Die "Schlacht um Nürnberg" war in der gesamten amerikanischen Presse von großem Interesse. Das schreibt Karl Kunze in seinem Standardwerk "Kriegsende in Franken und der Kampf um Nürnberg".

Zum einen galt es, Hitlers "Stadt der Reichsparteitage" noch vor seinem Geburtstag am 20. April zu erobern, und zum anderen, "möglichst große Teile des Westheeres vor Erreichen der ,Alpenfestung' zu vernichten." Geplant war eine "Umfassungsschlacht", in der die Fränkische Schweiz zum wichtigen Aufmarschgebiet wurde.

Schonung nur bei Kapitulation

Am 13. April besetzten Einheiten der 45. US-Division auf der "Jura-Linie" von Bamberg bis Bayreuth auch Hollfeld, das zum Zeichen der Kapitulation eine weiße Fahne am Gangolfsturm aufgezogen hatte. "Am 14. April 1945 kam der eigentliche konzentrische Angriff auf das Landkreisgebiet", berichtete Gendarmerie-Chef Heinrich Meyer.

Bei ihrem Vormarsch machten die US-Truppen auf abgeworfenen Flugblättern klar, Schonung gebe es nur, wenn zum Zeichen der Kapitulation weiße Fahnen gehisst, ein Bevollmächtigter entsandt und alle Panzersperren beseitigt würden.

Diese Auflage war für die Zivilbevölkerung nur unter großen Gefahren zu erfüllen, weil verstreut und unkoordiniert noch kleinere Wehrmachtsabteilungen unterwegs waren und SS-Kommandos scharf kontrollierten. Als die US-Panzer am 14. April von Hollfeld aus in Richtung Waischenfeld weiterzogen, so hielt Meyer fest, wurden sie bei Nankendorf "durch ein deutsches Maschinengewehrnest beschossen. Es gab bei den Amerikanern fünf Tote."

Zweiter Weltkrieg: Mit Fahrrad und weißer Flagge kapituliert

Ohne dass in Waischenfeld Michael Arneth davon Kenntnis hatte, fuhr er auf dem Fahrrad dem Feind entgegen und signalisierte mit einem weißen Tuch die Kapitulation seiner Stadt, die durch die Einlagerung von SS-Institutionen besonders gefährdet schien. Er gilt deshalb bis heute als der "Befreier Waischenfelds".

Aus drei Richtungen rückten nun am 14. April amerikanische Panzertruppen auf Ebermannstadt vor: über Eschlipp, von Unterleinleiter-Gasseldorf her und von Streitberg aus. "Nennenswerter Widerstand", heißt es in Meyers Polizeibericht, "wurde nirgends mehr geleistet."

Das stimmt nicht ganz. Nach den Tieffliegerangriffen auf Ebermannstadt, bei denen tagsüber zwei Soldaten am Marktplatz getötet worden waren, verschanzte sich eine Flakbatterie im Ramstertal und feuerte auf die anrückenden Panzer.

Die Amerikaner schossen heftig zurück, setzten das Scheunenviertel bei der Sägmühle in Brand, zerstörten den Turm der Stadtpfarrkirche und der Wallerwarte. Im Ramstertal fielen zehn Soldaten der Flakbatterie, die restlichen flohen in Richtung Gräfenberg.

Zwischenzeitlich versuchte Konrad Götz, den Amerikanern mit einem über den Besen geworfenen Tuch die Kapitulation zu signalisieren. Gegen Abend gelang ihm nicht weit vom Wasserrad die Übergabe der Stadt. Die Amerikaner stellten den Beschuss ein und besetzten mit Panzern und Fahrzeugen die Stadt. Erst am nächsten Morgen nahmen sie Durchsuchungen vor und setzten ihren Vormarsch in Richtung Gräfenberg fort.

