Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche
Autor: dpa
, Montag, 19. Oktober 2026
Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber auch aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik.
Der Berliner Fraktionsvorsitzende der Grünen, Werner Graf, rechnet mit der Zustimmung seiner Parteikollegen zu Koalitionsverhandlungen mit der SPD und den Linken. «Ich gehe fest davon aus, dass wir dann eine Mehrheit bekommen, dass wir diese Gespräche aufnehmen», sagte Graf im RBB-Inforadio. Er werde dafür werben. Die Grünen treffen sich am Abend (20.00 Uhr) zu einem kleinen Parteitag.
Auch die SPD entscheidet heute über die Aufnahme von Verhandlungen. Sie befindet bei einer digitalen Sitzung ihres Landesvorstands darüber. Basis ist ein Sondierungspapier, das die drei Parteien am Wochenende vorgestellt hatten.
Die Linke trifft ihre Entscheidung erst auf einem Parteitag am 31. Oktober. Grund sind die Herbstferien in Berlin. Im Falle einer Zustimmung können die Koalitionsgespräche Anfang November beginnen.
Gemeinsame Erklärung sozialdemokratischer Abgeordneter
Allerdings wenden sich 20 SPD-Bundestagsabgeordnete in einer gemeinsamen Erklärung gegen eine mögliche Koalition ihrer Partei mit der Linken in Berlin. «Unser Wertekompass ist niemals verhandelbar», lautet die Überschrift des Papiers von 20 Mitgliedern der SPD-Bundestagsfraktion zur Regierungsbildung in der Hauptstadt. Darüber berichteten etwa «Spiegel», «Bild» und «Table.Briefings», denen nach eigenen Angaben jeweils das Papier vorlag. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch bestätigte in der ARD-Sendung «Caren Miosga», dass sich 20 SPD-Abgeordnete kritisch geäußert hätten.
Die wiederkehrenden Antisemitismuskonflikte im Berliner Landesverband der Linken, die Kontakte in das Remmo-Umfeld, also zu einem kriminellen Clan, sowie zu Akteuren aus extremistischen Milieus und der Umgang mit diesen Vorgängen begründeten «einen erheblichen Zweifel» an der politischen Verlässlichkeit des Landesverbandes, zitierten die Medien aus der Erklärung.
«Mit Nachdruck gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen»
Man respektiere die Entscheidungshoheit der Berliner SPD. «Als Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion sehen wir zugleich unsere Verantwortung für die Glaubwürdigkeit gemeinsamer sozialdemokratischer Grundsätze. Deshalb sprechen wir uns unter den gegenwärtigen Voraussetzungen mit Nachdruck gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Berliner Linken aus», heißt es laut den Medienberichten in der Erklärung.
Juso-Chef Philipp Türmer sieht hingegen in einer möglichen rot-grün-roten Landesregierung in Berlin eine Chance - und steht damit nach eigenen Aussagen nicht alleine da in seiner Partei. «Also ich kenne auch sehr viele in der Sozialdemokratie, die es befürworten, dass wir wieder progressive Bündnisse suchen», sagte der Bundesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation im ARD-«Morgenmagazin». Vor allem hätten aber die Wählerinnen und Wähler sehr deutlich gemacht, dass sie sich eine andere Koalition als die vergangene wünschten und keine Berliner Koalition unter Führung der CDU haben wollten.