"Park dein Handy" heißt die diesjährige Kampagne des Autoclubs Europa (ACE). Am Wochenende wurde die bundesweite Aktion den 130 ehrenamtlichen Kreisdelegierten des bayerischen Landesverbandes im Hotel Sonnenhügel vorgestellt. Auch die Mobilität im Alter wurde auf der zweitägigen Tagung in Vorbereitung auf die alle vier Jahre stattfindende ACE-Hauptversammlung behandelt.
"Vermutlich jeder dritte 18- bis 25-jährige Autofahrer telefoniert ohne Freisprecheinrichtung, schreibt während der Fahrt eine SMS oder beschäftigt sich mit anderen ablenkenden Infotainment-Angeboten im Auto", meint die ACE-Regionalbeauftragte Petra Dieterich. Das Kraftfahrtbundesamt registrierte in einem Jahr 420 000 Verstöße gegen das Handy-Verbot am Steuer. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Dieterich: "Wer gibt beim Unfall schon zu, dass er vom Handy abgelenkt war." Nach Angaben der Polizei ist innerhalb von fünf Jahren die Zahl der Unfälle mit ungeklärter Ursache um fast 60 Prozent gestiegen.
Vor allem an roten Ampeln kann man Autofahrer oft "in betender Haltung" am Steuer beim SMS-Schreiben beobachten. Der ACE spricht deshalb von der "Generation Head down". Tödliche Folgen kann diese Ablenkung beim Fahren haben. Dieterich: "Wer mit 100 Stundenkilometern unterwegs ist und nur zwei Sekunden aufs Handy blickt, fährt 60 Meter blind." Nur jeder zweite Autofahrer verzichtet bewusst auf das Telefonieren am Steuer, ergab eine repräsentative Befragung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates unter Autofahrern.
Genaue Zahlen über die Handy-Nutzung am Steuer gibt es in Deutschland noch nicht. Deshalb startet der ACE jetzt eine bundesweite Zählung an Kreuzungen, Brücken und Einfahrten zu Einkaufsmärkten. Notiert werden offensichtliche Verstöße von Autofahrern beim Telefonieren oder SMS-Schreiben. Bei bisher offiziell registrierten Verstößen konnten diesbezüglich keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern nachgewiesen werden, weiß Dieterich. "Aber junge Fahrer sind besonders schnell ablenkbar." Sie seien beim Telefonieren und SMS-Schreiben deutlich aktiver als Ältere. Im Herbst will der ACE die Ergebnisse seiner bundesweiten Verkehrsbeobachtung zusammenfassen und veröffentlichen.

Mobilität im Alter

Ein weiteres Thema der Delegiertenversammlung war die Mobilität im Alter. "Gerade den Senioren auf dem Land bleibt doch nichts anderes übrig, als weiterhin Auto zu fahren. Wie sollen sie denn sonst zum Einkaufen oder zum Arzt in die Stadt kommen?", fragt Petra Dieterich. Die Problematik wird immer drängender: Einerseits erhöht sich durch den demografischen Wandel der Anteil älterer Mitbürger, andererseits schließen Landarztpraxen. Der kommunale Personennahverkehr wird privatisiert und zunehmend nach Ergebnissen einer Kosten-Nutzen-Analyse eingeschränkt.
"Wer fordert, dass Senioren auf das Auto verzichten, muss den ÖPNV ausweiten oder durch Anrufsammeltaxi-Dienste Alternativen schaffen." Außerdem müssen Senioren mobil bleiben, um auch im hohen Alter noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Manche Kommunen denken heute über kostenlose Jahresfahrausweise für Senioren nach, die ihren Führerschein abgeben wollen. Dieterich gefällt diese Idee, obwohl sie weiß, dass Senioren heute noch nicht die häufigsten Unfallverursacher sind. "Aber die Zahl der Senioren wächst, sie werden immer älter und der Straßenverkehr immer dichter."
Erwiesen ist auch, dass Senioren bei Verkehrsunfällen, ob selbst verschuldet oder nicht, häufig weitaus größere körperliche Schäden davontragen als jüngere Verkehrsteinehmer. Mangelndes Reaktionsvermögen und körperliche Gebrechlichkeit sind die Ursache. Denn Seh- und Hörvermögen, Gelenkigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit nehmen im Alter nachweislich ab. Der ACE fordert dennoch keinen "Senioren-TÜV", die gesetzlich vorgeschriebene Gesundheitsprüfung, sondern setzt auf Eigenverantwortung und empfiehlt eine regelmäßige, auf die Fahrtauglichkeit ausgerichtete Untersuchung beim Hausarzt. Dieterich: "Diese Untersuchung sollte in den Leistungskatalog aller gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen werden."


Zweitgrößter Aurtomobilclub Deutschlands

Der Automobilclub Europa (ACE), wurde 1965 von den DGB-Gewerkschaften gegründet und feiert am 16. Juli sein 50-jähriges Bestehen. Zu den Kernleistungen des mit fast 600 000 Mitgliedern Deutschlands zweitgrößter Automobilclubs gehört die Pannenhilfe mit mehr als 100 000 Einsätzen im Jahr. Außerdem engagiert sich der ACE für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.