Freddy Mercury, Rock Hudson, Anthony Perkins: drei Prominente, Größen in ihrem Genre. Geld verdient in Millionenhöhe haben sie. Es hat sie nicht retten können. Alle drei sind sie gestorben an Aids, der Immunschwäche; dem "Tod aus der Hölle"; der "Geißel der versexten Gesellschaft". Etiketten, die dem HI-Virus in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren angepappt wurden. Ein Virus, das keine Unterschiede macht beim Status eines Menschen. Jeden konnte es treffen, jeden kann es treffen.

So wie Thomas. Er ist kein Star. Er ist auch keiner aus der Reihe der üblichen Verdächtigen. Thomas ist kein Stricher, kein Drogenabhängiger, kein Schwuler, keiner mit wechselnden Partnerschaften, sondern verheiratet, Familienvater zweier Töchter, 41. Seit vier Jahren weiß er, dass er positiv ist. Und er weiß, dass er daran nicht sterben muss. Er und seine Frau planen sogar ein drittes Kind.
Grundgütiger - denkt der denn nicht an die Gesundheit seiner Frau? Oder des Babys?

Dass unserem Fallbeispiel Thomas zu seiner Familienplanung heute guten Gewissens zugeraten werden kann, ist ein Verdienst der Forschung. Medizinisch gesprochen liegt bei Thomas dank einer antiretroviralen Kombinationstherapie mit Proteasehemmern die Viruslast unter der Nachweisgrenze. Aids ist bei ihm - wie mittlerweile bei vielen anderen - behandelbar. Gut behandelbar sogar. Heilen können ihn die Ärzte nicht.

Berater via Zeitungsanzeige

Die Furcht vor den Auswirkungen der Krankheit nimmt bei der Beratung immer noch breiten Raum ein. Drei hauptamtliche Mitarbeiter hat die Aids beratung Oberfranken der Diakonie Bayreuth zur Verfügung, dazu gesellen sich sieben Ehrenamtliche. Einer von ihnen ist Martin Dörnhöfer. Mit 18 fand er über eine Zeitungsanzeige zur Beratungsstelle. Das war vor 20 Jahren. "Angst vor einer Ansteckung hatte ich nie", sagt er. Antrieb für ihn war, Menschen, die zweifeln, ob sie sich infiziert haben, die Furcht vor einem HIV-Test zu nehmen. Und auch, Betroffene zu einer qualifizierten medizinischen Betreuung zu verhelfen. "Es ist auch heute nicht immer ganz leicht, einen Zahn- oder Frauenarzt zu finden, der keine Vorbehalte hat gegenüber HIV-Infizierten." Fahrlässig wolle freilich keiner handeln.

Aber gibt es das? So etwas wie eine neue Fahrlässigkeit in der Bevölkerung beim Thema Aids? Uwe Manert hebt die Brauen, dann nennt der geschäftsführende Vorstand des Diakonischen Werks Bayreuth eine Zahl: 3400. So viele Menschen infizieren sich jährlich bundesweit mit HIV. Zum Vergleich: 480  000 Menschen erhalten jährlich die Diagnose Krebs - Tendenz stark steigend. " Die 3400 Fälle bei Aids sind seit Jahren etwa gleich bleibend. Irgendwann nimmt die Gesellschaft eine solche Entwicklung als Normalzustand hin. Dabei sind 3400 neue Fälle 3400 zu viel."

Am Anfang war die Hemmung

Diese Zahlen sind dennoch ein großer Erfolg, sagt Manert. Und auch ein Beleg dafür, dass die diversen Präventionskampagnen ihre Wirkung nicht verfehlt haben. "Vor 25 Jahren, als die Diakonie die Beratungsstelle eingerichtet hat, war das ein richtiges Reizthema." Eine Anlaufstelle für Infizierte war alles, bloß keine Selbstverständlichkeit. "Die Kirche als Sozialträger hatte ziemlich viel Hemmungen, sich da ran zu wagen."

Damals, im Februar 1988, fingen die Diskussionen schon beim Türschild an. Die Diakonie hatte in ihrer Hofer Außenstelle eine Schwangerenberatung etabliert. Ins selbe Haus sollte nun die Aidsberatung einziehen. "Es gab Befürchtungen, ein solcher Hinweis könnte werdende Mütter abschrecken", erinnert sich Manert an Debatten. Es habe unglaubliche Unsicherheit geherrscht. "Die Krankheit war kaum erforscht. Infi zierte redeten nur vom Sterben."

Und heute? "Glauben Sie mal ja nicht, dass wir heile Welt hätten", sagt Manert und hebt beschwörend die Hände. "Das Krankheitsbild macht - bei allen Fortschritten der Medizin - immer noch persönlich betroffen. Die Angst, sich als HIV-Positiver zu erkennen zu geben, ist so groß ist wie eh und je."