung aktiv und bewusst gestaltet werden könne. Doch müsse der Mensch auch "Zeit haben, um alt zu werden". Wer allzu schnell nach dem Potenzial frage, das der alte Mensch für die Gesellschaft noch erbringen könne, frage auch nach dem Wert, der noch erbracht werden könne. Vor sieben Jahren habe er die Diagnose Parkinson bekommen, lebe seither mit der Nervenkrankheit, die ihm eine ganz neue Sicht auf das Menschsein und Älterwerden vermittelte. Er habe gelernt, mit der Realität und den Wünschen für das Leben umzugehen. Auch mit der Krankheit könne das Lebens lebenswert sein, so berichtete er vom Liegendradfahren, Morgensport und Wandern und einem maßvollen Genuss des fränkisch-bayerischen Lebensart.

Verantwortung

Johann Böhm möchte es in Bezug auf das Alter mit den Franzosen halten. Einen Begriff für die Zahl 80 gibt es in der französischen Sprache nicht, sondern es wird mit "vier mal 20" umschrieben. "Ein 80-Jähriger hat also viermal mehr Erfahrung als ein 20-Jähriger", freut sich Böhm über dieses Zahlspiel der Nachbarn. Über Einsichten einen 80-Jährigen habe er ursprünglich beim Neujahrsempfang sprechen sollen, doch dann habe Fritz Schroth das Thema um die Verantwortungsfrage erweitert. Mit Sprachwitz und seinem ganz eigenen Humor brachte Böhm eine Vielzahl an Beispielen zum Alter. Doch machte er auch sehr deutlich, dass jeder Mensch, auch jenseits von Verantwortung für Beruf und Familie, in Verantwortung stehe. "Die Alten haben Vorbildcharakter." Dieses Wissen könne Ansporn sein, selbst ein gutes Vorbild abzugeben. Böhm sprach sich dafür aus, das Potenzial der älteren Menschen nicht brach liegenzulassen. Denn wer sich nicht nur mit den eigenen Problemen beschäftige, dem gelinge es leichter, den Blick von den eigenen Sorgen auch mal abzulenken.

Kritik an Untätigkeit der Politik

In der Diskussion sprach Martin Wünsch von der Notwendigkeit eines flexiblen Rentensystems, um Menschen, die einen körperlich schweren Beruf nicht mehr ausüben können, den Fall in Hartz IV zu ersparen. Auch Rhön-Grabfelds Landrat Thomas Habermann ist überzeugt, dass das Thema Rente ein zentrales Zukunftsthema sein werde. "Die nächste Generation wird nicht mehr zufrieden sein", sagte er. "Die Politik hat die Aufgabe, diese grundsätzliche und existenzielle Frage anzupacken - sie tut es aber nicht."

Dekan Till Roth schloss den Neujahrsempfang mit einer Andacht und einem Blick in die Bibel, die ein zuverlässiger Leitfaden für den Umgang mit dem Alter sei. "Mein Bestreben bei Seniorenbesuchen ist, diesen positiven Blick der Bibel auf das Altwerden und das Altsein zu vermitteln. Es geht nicht abwärts, sondern heimwärts."