Wüst für Bund-Länder-Gruppe zur AfD-Prüfung – CSU skeptisch
Autor: dpa
, Dienstag, 08. Sept. 2026
Hendrik Wüst fordert eine Arbeitsgruppe, um den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD zu prüfen. Das müsse nicht automatisch zu einem Verbotsverfahren führen, betont er.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD und möglichen Folgen. Diese Prüfung müsse ergebnisoffen sein und dürfe nicht automatisch zu einem Verbotsverfahren führen, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. CSU-Chef Markus Söder reagierte skeptisch, Zustimmung kam von den Grünen. AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel sieht in dem Vorstoß einen «Versuch, vom Versagen der Union abzulenken».
Wüst sagte: «Ich warne vor Schnellschüssen bei einem AfD-Verbot, denn das Verbot einer politischen Partei kann nur der letzte Weg sein, wenn wir unsere Verfassung schützen wollen.» Er erklärte: «Es muss nun eine Struktur geben, in der diese Fragen von Bund und Ländern sorgfältig, professionell und seriös geprüft werden.»
Aus Sicht des NRW-Regierungschefs sollten in der Arbeitsgruppe der Verfassungsschutz, aber auch Verfassungsrechtler und weitere Experten von Bund und Ländern beteiligt sein. «Es geht insgesamt um die Frage, wie der Staat verfassungsrechtlich mit einer Partei umgeht, die mindestens in einzelnen Bundesländern verfassungsfeindliche Ziele verfolgt», so der CDU-Politiker.
AfD-Chefin Weidel kritisierte Wüst scharf. Der Vorstoß zeige «das ganze Ausmaß der Verzweiflung der CDU nach der historischen Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt», sagte sie dem Nachrichtenportal «The Pioneer». Dass Wüst direkt nach dem Wahlsieg der AfD eine neue Verbotsdebatte «vom Zaun brechen» wolle, sei «der verzweifelte Versuch, vom Versagen der Union abzulenken». Die CDU und Kanzler Friedrich Merz hätten nicht mehr die Kraft zu einem Politikwechsel, sagte Weidel. «Hendrik Wüst weiß das natürlich.» Sie sehe der Debatte mit großer Gelassenheit entgegen.
Söder reagiert skeptisch und warnt vor Märtyrerstatus für AfD
CSU-Chef Markus Söder reagierte skeptisch auf Wüsts Vorstoß: «Bei allem grundsätzlichen Verständnis, dass es einem lieber wäre, diese AfD wäre nicht da, ist die Realität, dass es verfassungsrechtlich kaum durchsetzbar ist», sagte er nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Neben einem jahrelangen Verfahren bestehe die Gefahr, dass die AfD einen neuen Märtyrerstatus erhalte. Die AfD müsse inhaltlich gestellt werden.
Die CSU werde sich Gesprächen in einer Bund-Länder-Gruppe zwar nicht grundsätzlich verschließen, «aber das ist ja nichts anderes als ein Ausdruck auch von Unsicherheit», betonte Söder. «Man muss in einer Demokratie mit demokratischen Mitteln arbeiten und der demokratische Weg heißt, sich auf die nächsten Wahlen anders vorzubereiten als in Sachsen-Anhalt, klarere Argumente zu finden.» Die CSU glaube nicht, dass ein Verbotsverfahren funktioniere.
«Hat öffentlich bisher, glaube ich, kein CDU-Mensch gesagt»
Am Montagabend hatte Wüst laut Berichten von «Politico» und «Welt» die Idee einer Arbeitsgruppe bei einer Talk-Veranstaltung mit der Ökonomin Maja Göpel in Berlin ins Spiel gebracht. «Ich habe heute etwas gesagt, das hat öffentlich bisher, glaube ich, kein CDU-Mensch gesagt: dass ich dafür bin, diese Arbeitsgruppe einzusetzen, die diese Arbeit dann leistet», wurde Wüst dort zitiert.