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Bayernweit einmaliges Projekt in Hemhofen


Autor: Thomas Schöbel

Hemhofen, Donnerstag, 05. März 2020

Die Grundschule Hemhofen bietet ab dem nächsten Schuljahr eine Mittagsbetreuung im Außenbereich an. Das Konzept ähnelt dem eines Waldkindergartens.
Die Idee einer Matschgrube im neuen Außenbereich dürfte bei den Kindern gut ankommen.     Foto: Thomas Schöbel


Im Pausenhof der Grundschule Hemhofen stehen bereits Container als Ausweichquartier für die Verwaltung. Auf dem Gelände bilden sich erste Erdhügel von Aushubarbeiten. Es sind deutliche Anzeichen dafür, dass die Sanierung der Grundschule bald richtig durchstartet.

Eine große Veränderung bedeuten die Umbauarbeiten besonders für die Mittagsbetreuung, die aus dem aktuell genutzten hinteren Gebäudeteil ab Pfingsten in den vorderen Bereich über der Aula umziehen muss. Für das neue Schuljahr 2020/21 stehen dadurch weniger Räume für die Betreuung der aktuell 130 Kinder zur Verfügung. Weil die Gemeinde aber weiterhin für alle Kinder eine Betreuung anbieten will, sieht man sich gezwungen, neue Wege zu gehen.

Nur durch die Verlagerung in den Außenbereich könne man weiterhin alle Kinder berücksichtigen, so Bürgermeister Ludwig Nagel (CSU). Vorgesehen ist ein Angebot von 90 Betreuungsplätzen im Innenbereich und 40 Plätzen im neuen Naturraum-Außenbereich. Das Angebot im Innenbereich bleibt bis auf den räumlichen Umzug unverändert, erklärte die Leitung der Mittagsbetreuung Kerstin Ebert, bei einer Infoveranstaltung am Dienstagabend.

Drei Gruppenräume im Obergeschoss

Die derzeitige Aula wird durch Trennwände etwas verkleinert und zu einem Essensbereich für alle Kinder umgestaltet. Darüber befinden sich im Obergeschoss die drei neuen Gruppenräume. Die weiterhin angebotene Hausaufgabenbetreuung soll den Computerraum der Schule nutzen.

Eine gänzlich neue Betreuungsform stellt hingegen das Naturraum-Konzept im Außenbereich dar. "In dieser Form gibt es das in Bayern an keiner anderen Schule", so Marlen Richter, die ab Herbst die neue Gruppe leiten wird. Die Kinder verbringen im Normalfall die ganze Zeit im Freien, um dabei experimentell die Natur zu entdecken und ihren Bewegungsdrang ausleben zu können. Vergleichbar sei das mit einem Waldkindergarten, erklärt Richter.

Das aktuell noch wenig abwechslungsreiche Außengelände sollen die Kinder dabei selbst kreativ mitgestalten. Die größeren Arbeiten wie das Aufschütten von Erdwällen und Hügeln übernimmt ab Mai der Bauhof. Auch ein sozialer Einsatz der Firma Omicron aus Erlangen ist bereits organisiert. Der Gartenbauverein Hemhofen soll beim späteren Anpflanzen mit Rat und Tat zu Seite stehen. Richter schwebt neben Obstbäumen, Blühwiesen und naturnahen Spielgeräten eine Matschgrube und ein Tipi als Rückzugsort vor. "Ich will, dass sich die Kinder auch dreckig machen", zeigt sich Marlen Richter sichtlich begeistert von dem Konzept. Sie hatte selbst drei Kinder im Waldkindergarten Hemhofen und man merkt ihr die Begeisterung für das neue Programm an.

Konzeptionell ist neben der allgemeinen Beschäftigung im Freien die Durchführung bestimmter Projekte zur Gestaltung des Außenbereichs geplant. Auch eine Hausaufgabenbetreuung ist für die Außengruppe vorgesehen. Dafür sind moderne, beheizbare Container mit Großfenstern in modularer Bauweise vorgesehen. Neben einem großen Aufenthaltsraum soll es einen Umkleide- und Sanitärbereich geben. Anders als bisher ist die Hausaufgabenzeit im Außenbereich nicht mehr flexibel, sondern nach den jeweiligen Projekten von circa 15 bis 16 Uhr vorgesehen.

Abschließend betonten sowohl Ebert als auch Richter, dass die Kinder beider Gruppen natürlich weiterhin auch zusammen im Freien spielen werden und man hier flexibel agieren könne. Es sei jedoch nicht vorgesehen, dass Kinder aus dem Außenbereich die Gruppenräume in der Schule nutzen oder Kinder aus dem Innenbereich an Projekten im Naturraum teilnehmen.