Die zähen Verhandlungen der vergangenen Monate finden ein glückliches Ende: Der Betrieb geht vorerst weiter.

Das Ende des Kronacher Schlachthofs war eigentlich schon besiegelt. Die Mitglieder der Betreibergesellschaft hatten sich in einer internen Sitzung bereits darauf verständigt, die Schlachtung zu Jahresbeginn einzustellen. Doch damit wollten sich ein paar heimische Metzger nicht abfinden und kämpften bis zuletzt weiter - mit Erfolg: "Der Schlachthof ist sicher gerettet. Wir haben jetzt wieder eine Perspektive und sind auf einem guten Weg", bestätigt Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner, der sich für den Erhalt auch politisch stark gemacht hatte, auf FT-Anfrage.

Über die Details möchte der Christsoziale nicht zu viel verraten. Doch die Erleichterung darüber, dass Baumgärtner dieses Sorgenkind bis auf Weiteres von seiner Agenda streichen kann, ist spürbar. Sinkende Schlachtzahlen, Sanierungsstau und mitunter chaotische Zustände in der Führung - der Kampf um den Schlachthof glich in den vergangenen Monaten einer Berg-und-Talfahrt. Mal gab es einen Silberstreif am Horizont, dann wieder schien das Ende besiegelt. Zuletzt schwebte die in die Jahre gekommene Tötungsanlage wie ein Damoklesschwert über dem Schlachthof. Denn eine behördliche Frist besagte: Ist die Anlage nicht bis zum 30. März erneuert, muss der Betrieb eingestellt werden. Kaum jemand glaubte da noch daran, dass das Ruder noch einmal herumgerissen werden kann.

Doch wer kämpft, dem kommt manchmal auch das Glück zu Hilfe. Und so kam es, dass ausgerechnet einer der Schlachthof-Mitarbeiter das Ruder in die Hand nahm. "Der Mann war eigentlich als Fahrer eingestellt. Doch er hat sich immer wieder mit Ideen eingebracht", freut sich der stellvertretende Obermeister der Kronacher Fleischerinnung Gerald Bayer. "Es hat sich mit der Zeit herausgestellt, dass er tatsächlich das Zeug dazu hat, im Schlachthof was zu bewegen."

Hilfe aus Reihen der Mitarbeiter

Besagter Mitarbeiter habe dafür gesorgt, dass Mängel an der Tötungsanlage kurzfristig behoben wurden - und die Behörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen aus Kulmbach bei einer Teilkontrolle vor wenigen Wochen nichts Gravierendes zu beanstanden hatte. Das verschafft Zeit, bis die bereits bestellte, neue Tötungsanlage (Kosten: rund 60 000 Euro) geliefert wird.

Der Landkreis Kronach hat dem Schlachthof zwar nicht mit direkten Zuschüssen unter die Arme gegriffen. "Doch wir haben viele Gespräche bezüglich interner Umstrukturierungsmaßnahmen getroffen", erklärt Markus Wich vom Büro des Landrats. "Uns war es ein großes Anliegen, dass es mit dem Schlachthof weitergeht. Nicht nur als Standortfaktor für Kronach, sondern für unsere Metzger, unsere Landwirte und die Verbraucher."

Der Schlachthof ist - vorerst - gerettet. Und mehr noch: Künftig soll sogar wieder an drei Tagen, anstatt, wie bisher, nur an zwei, geschlachtet werden. "Wir sind sehr froh, dass wir weiterhin tierwohlgerecht und regional schlachten können", spricht Metzgermeister Bayer das aus, was wohl viele seiner Kollegen in Kronach und über die Landkreisgrenze hinweg denken.

Kommentar von FT-Redakteurin Sandra Hackenberg: Wenn der Kampf sich auszahlt

Ich muss zugeben:Ich habe zuletzt nicht mehr daran geglaubt, dass der Schlachthof noch gerettet werden kann. Umso mehr freut es mich, dass diese Geschichte ein - vorerst - glückliches Ende nimmt. Denn die selbstgerechten Tierfreunde, die vor wenigen Monaten "Gott sei Dank wird das Ding geschlossen" gerufen haben, denken zu kurz.

Nur, weil ein Schlachthof geschlossen wird, heißt es nicht, dass keine Tiere mehr geschlachtet werden. Sie werden dann eben andernorts geschlachtet - auch im Ausland und mitunter unter katastrophalen Bedingungen, produziert für die Großindustrie. Die Leidtragenden jedoch wären unsere heimischen Metzger und Landwirte gewesen - also diejenigen, denen artgerechte Haltung und Tierwohl noch am Herzen liegen.

Über kurz oder lang hätten viele von ihnen aufgeben müssen, weil es sich eben nicht lohnt, 40 Kilometer oder weiter zu fahren, um zwei Rinder pro Woche zu schlachten. Und wenn diese Betriebe aussterben, können die Menschen nicht mehr entscheiden, was für Fleisch sie kaufen wollen. Dann müssen sie nehmen, was sie noch bekommen: Fleisch aus der Massenproduktion. Ich bin froh, dass wir weiter eine Wahl haben.