Bad Bocklet: Vogel-Friedhof im Kurpark
Autor: Charlotte Wittnebel-Schmitz
Bad Bocklet, Dienstag, 04. August 2020
Am Wandelgang des Kurhauses sterben täglich Vögel. Eine Gemeinderätin und Vogelschützerin will das schnell ändern. Die Zuständigen kennen das Problem, aber bisher ist nur wenig geschehen.
Morgens und abends geht sie zum gläsernen Wandelgang im Kurpark in Bad Bocklet. Dort sieht Martina Faber nach, ob tote Vögel am Boden liegen. Sie findet viele. Von jedem Vogel macht sie ein Foto. Ihre Funde dokumentiert sie in einer Liste (siehe Infobox). "Für die Vögel ist es eine Katastrophe", sagt sie.
Auf Steine, die unter dem Wandelgang liegen, schrieb sie die Vogelart und wann sie die Tiere gefunden hat. Daraus stellte sie ein Mahnmal zusammen: Jeder Stein steht für einen Vogel, der sterben musste, weil er gegen eine Glasscheibe flog. "Die Grabsteine haben etwas bewirkt. Die Leute sind darauf aufmerksam geworden", sagt sie. Dann jedoch sei sie gebeten worden - von wem, das will sie nicht öffentlich sagen -, es zu unterlassen, Vogel-Grabsteine aufzustellen. "Das mache ich jetzt nicht mehr", sagt sie.
Vogelschlag auch an anderen Orten ein Problem
Aber: Auf das Leid der Vögel aufmerksam machen, das will sie weiterhin. Und sie will Aufmerksamkeit schaffen für das Problem, denn nicht nur in Bad Bocklet sterben auf diese Weise viele Vögel. Martina Faber ist in der Kissinger Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz. Sie sagt: "Es betrifft alle Glasflächen, die nicht ausreichend markiert sind: Bushäuschen, Schallschutzwände, Autohäuser." Von der Pressestelle des Landratsamt Bad Kissingen heißt es dazu: "Vogelschlag ist uns andernorts nicht bekannt, was natürlich nicht heißt, dass es ihn nicht gibt."
Der Freistaat ist Eigentümer und Verpächter der Immobilie. Von Rainer Baldeweg, Leiter des Zentrums Staatsbäder Bayern, heißt es: "Wir bedauern die aktuelle Situation sehr. Selbstverständlich sehen wir hier Handlungsbedarf und arbeiten bereits an einer tiergerechten Lösung." Baldeweg stehe mit dem Pächter der Immobile, der Caritas Einrichtungen gGmbH, die für den Neubau des Wandelganges zuständig sei, dem Kurhaus sowie dem planenden Architekturbüro Richter hierzu in intensivem Kontakt.
Bademantelgang
Im Juni 2019 war der gläserne Wandelgang in Betrieb genommen worden. Der Gang steht auf Stahl-Stelzen und verbindet das Kurhaus mit dem Spa Badehaus. Gäste können seitdem im Bademantel vom Zimmer aus zum Schwimmbad oder zur Therapie laufen. Im Winter muss niemand durch die Kälte gehen, um Wellnessbehandlungen zu machen.
Problem bearbeitet, aber kein Ergebnis
Im Vorfeld habe es keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich ein derartiges Problem entwickeln könne, so Baldeweg. Faber sagt, sie habe 2019 auf die Gefahr aufmerksam gemacht, einen Leserbrief geschrieben, in regelmäßigen Abständen mit Leuten an der Rezeption im Badehaus gesprochen. "Die haben das Problem bearbeitet, ohne Ergebnis." Das sei noch unter dem alten Kurhaus-Geschäftsführer Carsten Dryden gelaufen. Über den neuen Geschäftsführer Bastian Graber, der seit März das Hotel leitet, sagt sie: "Er ist um eine Lösung bemüht."
Es stört sie, dass das Problem bekannt ist, sich aber trotzdem nichts ändert, und dass Bauherr und Architekt die Problematik nicht schon bei der Planung des Ganges im Blick gehabt hätten.