Druckartikel: Käthe Wohlfahrt aus Rothenburg insolvent: "Schwierigste Zeit für die Stadt seit Zweitem Weltkrieg"

Käthe Wohlfahrt aus Rothenburg insolvent: "Schwierigste Zeit für die Stadt seit Zweitem Weltkrieg"


Autor: Agentur dpa, Redaktion

Rothenburg ob der Tauber, Mittwoch, 23. Dezember 2020

Das Traditionsunternehmen Käthe Wohlfahrt ist bekannt für Weihnachtsschmuck aller Art - und nun insolvent. Laut Rothenburgs Oberbürgermeister Markus Naser ist die Pandemie "die schwierigste Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg".
Das Traditionsunternehmen Käthe Wohlfahrt ist insolvent. Für Rothenburgs Oberbürgermeister Markus Naser ist das ein Desaster.


Einer der bekanntesten Hersteller und Händler von Weihnachtsschmuck in Deutschland, Käthe Wohlfahrt, hat wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren gestellt. Dem Antrag der Käthe Wohlfahrt KG auf ein solches Verfahren in Eigenverwaltung sei stattgegeben worden, wie aus dem Insolvenzregister des zuständigen Amtsgerichtes Ansbach hervorgeht. 

Wegen der ausgefallenen Weihnachtsmärkte hatte Unternehmenssprecherin Felicitas Höptner bereits Anfang Dezember von Umsatzverlusten in Millionenhöhe gesprochen. Die 300 Beschäftigten des Familienunternehmens seien in Kurzarbeit, mehrere Hundert Saisonarbeitskräfte hätten in diesem Jahr in der Adventszeit nicht eingestellt werden können, hieß es.

Update vom 23.12.2020, 11.00 Uhr: Für Rothenburg ist die Pandemie"schwierigste Zeit nach Zweitem Weltkrieg"

Das fränkische Traditionsunternehmen Käthe Wohlfahrt ist insolvent. Bekannt durch seinen Weihnachtsschmuck, der weltweit bekannt ist, musste das Unternehmen seine Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken. Saisonarbeiter konnten gar nicht erst eingestellt werden. Der Grund: Durch die Absage so gut wie aller Weihnachtsmärkte aufgrund der Coronapandemie fallen die Hauptumsätze, die in der Weihnachtszeit durch Christbaumkugeln, Nussknacker und Dekoration gemacht werden, komplett weg. 

Video:




Nicht nur für die Mitarbeiter und das Unternehmen ist die Insolvenz ein Desaster, sondern auch für die Stadt Rothenburg ob der Tauber. Dort hat der Weihnachtsschmuck-Hersteller seinen Sitz - und lockte vor der Pandemie unzählige Touristen an. Diese fehlen nun. 

Wie Oberbürgermeister Markus Naser im Interview mit dem BR erklärt, ist die Insolvenz ein "Fanal" für den ganzen Zustand der Rothenburger Altstadt. Es sei wie ein Schlag ins Gesicht, erklärt er, "dass ausgerechnet jetzt kurz vor Weihnachten DER Weihnachtshändler Käthe Wohlfahrt in dieses Rettungsschirmverfahren gehen muss."

Inspirationen für Do-it-yourself Weihnachtsdeko

Naser betonte, dass die Pandemie die "schwierigste Zeit seit dem Zweiten Weltkrieg" für die Stadt sei, da alle vom Tourismus abhängig seien. Eine halbe Million Übernachtungen falle dieses Jahr weg. Dies komme einem "Todesstoß für die Rothenburger Einzelhändler" gleich.  Deshalb fordert der Oberbürgermeister auch für den Tourismus Corona-Hilfen, um die schwere Zeiten überstehen zu können. 

Er selbst habe die Hoffnung, dass das Traditionsunternehmen Käthe Wohlfahrt irgendwie durch die Krise kommen wird. Die Stadt wolle weiterhin mit dem Weihnachtsschmuck-Hersteller zusammenarbeiten. 

Erstmeldung vom 22.12.2020, 13.45 Uhr: Traditionsunternehmen Käthe Wohlfahrt ist insolvent

Käthe Wohlfahrt verkauft auf 60 Weihnachtsmärkten in Deutschland normalerweise Krippenfiguren, Baumschmuck und Nussknacker. Die Märkte seien allesamt abgesagt. Der Verkauf übers Internet sei zwar um 80 Prozent gestiegen, könne die Verluste aber nicht ansatzweise ausgleichen.

Ein Schutzschirmverfahren ist eine Besonderheit im deutschen Insolvenzrecht. Das Verfahren kann in Eigenverwaltung durchgeführt werden, es muss rasch ein Sanierungsplan vorgelegt werden. Voraussetzung ist die grundsätzliche Aussicht auf eine Sanierung des Betriebes.