SS hat Treibstoff zum Löschen entwendet

Pretzfeld war fast zeitgleich mit Ebermannstadt von Tieffliegern angegriffen worden. Auch hier hatten sich seit Tagen Wehrmachts- und SS-Verbände gesammelt. Als sie das Feuer erwiderten, drehten die Flugzeuge um und beschossen über eine Stunde lang in immer neuen Anflügen den Ort.

Es gab zwei Tote, erzählte 1995 der damals 15-jährige Konrad Zöbelein, 80 tote Wehrmachtspferde und 17 abgebrannte Gebäude. Gelöscht werden konnte nicht, weil SS-Leute den Treibstoff für die Feuerwehrpumpe für ihre Flucht entwendet hatten.

Nach dem Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht sollte der Vormarsch der Amerikaner aus der Fränkischen Schweiz in Gräfenberg gestoppt werden. Die Stadt war in "großer Aufregung", weil seit dem 14. April "Truppen aller Waffengattungen, Pferdegespanne, Motorfahrzeuge, Panzer, Infanterie- und Artillerieeinheiten" zurückfluteten und der Volkssturm - ausgestattet mit "7 Panzerfäusten und 15 Gewehren" - die Verteidigung am östlichen Eingang übernehmen sollte. Er wurde aber zurückgeholt, als am Sonntagmorgen, 15. April, der erste amerikanische Panzer auftauchte.

Eine Kompanie, berichtet Dekan Markus Ammon, war "von Fürth aus in Eilmärschen" herbeibeordert worden und sollte nun auf ausdrücklichen "Befehl des Kreisleiters von Forchheim ... sinnlosen Widerstand gegen die ungeheure Übermacht der Amerikaner" leisten. Die Folge war, dass "diese das Feuer eröffneten", bei dem 13 Scheunen und ein Wochenendhaus in Flammen aufgingen und 18 deutsche Soldaten fielen.

Rot-Kreuz-Fahne auf Schloss

In dieser Situation ergriff Fritz Horz, Bürgermeister und NS-Ortsgruppenleiter, die Initiative. Er ließ auf dem Schloss die Rote-Kreuz-Fahne aufziehen und bewirkte damit, dass der amerikanische Beschuss unvermittelt aufhörte. Wenig später sah er den ersten amerikanischen Panzer.

"Ich winkte", berichtete er später, "mit einem Taschentuch, worauf sich mir der Panzer näherte. Ich geleitete ihn zum Marktplatz. Mehrere Panzer folgten nach. Um 14:45 Uhr am 15. April 1945 war der Krieg für Gräfenberg zu Ende."

In der Sonderausstellung, die 2015 das Fränkische-Schweiz-Museum Tücherfeld zum Kriegsende 1945 zeigte, erinnerte eine Installation an die Gefallenen und Vermissten aus der Fränkischen Schweiz: Darauf standen über 6000 Namen.

Info:

Kriegsende In einer dreiteiligen Serie blicken wir auf das Ende des Zweiten Weltkrieges in Forchheim und der Fränkischen Schweiz zurück. Dritter Teil: Besetzung der Fränkischen Schweiz - Einnahme von Ebermannstadt und Pretzfeld - Endkampf in der Fränkischen Schweiz in Gräfenberg. Autor Manfred Franze, von Beruf Gymnasiallehrer, 1974 bis 1987 am Gymnasium in Ebermannstadt, 1987 bis 2005 Oberstudiendirektor an der Peter-Vischer-Schule (Gymnasium und Realschule) in Nürnberg, erforscht seit seinem Studium die Regionalgeschichte zwischen 1914 und 1949 und hat dazu mehrere Bücher und Aufsätze veröffentlicht. Er war über zwei Jahrzehnte Stadtrat in Ebermannstadt und zwölf Jahre Kreisrat in Forchheim. Seit 1992 betreut er als Koordinator des ehrenamtlichen Beirats das Heimatmuseum in Ebermannstadt. 2012 wurde ihm der Kulturpreis des Landkreises Forchheim verliehen und 2014 der Ehrenring der Stadt Ebermannstadt.