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Wuppertal: Silikonöl in Penis gespritzt und Mann stirbt - Gericht verhängt 5 Jahre Haft


Autor: Agentur dpa

Wuppertal, Montag, 28. August 2023

Ein Mann wollte seine Genitalien vergrößern lassen und ließ sich daher Silikonöl in sein Gemächt spritzen. Das kostete ihn das Leben. Nun steht der Mann vor Gericht, der ihm die Spritzen verabreicht hat.
Der Angeklagte (r) sitzt neben seinem Anwalt Jochen Ohliger im Gerichtssaal. Ein 46-Jähriger muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten.


Update vom 28.08.2023, 20.17 Uhr: Gericht fällt Urteil gegen Restaurant-Fachmann

Ein 46-jähriger Solinger ist für eine tödlich verlaufene Penisvergrößerung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Wuppertaler Landgericht sprach den Angeklagten am Montag wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig.

Bei einer der Injektionen von Silikonöl in das Geschlechtsteil eines 31-Jährigen war Silikonöl in die Blutbahn gelangt. Es kam zu einer Blutvergiftung, die nach mehreren Monaten Leidenszeit schließlich zum Tod des damals dann 32 Jahre alten Opfers führte.

Restaurant-Fachmann erhält Gefängnisstrafe

Der Angeklagte, der weder Arzt noch Heilpraktiker ist, sondern Restaurant-Fachmann, habe dem 32-Jährigen vorgetäuscht, die notwendige Qualifikation für die Behandlung zu besitzen, so das Gericht. Außerdem habe er über die Art des verwendeten Silikonöls falsche Angaben gemacht.

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Der Angeklagte hatte argumentiert, er habe die Spritzen auf ausdrücklichen Wunsch des späteren Opfers gesetzt. Da das Opfer aber in entscheidenden Punkten getäuscht worden sei, habe keine frei verantwortliche Entscheidung vorgelegen, befand das Gericht. Außerdem sei die Behandlung potenziell lebensgefährlich und damit rechtlich sittenwidrig gewesen.

Der Angeklagte hatte die Silikon-Behandlungen gegen Geld im Internet angeboten. Strafverschärfend wertete das Gericht, dass der Kellner trotz der tödlichen Injektion einem weiteren Mann mehrere weitere Injektionen verabreicht habe, zuletzt noch im März dieses Jahres. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Opfer wurde getäuscht - Angeklagte verfügte nicht über nötige Qualifikation

Das Opfer war im Februar 2020 gestorben. Der Mann war zuvor seit der Injektion im Juli 2019 über Monate immer wieder in verschiedene Krankenhäuser gekommen. Am Ende einer langen Leidensphase starb er schließlich an inneren Blutungen sowie Leber- und Nierenversagen.

Der Angeklagte hatte sich während des Prozesses zwischenzeitlich abgesetzt, war dann aber wieder aufgetaucht und hatte sich der Justiz gestellt. Daraufhin war er in Untersuchungshaft gekommen. Die 29-jährige Schwester des Opfers hatte ausgesagt, vor der letzten Injektion habe ihr Bruder Bedenken gehabt, die der Angeklagte aber zerstreut habe.

Originalartikel vom 08.07.2023

Ein 46 Jahre alter Mann aus Solingen hat am Freitag vor dem Wuppertaler Landgericht zugegeben, einem 32 Jahre alten Mann mehrfach Silikonöl in Penis und Hodensack gespritzt zu haben. Der Jüngere wollte so seinen Penis vergrößern lassen.

Der 32-Jährige war an einer Blutvergiftung und anschließendem Organversagen gestorben, weil das Silikonöl in die Blutbahn gelangt war. Der 46-Jährige muss sich unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Blutvergiftung nach Penis-Spritzen - Mann stirbt an versuchter Penisvergrößerung

Der Angeklagte, der laut Anklage weder Arzt noch Heilpraktiker, sondern Restaurant-Fachmann ist, betonte vor Gericht, dass er den Jüngeren über mögliche Risiken der Behandlungen bis hin zu einem möglichen Tod aufgeklärt habe. Das habe den Mann aber nicht abgeschreckt. Mehrfach habe er den Jüngeren gefragt, ob er die Spritzen wirklich wollte. Dieser habe dabei auf die Injektionen gedrängt und sich ein, so wörtlich, «monströses Gehänge» gewünscht.

Insgesamt vier Injektionstermine in Solingen habe es gegeben, mit jeweils 100 Milliliter «zum Selbstkosten-Preis von 200 Euro», sagte der Angeklagte.

Dem 46-Jährigen wird auch ein Verstoß gegen das Heilpraktiker-Gesetz vorgeworfen. Er habe die Injektionen ohne eine entsprechende Zulassung oder Befähigung vorgenommen, so das Gericht. Auch habe er erkennen können, dass das Öl gesundheitsschädliche oder tödliche Folgen auslösen könne.

Er war kein Arzt: Gewöhnlicher Mann spritzt Silikonöl in das Gemächt eines anderen Mannes

Der Solinger berichtete zu Prozessbeginn, dass er den Mann etwa 2016 auf einer Datingplattform kennengelernt habe. Dieser habe die Behandlung von ihm verlangt, weil er wusste, dass der nun Angeklagte eine solche Behandlung 2013 und 2014 bei sich selbst vorgenommen hatte.

Das nötige Wissen für den Eingriff habe er sich im Internet angelesen, sagte der 46-Jährige. Außerdem habe er ein Grundwissen über Wundversorgung. Das Gericht hielt dem Angeklagten vor, dass er die Silikon-Behandlungen offensiv per Internet angeboten hatte.

Der 32-Jährige war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft im Februar 2020 als Folge der Behandlungen gestorben. Der Mann war zuvor über Monate immer wieder in verschiedene Krankenhäuser gekommen - zunächst mit akuter Atemnot. Am Ende einer langen Leidensphase starb er schließlich an inneren Blutungen sowie Leber- und Nierenversagen, so die Anklage.

Haftstrafe von bis zu drei Jahren möglich

Die Mutter des Verstorbenen ist über einen Anwalt Nebenklägerin im Prozess. Wird der 46-Jährige wie angeklagt verurteilt, droht ihm eine Haftstrafe von mindestens drei Jahren. Die Tatsache, dass der 32-Jährige die Behandlung wollte, spreche nicht für den Angeklagten, so die Staatsanwaltschaft. Auch die Verteidigung geht davon aus, dass es im Prozess zu einer Verurteilung kommen wird. Man strebe aber an, eine Haftstrafe zu vermeiden.