Was haben mehrere Bierkrugdeckel, eine Milchkanne, ein eisernes Wappen, Gartengeräte sowie diverse andere Dinge, an denen der Zahn der Zeit genagt hat, gemeinsam? Die Antwort könnte im Herbst zu sehen sein. Wo momentan noch gähnende Leere auf den Steinplatten im neuen Ulanenpark herrscht, könnte in ein paar Monaten ein Stück Bamberger Geschichte entstehen. Was es damit genau auf sich hat? Der Wunderburger Jonny Hübner hat zusammen mit dem Künstler Ingo Siegismund, der seine Wurzeln auch im Viertel hat, ein Projekt angestoßen, welches Geschichte sichtbar machen soll: Die Wunderkugel.

"Die Kernidee ist, dass wir soviel Wunderburg wie möglich abbilden", erzählt Hübner. Der IT-Unternehmer ist Kunstsammler und möchte aus historischen Gegenständen des gut 6000 Menschen starken Stadtteils eine Sammlung zum Anfassen gestalten lassen. Der Künstler Siegismund soll daraus eine kugelförmige Skulptur schweißen. Die Wunderkugel soll dabei in zweifacher Hinsicht zum Mitmachen anregen: Zum einen sollen Kurbeln, Griffe und Co. aus dem Werk herausragen, damit man die Vergangenheit des Viertels ertasten und ausprobieren kann. So könnten hier Eltern und Lehrkräfte mit ihren Kindern und Schülern hautnahen Geschichtsunterricht gestalten. Der Zugriff zur Tradition soll nicht nur in der sichtbaren Welt möglich sein. "In einer App wollen wir die Menschen zu Wort kommen lassen, welche Hintergründe zu den gespendeten Gegenständen erzählen können", erklärt der IT-Fachmann, welcher selbst die Software entwickeln wird. Um eine Sammlung anzustoßen, hat Hübner Nachbarn, Freunde und Firmen vor Ort gefragt, welche Werkzeuge, Gerätschaften und Überbleibsel aus Handwerk und Leben der Bewohner Teil eines solchen Projekts werden könnten. Brauereigaststätten und Bäckereien haben auf Dachböden und in staubigen Kellern gekramt und allerlei metallene Zeitzeugen gefunden. Aber auch Alltagsgegenstände sind Teil der Sammlung geworden. "Mein Nachbar hat eine alte Milchkanne vor meine Tür gestellt", meint der Initiator und freut sich.

Stadträte wie Christian Lange oder Michael Bosch gingen hier zur Schule und hätten Dinge gespendet. Auch in der Wunderburger Bürgerversammlung habe das Projekt Sympathiepunkte gesammelt. "Die Idee kam gut an. Bis jetzt habe ich noch nichts Negatives gehört", hält Hübner fest. Wahrscheinlich liege es daran, dass so viele Menschen und Firmen vor Ort schon in das Projekt eingebunden sind, schätzt er. Das Projekt sei auch im Kontext zum Skulpturenweg zu sehen.

Nur dass in diesem Fall ein heimischer Künstler eine Bühne für seine Geschicklichkeit und Werke bekommen kann statt der Auswärtigen, die in den meisten Fällen Werke beisteuerten. "Kleine lokale Künstler haben es schwer", findet der Wunderburger. Rund 50 Gegenstände kamen so in der Zwischenzeit zusammen. "Aber wir sammeln noch weiter. Je mehr Menschen uns Gegenstände zukommen lassen, umso besser", wirbt Hübner. Wer spenden möchte, kann dies aufgrund der Corona-Situation natürlich kontaktlos machen. Die Kugel, welche mit einem geplanten Durchmesser von zwei Metern im Laufe des Sommers entstehen soll und in Kooperation mit der Stadtbau Bamberg errichtet wird, bleibt dennoch eine Herausforderung: "Ich bin wirklich gespannt, wie sich die einzelnen Puzzleteile zusammensetzen lassen", meint der Initiator und lacht.

Kontakt für Sachspenden gibt es unter www.wunderkugel.art