Kommentar: Die Stadtwerke machen es sich mit ihrem Angebot zu einfach
Autor: Niklas Schmitt
Bamberg, Freitag, 17. Januar 2020
Seit diesem Jahr können Bamberger Bürger, die ihren Führschein zurückgeben, ein Jahr kostenlos mit den Stadtbussen fahren.
Dass jemand lieber aufs Auto verzichtet als auf dessen Annehmlichkeiten zu bestehen, ist vornehm. Vor allem, wenn der Schritt vielleicht Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nimmt oder auch auf die Umwelt.
Lobenswert ist auch das Angebot der Stadt Bamberg, den Führerscheinverzicht mit einem Jahr freiem Busfahren zu belohnen. Es scheint so, als würde unser Verkehrsbetrieb Rücksicht auf die älteren Bürger und auf die Umwelt nehmen.
Allerdings: Nach einem Jahr ist Schluss mit lustigem Busfahren für die bisher etwa 30 Führerscheinrückgeber in Bamberg. Es könnte also zwei Motive geben, das Auto stehen zu lassen: die eigene Fahrtauglichkeit und das eigene Umweltbewusstsein. Das erste ist rein persönlich und muss jeder für sich entscheiden. Die Frage, ob Senioren sich noch einmal einer Prüfung unterziehen sollten, ist eine andere.
Stadtwerke zahlen Bus: mehr Eigennutz als Höflichkeit
Das andere, der Umweltgedanke, geht quasi alle an. Die Möglichkeit, sich aus diesem oder jenem Grund zu diesem Schritt zu entschließen, die müssen die Verkehrsbetriebe schaffen. Und da sind wir beim Kern der Diskussion um die Unterstützung der Stadtwerke bei der Rückgabe des Führerscheins.
Dass Bamberg nur ein Jahr den Bus zahlt, ist kein Angebot der Höflichkeit, sondern riecht schwer nach Eigennutz. Warum? Weil für die Stadtwerke nichts drin steckt, weil sie auf nichts verzichten müssen, weil die paar Leute, die das Angebot bisher wahrgenommen haben, weder einen Bus voll besetzen und auch nicht die Jahresbilanz stören.
Ein Jahr freies Busfahren wiegt sich nicht auf
250 Euro kostet so ein Jahresticket - mindestens ein Viertel von dem, was ein neuer Führerschein heutzutage kostet. Das wiegt sich also schon mal nicht auf. Gut 7500 Euro spendieren die Stadtwerke sozusagen für die 30 Führerscheinrückgeber. Das ist nicht die Welt, das fällt kaum ins Gewicht bei gut 10.200.000 Fahrgästen (2017) und einem Umsatz von insgesamt rund 153.000.000 Euro, wie die Stadtwerke auf ihrer Homepage angeben.
Mit diesen Zahlen im Kopf ist das Angebot also nichts weiter als eine Selbstverständlichkeit. Oberbürgermeister Andreas Starke ließ sich zitieren, er wolle durch das Angebot Bürger locken, ohne Auto in die Innenstadt zu kommen. Das hat eine bestechende Logik. Entzieh dir selbst die Fahrerlaubnis, dann kommst du mit dem Bus in die Stadt - wie auch anders, wenn man nicht das Rad nutzt? Genau, und ohne Führerschein kommt man nicht mal mehr ins Nachbardorf.
Die Stadtwerke übernehmen keine Verantwortung
Das Ganze ist doch Augenwischerei. Denn wer wird in dem Pressebericht - durchaus zurecht - als verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll gezeigt? Eben nicht die Stadtwerke, sondern Frau Wagner, die als erste das Angebot wahrgenommen hat. Aber wie sagte Starke noch gleich über die Aktion? "So schonen wir das Weltkulturerbe und die Umwelt."
Nun, die erste Person Plural ist an dieser Stelle also durch das Einzelengagement der über 30 Führerscheinabgeber unangebracht. Denn wer kann überhaupt an der Aktion teilnehmen und wie werden die Interessierten gelockt, es tatsächlich zu tun? Teilnehmen kann jeder, der will, gelockt werden sie mit einem Jahr freier Busfahrt.
Wie könnten die Stadtwerke tatsächlich helfen?
Das heißt: Wer ein Jahr in Bamberg und nur in Bamberg kostenlos Bus fahren will, um vielleicht die Umwelt zu schonen oder um keinen Stress im Verkehr zu haben, der gebe seinen Führerschein für den Rest seines Lebens ab. Ob das ein Anreiz für den Familienvater ist, der mal den Wochenendeinkauf macht, ein neues Regal im Baumarkt kauft oder für all diejenigen, die im Umland wohnen und aus unterschiedlichen Gründen auf ihr Auto angewiesen sind?
Aber was würde helfen? Es würde helfen, wenn die Stadtwerke in Vorleistung gehen würden, sodass sich jeder, der überlegt, sein Auto mal stehen zu lassen, das auch ganz einfach tun kann. Die Lösung: freier Busverkehr in Bamberg für alle. Nicht nur an Adventssamstagen - was nämlich erstaunlich gut funktioniert hat.
Damit würde die Stadt Verantwortung übernehmen und es allen Bürgern, ob jung, alt, fahrtüchtig oder nicht, leicht machen, das Auto stehen zu lassen. Denn darum soll es doch gehen, dass möglichst viele möglichst oft mal das Auto stehen lassen. Und wer, wenn wir die EM gewinnen, am Autokorso teilnehmen will, kann das dann immer noch machen.