Weiltingen: Streit unter Nachbarn endet in Bluttat - Schreiner verfasste noch Abschiedsbrief
Autor: Agentur dpa, Redaktion
Weiltingen, Mittwoch, 12. Oktober 2022
Sie zankten sich wegen Lärm und den Corona-Regeln, dann nahm der Nachbarschaftsstreit ein tragisches Ende: Ein 55-Jähriger soll einen 33-Jährigen im Kreis Ansbach erschossen haben. Der mutmaßliche Täter habe aber noch weitere Menschen bedroht.
Update vom 12.10.2022, 14.50 Uhr: Zwei Tote in Weiltingen wegen Nachbarschaftsstreit?
Einer Bluttat am vergangenen Montag in Weiltingen im Landkreis Ansbach ist ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit vorausgegangen. Das spätere Opfer, ein 33 Jahre alter Mann sowie der 55 Jahre alte mutmaßliche Täter, hätten sich seit mindestens 2019 wechselseitig mit Vorwürfen überzogen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Die Polizei sei deswegen mehrere Dutzend Mal in Weiltingen gewesen. Der spätere Täter sei dabei häufiger Beschwerdeführer gewesen als das spätere Opfer.
Bei den Beschwerden habe es sich jedoch meist um vergleichsweise geringfügige Belange gehandelt, wie etwa Ruhestörung oder Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz, sagte der Polizeisprecher. In einem Fall sei es im Zuge der Streitigkeiten zu einem Verkehrsunfall gekommen, bei dem auch Nötigung im Straßenverkehr eine Rolle gespielt haben soll. Die Ansbacher Mordkommission arbeitet zur Klärung des Falls mit der Ansbacher Staatsanwaltschaft zusammen.
"In diesem Zusammenhang konnte recherchiert werden, dass im Zeitraum von 2019 bis 2022 gut 30 polizeilich relevante Sachverhalte bezüglich des vorherrschenden Streits beider Männer bekannt wurden", informiert das Polizeipräsidium Mittelfranken über den aktuellen Stand der Ermittlungen. "Im Verlauf des laufenden Ermittlungsverfahrens gaben zudem mehrere Personen an, dass sie in der Vergangenheit von dem 55-Jährigen bedroht wurden, hiervon aber die Polizei nicht in Kenntnis setzten."
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Der 55 Jahre alte Schreinermeister hatte am vergangenen Montag aus seinem Auto heraus mehrmals auf den vor seinem Grundstück stehenden 33-Jährigen geschossen und diesen getötet. Später wurde die Leiche des Schützen in dessen Auto gefunden - nach Polizeiangaben hat sich der Mann selbst getötet.
Außerdem habe die Polizei in dem Auto des 55-Jährigen einen Abschiedsbrief gefunden, den dieser nach der Tat verfasst hatte. Der Inhalt des Briefes würde die bisherigen Einschätzungen der Polizei bestätigen. Zudem lag im Fahrzeug eine Pistole, bei der es sich um die Tatwaffe handeln könnte.
Die Staatsanwaltschaft hatte eine Obduktion der beiden Leichen angeordnet. Dabei kam in Übereinstimmung mit den am Tatort gesicherten Spuren heraus, dass der mutmaßliche Täter insgesamt elf Schüsse aus nächster Nähe abfeuerte, meldet die Polizei. "Alle elf Projektile trafen den Körper des Opfers."
Update vom 11.10.2022, 11.30 Uhr: Polizei bestätigt Tod des mutmaßlichen Täters - Suche nach Motiv geht weiter
Nach den tödlichen Schüssen auf einen 33-Jährigen vor seinem Haus im mittelfränkischen Weitlingen suchen die Ermittler weiterhin nach dem Motiv des Täters. Die Polizei hatte diesen später leblos in seinem Auto gefunden.